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Politik
Dienstag, 17. Juli 2018 30° 3

Notfall

Thailand hofft auf ein Wunder

Verzweifelt warten Angehörige auf ein Lebenszeichen der in einer Höhle eingeschlossenen Jugendlichen. Die Zeit drängt.
Von Hathai Techakitteranun und Angelika Engler

Angehöhrige, der in einer Tropfsteinhöhle eingeschlossenen Jugendfußball-Mannschaft, versuchen, die in der Höhle verlorenen Seelen von Geistern, hervorzufischen. Im Wettlauf gegen die Zeit versuchen Retter in Thailand, die in einer Höhle eingeschlossene Jungend-Fußballmannschaft freizubekommen. Foto: Tassanee Vejpongsa/AP/dpa
Angehöhrige, der in einer Tropfsteinhöhle eingeschlossenen Jugendfußball-Mannschaft, versuchen, die in der Höhle verlorenen Seelen von Geistern, hervorzufischen. Im Wettlauf gegen die Zeit versuchen Retter in Thailand, die in einer Höhle eingeschlossene Jungend-Fußballmannschaft freizubekommen. Foto: Tassanee Vejpongsa/AP/dpa

Bangkog.Nach dem Fußballtraining noch eine Höhle besuchen: Was verlockend klang, hat sich im Norden Thailands zu einem Drama entwickelt. Seit Samstagnachmittag sind zwölf Jungen im Alter von 13 bis 16 Jahren und ihr Trainer in der viertgrößten Höhle des Landes in der Provinz Chiang Rai eingeschlossen. Heftiger Regen, so die Behörden, hatte eine Sturzflut ausgelöst und der Gruppe den Weg zurück ins Freie versperrt. Die am Eingang der Höhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non zurückgelassenen Schuhe und Fahrräder sind stumme Zeugnisse des Besuchs.

Retter versuchten auch gestern unentwegt, die Vermissten im Wettlauf gegen die Zeit in der mehr als zehn Kilometer langen und weit verzweigten Höhle zu finden. Rettungstaucher der Marine drangen zu einem Höhlenraum vor, in dessen Nähe die Gruppe vermutet wird. Offenbar hatten sich die Jugendlichen und der Trainer vor dem Wasser immer weiter ins Höhleninnere zurückgezogen, so wird vermutet.

Abdruck gibt Hoffnung

Auch Drohnen und ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug kamen zum Einsatz. Bohrungen von außen schlossen Verantwortliche der Zeitung „Bangkok Post“ zufolge ebenfalls nicht aus, auch sollten Pumpen zum Einsatz kommen, um den Wasserpegel zu reduzieren. Steigende Wasserstände und starke Strömung erschwerten allerdings die Arbeiten, Teile der Höhle standen nach neuem Regenfall am Dienstagmorgen bis zu sieben Meter unter Wasser.

„Mein Sohn ist ein starker Junge. Ich habe noch Hoffnung.“

Namhom Boonpiem

Vor dem Höhleneingang nahe dem Ort Mae Sai bangten Angehörige derweil um das Leben der Kinder und des Trainers. Für einen Hoffnungsschimmer sorgte die Nachricht, Retter hätten Spuren von Hand- und Fußabdrücken entdeckt. „Das gibt mir Hoffnung, dass sie noch am Leben sind“, sagte die Mutter eines der vermissten Kinder, die an der Höhle die Nacht verbracht hat.

Geister herausfischen

  • Angeln:

    Angehörige der in einer Tropfsteinhöhle eingeschlossenen Jugendfußball-Mannschaft stehen mit Angeln und Fischernetzen vor dem unzugänglichen Eingang.

  • Glaube:

    Die Angehörigen tun das als spirituelles Zeichen. Sie versuchen, die Geister der in der Höhle verlorenen Seelen hervorzufischen.

Auch andere Eltern harrten über Nacht in Zelten im strömenden Regen vor der Höhle aus. Sie habe nicht geschlafen, sagte Namhom Boonpiem einem örtlichen TV-Sender. Ihr 13-jähriger Sohn ist unter den Vermissten. „Mein Sohn ist ein starker Junge. Ich habe noch Hoffnung.“ In Thailand ist derzeit Regensaison. Gerade in Berggebieten kann es dabei zu plötzlichen Überschwemmungen kommen. Chiang Rai liegt etwa 1000 Kilometer nördlich von Bangkok an der Grenze zu den Nachbarländern Laos und Myanmar.

Mediziner sind optimistisch

Das Schicksal der Jungen bewegt das ganze Land. König Maha Vajiralongkorn und Regierungschef Prayut Chan-o-cha haben angewiesen, alles Menschenmögliche zu tun, um die Kinder zu retten. Mediziner sehen durchaus reale Überlebenschancen für die Vermissten. „Menschen können so lange ohne Essen auskommen, und es gibt in der Höhle genügend Wasser, das sie trinken können“, sagte Tossathep Boonthong von der Gesundheitsbehörde in Chiang Rai. Seine größte Sorge sei allerdings die Luft in der Höhle. „Die hohe Luftfeuchtigkeit kann das Risiko einer Lungenentzündung erhöhen.“

„Menschen können so lange ohne Essen auskommen, und es gibt in der Höhle genügend Wasser, das sie trinken können.“

Tossathep Boonthong

Schon vor eineinhalb Jahren hatte dieselbe Jungenmannschaft mit demselben Coach nach einem Training dieselbe Höhle besucht - und den Ausflug genossen. Es habe sich um eine „spezielle Trainingseinheit“ gehandelt, postete der Betreuer damals nach dem Abstecher augenzwinkernd auf Facebook.

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