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Bahn-Projekt

Stuttgart 21: Polizei räumt Baumhaus

Einsatzkräfte holten die Aktivisten per Hubschrauber und Korb auf den Boden. Demonstranten eilten den Besetzern zu Hilfe.

Polizisten tragen in der Nacht zum Dienstag (07.09.2010) in Stuttgart Gegner des umstrittenen Bauprojekts Stuttgart 21 weg, die mit einer Sitzblockade gegen die Räumung eines Baumhauses demonstrieren. Mitglieder der Umweltorganisation Robin Wood hatten sich in einem Baumhaus verschanzt, um gegen das Fällen zahlreicher Bäume im Schlossgarten zu demonstrieren.

Stuttgart.Die Polizei hat in der Nacht zum Dienstag ein von Gegnern des umstrittenen Bauprojekts Stuttgart 21 seit Freitag besetztes Baumhaus geräumt. Die Aktion dauerte rund vier Stunden. Vier Aktivisten wurden von einem Sondereinsatzkommando auf den Bäumen gefasst und mit Körben an einem Hubschrauber zu Boden gelassen. Rund 100 Demonstranten waren den Besetzern zur Hilfe geeilt, einige bildeten zeitweise eine Sitzblockade um den Baum herum. Elf Demonstranten wurden von Einsatzkräften weggetragen. Die Aktivisten in der Krone sollen sich der Sprecherin der Umweltorganisation Robin Wood, Kei Andrews, zufolge auch an den Baum gekettet haben.

Nur wenige Stunden zuvor hatte bereits das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 überraschend das für Freitag geplante Spitzengespräch über das Milliardenprojekt am Hauptbahnhof platzen lassen. Begründet wurde der Schritt damit, dass es keinen sofortigen Baustopp am Hauptbahnhof geben werde.

Gegner kündigen härtere Gangart an

Der Sprecher der sogenannten Parkschützer, Matthias von Herrmann, kündigte zudem eine härtere Gangart an. Man werde noch mehr Aktionen starten, bei der sich Demonstranten anketten, um die Bauarbeiten zu behindern.

Auch protestierten am Montagabend erneut tausende Menschen mit Trillerpfeifen und Vuvuzelas gegen eine Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Die Polizei sprach von 8000 Demonstranten, die Organisatoren von 20.000. „Rote Karte für die Scheißpolitik“, hieß es auf einem Transparent.

Ob es einen neuen Versuch für ein Gespräch geben wird, war zunächst unklar. Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann, der gemeinsam mit Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) zu dem Treffen eingeladen hatte, sprach davon, dass der erste Anlauf gescheitert sei.

Mappus: erneutes Gesprächsangebot

Mappus erneuerte trotz seiner scharfen Kritik an der Absage die Einladung. „Unser Gesprächsangebot gilt fort. Nach meiner festen Überzeugung liegt in einem offenen und fairen Dialog zwischen Projektbefürwortern und -gegnern unverändert eine wichtige Chance, eine Versachlichung der öffentlichen Diskussionen zu erreichen.“ Er appellierte an die Kritiker, „sich einem konstruktiven Austausch nicht zu verweigern“.

Parkschützer von Herrmann zweifelte an der Ernsthaftigkeit des Angebots. „Wenn Mappus einen Baustopp ablehnt, ist klar, dass er auch die Gespräche ablehnt.“ CDU-Fraktionschef Peter Hauk warf den Gegnern hingegen vor, die ursprüngliche Zusage zu dem Gespräch sei nur der Versuch gewesen, „die Bauarbeiten durch die Hintertür zu stoppen“.

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