MyMz

Aussenansicht

Standards für Baukindergeld

Das Bauen in der Stadt ist erheblich teurer als auf dem Land. Deshalb ist es sinnvoll, differenziert vorzugehen.
Hinderk Hillebrands, Ingenieur

Hinderk Hillebrands
Hinderk Hillebrands

Das Deutsche Energieberater-Netzwerk DEN e.V. begrüßt grundsätzlich die Entscheidung der Spitzen der Berliner Koalition, das Baukindergeld nun doch nicht wie geplant auf 120 Quadratmeter Wohnfläche für eine vierköpfige Familie zu begrenzen. Vielmehr soll es ohne Flächenbegrenzung bis zum 31. Dezember 2020 beantragt und dann über zehn Jahre gezahlt werden. Damit will man den Wohnungsbau mit einem mehrere Milliarden Euro schweren Programm anschieben.

Mit einer Flächenbegrenzung wäre vor allem für Familien, die ein Eigenheim in einer ländlichen Region suchen, die staatliche Förderung ausgeblieben. Für den gesamten ländlichen Raum hätte diese Förderung kaum einen Sinn gehabt, da nur sehr wenige Menschen unter 125 Quadratmeter bauen. Das ist die durchschnittliche Wohnfläche für eine vierköpfige Familie im Einfamilienhaus oder in einer Doppelhaushälfte mit drei Zimmern, Bad, Hauswirtschaftsraum, Anschlussraum, Ess-/Wohnzimmer und Küche.

Das DEN regt allerdings an, die neue Förderung mit Kriterien der Energieeffizienz der bezuschussten Gebäude zu verknüpfen. Damit würde diese Förderung zu einem bewussten Umgang mit Ressourcen beitragen, welcher wirtschafts- und klimapolitisch von größter Bedeutung ist. Die Wohnqualität misst sich nicht alleine an der Größe und Quadratmeterzahl eines Gebäudes.

Man sollte diese staatliche Förderung auch nicht vom Charakter der Immobilie abhängig machen. Im Hinblick auf die Entspannung des Wohnungsmarktes in Metropolregionen und auf die Veränderung des Wohnens im ländlichen Raum muss ein Einfamilienhaus nicht die Wohnform der Zukunft sein.

Vorausgesetzt, die Einführung des Baukindergeldes ist unumgänglich und wird anhand verschiedener Kriterien eingeschränkt, ergibt es mit Blick in die Zukunft derzeit nur Sinn, die Bemessungsgrundlage über die Energieeffizienz herbeizuführen – beispielsweise über den End- und Primärenergieverbrauch pro Quadratmeter. Außerdem sollte man die Zuschüsse nach Stadt, Land und Region staffeln und sich den realen Gegebenheiten anpassen. In der Tat ist das Bauen in der Stadt erheblich teurer als auf dem Land. Deshalb ist es sinnvoll, hier differenziert vorzugehen.

Der Autor ist Ingenieur

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht