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Kommentar

Sportstadt Regensburg? Nicht um jeden Preis!

Ein Kommentar von Heinz Gläser, MZ

Sportstadt! Dieses Prädikat reklamiert Regensburg stolz für sich. Und in der Tat findet an dem Begriff wenig Anmaßendes, wer sich in den Parks und entlang der Donau umschaut. Da wird tagein, tagaus fleißig gekickt, geradelt, gejoggt und gedehnt. In puncto Breitensport ist die ostbayerische Metropole spitze. Im Bereich Spitzensport freilich hapert’s, von Ausnahmen wie den rührigen Leichtathleten oder den Baseballern mal abgesehen. Doch die besetzen im fußballverrückten Deutschland eher Nischen.

Sportstadt? Da klaffen Regensburger Anspruch und Regensburger Wirklichkeit dann doch auseinander. Die Gründe sind vielschichtig. Der Hauptgrund ist längst ausgemacht. Die Boomtown prosperiert dank potenter, global operierender Wirtschaftsunternehmen in der Region, die indes wenig Neigung verspüren beziehungsweise schlicht keinen Nutzen davon hätten, sich finanziell nennenswert im örtlichen Sport zu engagieren. Ihre Konzernzentralen sind anderswo angesiedelt oder ihre Produkte nicht so massentauglich, dass sie auf den Trikots eines Fußball- oder Eishockeyklubs beworben werden müssten.

Allerdings hat die kommunale Politik diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit nie akzeptiert. Mit dem Bau der Donau-Arena und allemal mit der Errichtung der Continental-Arena hat sie Zeichen gesetzt, die klar in eine Richtung weisen: Die viertgrößte Stadt Bayerns reklamiert im Wettbewerb der Kommunen auch sportlich einen Rang für sich, der ihr historisch, ökonomisch und kulturell längst zukommt. Kurz: Regensburg wollte am liebsten in einer Liga mit Nürnberg oder Augsburg spielen, was publikumsträchtige Formen der Leibesertüchtigung angeht.

Doch um einen beliebten Ausspruch aus der Welt des Sports leicht abgewandelt zu zitieren: Steine schießen keine Tore, weder im Fußball noch im Eishockey. Der Eifer und die Finanzen, die die Stadt in eine moderne Infrastruktur investierten, haben sich bis dato kaum in sportlicher Münze ausgezahlt. Die traditionsreichen Aushängeschilder, der Jahn und der EVR, sind drittklassig, das ist aller Ehren wert, aber nicht unbedingt vorzeigbar.

Was fehlt, ist neben herausragenden Erfolgen ein Konsens in der Stadt. In den Ohren ambitionierter Kommunalpolitiker klingt die Frage fast ketzerisch: Braucht Regensburg für sein Glück einen Fußball-Bundesligisten oder einen Klub der Deutschen Eishockey-Liga? Wer Spitzenfußball sehen will, ist in München, Nürnberg, Augsburg oder neuerdings dem nahen Ingolstadt bestens aufgehoben, wer auf die Kufenflitzer abfährt, der nimmt den Trip nach Straubing, Nürnberg, München oder Ingolstadt auf sich.

Vor diesem Hintergrund nochmals den Bau eines mehr als 50 Millionen Euro teuren Prestigeobjekts zu thematisieren, ist müßig. Die Continental-Arena steht. Sie ist das Resultat einer politischen Willensbildung. Ob sich in dem Projekt jedoch auch eine breite Unterstützung der Bürgerschaft widerspiegelt, sei dahingestellt. Jene Regensburger, die sich nicht zu den gusseisernen Fans des SSV Jahn zählen, nahmen es zur Kenntnis.

In den aktuellen Turbulenzen rund um die spektakuläre Inhaftierung von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs sind die nun offenkundige Verquickung und die gefährliche Nähe von politischen, wirtschaftlichen und sportlichen Interessen eher ein Randaspekt. Aber sie bieten den Anlass, sich auf breiter Basis den gewünschten Stellenwert des Spitzensports in dieser Stadt bewusst zu machen.

Sportstadt Regensburg? Gerne, aber nicht um jeden Preis!

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