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Wirtschaft

Tarifbindung ist kein Selbstzweck

Die digitale Transformation erfordert zeitgemäße Tarifverträge für einen dauerhaften Erhalt der Tarifbindung.
Von Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. Foto: Hans-Rudolf Schulz
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. Foto: Hans-Rudolf Schulz

Regensburg.Für fast acht von zehn Beschäftigten in Deutschland gelten direkt oder indirekt tarifvertraglich geregelte Arbeitsbedingungen. Dieser Anteil ist seit Jahren stabil und eine Erosion der Tarifbindung ist entgegen aller Behauptungen nicht festzustellen. Aber: Die Tarifbindung ist kein Selbstzweck! Wenn ein Unternehmen außerhalb des Flächentarifvertrags größere Erfolgschancen für sich sieht, dann muss ihm diese Freiheit auch offenstehen.

Wir bekennen uns zur grundgesetzlich garantierten positiven und negativen Koalitionsfreiheit. Die Freiwilligkeit der Tarifbindung ist ein Wesensmerkmal der Tarifpartnerschaft. Die Attraktivität des Flächentarifvertrages ist und bleibt die Grundlage und der Maßstab für hohe Tarifbindung. Ein interessengerechter und bei Bedarf anpassbarer Tarifvertrag bleibt der beste Anreiz, die Tarifbindung einzugehen. Tarifverträge müssen zu ihrem ursprünglichen Zweck, der Festlegung von Mindestarbeitsbedingungen, zurückgeführt werden und durch eine moderate Lohnpolitik für jedes Unternehmen, egal welcher Größe, attraktiv bleiben. Konträr dazu entwickelt sich die qualitative Tarifpolitik.

Die Tarifbindung könnte irreparabel Schaden nehmen

In vielen Branchen wurden in den vergangenen Jahren verstärkt Tarifverträge über qualitative Themen abgeschlossen. Dazu gehören Regelungen zur Zeitarbeit und Qualifizierung. Dabei gilt die Maxime des immer mehr. Das muss gestoppt werden. Flächentarifverträge dürfen nicht überfrachtet werden, sonst verliert die Tarifbindung weiter an Attraktivität. Leider wird die Tarifautonomie zunehmend infrage gestellt. Es ist ein Irrglaube, dass die Akzeptanz der Tarifbindung durch gesetzlichen Zwang steigt. So werden in der Öffentlichkeit immer wieder neue Wege diskutiert, um Arbeitgeber von staatlicher Seite unter Druck zu setzen, sich der Tarifbindung anzuschließen: Etwa durch die Privilegierung tarifgebundener Unternehmen durch steuerliche Vergünstigungen. Die Tarifbindung wird dadurch vielmehr irreparabel beschädigt. Die Tarifvertragsparteien sind selbst für die Attraktivität und Akzeptanz ihrer Tarifverträge verantwortlich. Es ist an der Zeit, die Weichen auf die Zukunft auszurichten und die Errungenschaften der Vergangenheit in die Moderne zu führen. Die digitale Transformation erfordert zeitgemäße Tarifverträge für einen dauerhaften Erhalt der Tarifbindung.

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