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Gillamoos

Stimmungskiller Eurokrise

Beim Gillamoos-Volksfest in Abensberg zeigt sich, dass vielen Bürgern im Bierzelt der falsche Politiker Wolfgang Krebs lieber ist als die echten Politiker.

Bundeskanzlerin Angela Merkel trinkt am Montag (03.09.2012) beim politischen Frühschoppen auf dem Gillamoos-Volksfest in Abensberg aus einem Maßkrug Bier. Foto: dpa

Abensberg. Eigentlich ist das Gillamoos-Volksfest in Abensberg für Deutschlands Politiker ein Grund zu tiefstem Selbstzweifel. Denn bei den Zuschauerzahlen sticht der Kabarettist Wolfgang Krebs alljährlich die meisten Politiker aus. Heuer kann nur Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Krebs übertrumpfen – die eine Routinerede hält, sich aber in der Euro-Krise von der CSU absetzt.

Zu Merkels Einzug spielt die Kapelle den Marsch „Preußens Gloria“, am Ende gibt’s „Angie“ von den Rolling Stones: Die ist zu Gast mitten im CSU-Stammland – und wird bei ihrem Auftritt in Niederbayern von mehreren tausend Gästen begeistert empfangen. Dort tut die CDU-Vorsitzende, was man von ihr bei derartigen Auftritten in Bayern gewohnt ist: Sie hält eine relativ staatstragende Rede, in der routinemäßiges Lob für den Freistaat und die CSU nicht zu kurz kommt.

Zu den harschen Tönen aus der Schwesterpartei zur europäischen Schuldenkrise hält sie Distanz. CDU und CSU seien zwei Parteien, seien gute Schwestern, hätten aber ab und an unterschiedliche Meinungen, sagt Merkel. „Wenn’s drauf ankommt, halten CDU und CSU zusammen – und das war immer gut für Deutschland.“ Das sind Sätze aus ihrem Standard-Repertoire bei Auftritten in Bayern. Dann stellt die Kanzlerin – obwohl auch sie Griechenland zu Reformen drängt und eine Schuldenunion ausschließt – klar: „In einer solchen schwierigen Phase haben diese Länder unsere Solidarität verdient, dass wir ihnen wünschen, dass sie diese Schwierigkeiten überwinden können.“

FDP muss Flop erdulden

Das hört sich anders an als CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, der Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone zieht. Trotzdem betont der CSU-General, der in dem proppenvollen Bierzelt neben Merkel auf der Bühne steht, es gebe „überhaupt keinen Widerspruch“. Was Griechenland angehe, da bleibe er dabei: „Man muss die Alternativen einfach diskutieren.“

Auch in den anderen Bierzelten, in denen – das ist das Besondere am Gillamoos – zeitgleich Spitzenpolitiker aller Parteien auftreten, überschattet die Euro-Krise am Montag alle anderen Themen. SPD-Landtags-Spitzenkandidat Christian Ude wirft der CSU wegen der Rufe nach einem Euro-Aus Griechenlands „skrupellose Vereinfachung“ vor: „’Griechen raus‘ erinnert mich an übelste Parolen.“

Grünen-Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin attackiert Merkel als scheinheilige Schuldenkanzlerin. Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger wiederum sagt derweil unter großem Applaus: „Ich möchte der Kanzlerin zurufen: Komm rüber du altes Schlachtross, hier ist die Alternative.“ Bei der FDP kontert Wirtschaftsminister Martin Zeil mit dem Vorwurf, Aiwanger sei ein „eurofeindliches Rumpelstilzchen“ auf Stimmenfang ganz rechtsaußen.

Die wahre Alternative sehen an diesem Montag viele Gillamoos-Besucher nicht bei Aiwanger, sondern bei dem Auftritt des Kabarettisten Wolfgang Krebs – der lockt nach Merkel die meisten Zuhörer, noch vor Ude. Der SPD-Spitzenkandidat allerdings ist ebenfalls sehr erfreut, denn er zieht ebenfalls gut 1800 Zuhörer – damit hat Ude weit größeren Zulauf als die SPD-Redner in den Vorjahren. Einen Flop muss vor allem die leidgeprüfte FDP erdulden: In ihrem Zelt finden sich weniger als hundert Gäste ein.

Krebs in einer Vierfachrolle

Satiriker Krebs tritt in einer Vierfachrolle auf: als Merkel, Ude, als Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber und als Ministerpräsident Horst Seehofer. Auf dem Gillamoos, so beklagt Krebs als Stoiber, da dominierten außerbayerische Politiker. „Weil es auch heuer wieder gilt, als einziger Bayer die weißblaue Fahne hochzuhalten in einem Meer aus nichtbajuwarischen Rednerströmen, die heute einmal mehr über uns hereingebrochen sind!“

Merkel ein Zelt weiter schmeichelt derweil den Bayern – ebenfalls ein Standardversatzstück ihrer Reden in Bayern. Sie lobt die bayerische Finanzpolitik und sagt an die Adresse der Ratingagenturen: „Die Bayern sind wahrscheinlich überzeugt, dass man noch eine neue Kategorie erfinden müsste: AAA, Stern, Stern, Stern.“ Nachher, als Merkel weg ist, spielt die Kapelle: „Bayern, des samma mia, samma mia, samma mia.“ Die Musik der Kultband Haindling eint die Parteien. Den Song gibt auch die Kapelle im Ude-Zelt zum Besten. (dpa)

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