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Diskussion

Steinbrück rockte die Uni Regensburg

Der SPD-Politiker wurde von den Studenten wie ein Superstar empfangen. Und er enttäuschte sein Publikum nicht.
Von Stefan Stark, MZ

  • Peer Steinbrück an der Universität Regensburg im Gespräch mit Prof. Stephan Bierling (r.), Prof. Udo Hebel (2. v. r.) und Studenten Foto: altrofoto.de
  • Drinnen war kein Platz mehr: Viele Studenten verfolgten die Diskussion mit Peer Steinbrück vom Foyer aus. Foto: altrofoto.de

Regensburg. So etwas hat man in Regensburg noch nicht gesehen: Ein Politiker – von Hunderten jungen Leuten umlagert wie ein Rockstar. Peer Steinbrücks Auftritt am Dienstag Abend an der Universität Regensburg elektrisierte die Studierenden. Bereits eine halbe Stunde vor seinem Auftritt war der Hörsaal H24 überfüllt, Dutzende Zuhörer saßen auf dem Boden, oder lauschten draußen vor den Türen. Prof. Stephan Bierling, der Organisator der Diskussionsrunde, bat Studenten aufs Podium, wo sie das Rednerpult umlagerten, wie bei manch einem überfüllten Konzert.

Klartext-Peer enttäuschte sein Publikum nicht. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen rockte er den Saal und lieferte geschliffene Analysen zu den großen politischen Themen – Anti-Terror-Kampf, Flüchtlingskrise, die Sorge um Europa. Und immer wieder fiel der Name von Helmut Schmidt – den Steinbrück in vielerlei Hinsicht als Vorbild lobte. Der verstorbene Altkanzler sei ein Politikertyp gewesen, „nach dem sich die Leute sehnen“, sagte Steinbrück. „Er stand für Verantwortung, Leidenschaft und Augenmaß. Die heutigen Politiker aber sind nicht konfliktfähig und stets politisch korrekt,“ erklärte der frühere SPD-Kanzlerkandidat.

Steinbrück gesteht Fehler im Bundestagswahlkampf ein

Volles Haus im Hörsaal H24: Prof. Udo Hebel freut sich über den überwältigenden Besucherandrang,
Volles Haus im Hörsaal H24: Prof. Udo Hebel freut sich über den überwältigenden Besucherandrang, Foto: altrofoto.de

Offen gestand Steinbrück Fehler seiner Partei im Bundestagswahlkampf 2013 ein. Mit der Addition einzelner Politikangebote wie Mindestlohn oder Mietpreisbremse könne man keine Mehrheit gewinnen sagt Steinbrück und verpasste seiner Partei einen Seitenhieb: „Ich befürchte, dass die SPD nicht aus diesem Fehler gelernt hat.“

Überhaupt ging er mit seinen Berufskollegen hart ins Gericht – aber auch mit den Bürgern: „Ich werfe der politischen Klasse vor, dass sie zur Entpolitisierung und zur Remobilisierung der Wähler beigetragen hat. Sie hat das Volk sediert – und das Publikum hat sich das gefallen lassen, weil es sich bequem einrichten wollte.“ Doch das funktioniere jetzt nicht mehr – spätestens seit der Ukraine-Krise.

Eine klare Ansage zum Anti-Terror-Kampf

Peer Steinbrück auf dem Podium mit Prof. Stephan Bierling
Peer Steinbrück auf dem Podium mit Prof. Stephan Bierling Foto: altrofoto.de

Auch zum Bundeswehr-Einsatz in Syrien vertrat Steinbrück eine klare Position: „Der Beistand für Frankreich ist unsere Pflicht. Alles andere hätte ein verheerendes Signal in die europäischen Hauptstädte gesendet. Und wieder zitierte der SPD-Politiker Grundüberlegungen von Helmut Schmidt: „Politik muss für unsere Partner verlässlich sein. Deutschland darf sich nie wieder isolieren. Und die deutsch-französische Konstante ist entscheidend für das europäische Einigungsprojekt.“ Dem unvorstellbaren Totalitarismus des IS müsse die Staatengemeinschaft entschieden entgegentreten – nicht nur militärisch, sondern auch, indem man seine Finanzquellen austrocknet“, sagte Steinbrück.

Mit Sorge betrachtet er auch die zunehmende Renationalisierung in der EU. Wegen der Uneinigkeit in der Flüchtlingskrise erlebten nationalchauvinistische Partien einen starken Zulauf. Ich halte es für möglich, dass die europäische Einigkeit zerbröckelt.“

Praktischer Tipp für eine Regensburger Studentin

Peer Steinbrück in seinem Element: Der ehemalige Kanzlerkandidat  redete an der Universität Regensburg Klartext.
Peer Steinbrück in seinem Element: Der ehemalige Kanzlerkandidat redete an der Universität Regensburg Klartext. Foto: altrofoto.de

Steinbrück wäre nicht Steinbrück, hätte er nicht auch noch einen praktischen Rat für eine Studentin parat, die ihre Masterarbeit über das Freihandelsabkommen TTIP schreibt. Der Politiker, der die Intransparenz der Verhandlungen ebenso kritisiert wie private Schiedsgerichte empfahl ihr, ein Kapitel über die Rolle internationaler Gerichte aufzunehmen. Ein Volltreffer beim Publikum: Die Studenten feierten Steinbrück mit langem Beifall.

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