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Kultur

Trag’ deine Identität auf der Haut

„Hautmalerei“: Der Regensburger Kunstverein Graz ist mit Zeichnungen für Tattoos zu Gast beim Neuen Kunstverein.
von Gabriele Mayer

Der Neue Kunstverein hat die Graz-Ausstellung zu Gast. Foto: Sommer
Der Neue Kunstverein hat die Graz-Ausstellung zu Gast. Foto: Sommer

Regensburg.„Hautmalerei“ heißt die Ausstellung des Kunstvereins Graz, die diesmal in den Räumen des Neuen Kunstvereins stattfindet (bis 30. September), da Graz vorübergehend ohne eigene Bleibe ist. Das Thema der beiden Künstler: Tattoos. Sie beherrschen die Technik des Tätowierens, verwenden aber selbst kreierte Motive, Unikate sozusagen, die sie für Kunden vorzeichnen. Solche Vorlagen, die auch einen Eigenwert haben, zeigt die Schau.

Samuel Mead aus London macht Tuschzeichnungen, bei denen sich aus Kringelgeflechten vage Körper und Gesichter schälen. Zudem verfremdet er die Models auf Illustrierten-Fotos mit Überzeichnungen.

Nicht leicht zu entfernen?

Tätowierungen haben Konjunktur, auch wenn es wehtut, sich ein Tattoo stechen zu lassen. Der Einwand, eine Tätowierung sei nicht leicht zu entfernen, zählt nicht für die Künstlerin aus Augsburg, die sich Clara Teresa nennt. Im Gegenteil. Und sie weiß, wovon sie spricht, an Armen und Beinen hat sie selbst Tattoos. Ihre Schwarz-Weiß-Zeichnungen auf Holz sind Tattoo-Vorlagen. Sie zeigen Gesichter, Beine, weibliche Körper, die zerstückt oder verdreht sind. Die figürlichen Elemente ihrer Zeichnungen, auf denen harte Linien und weich graphierte Flächen changieren, sind ornamental durchwirkt. So wie auch die großen Acryl-Zeichnungen auf ovalem Karton. Dargestellt wird da jedesmal in Variation eine abstrahierte Vulva: Um die Vergegenständlichung des eigenen Körpers, seiner Erfahrungen und Identitäts-Prägungen geht es der Künstlerin in jedem Fall.

Ein Tattoo zu tragen, erfordere Hingabe an den eigenen Körper, sagt Clara Teresa, Demut vor den Veränderungen des Körpers, mit dem sich auch das Tattoo auf der Haut verändere, und vor allem die Bedeutung des Tattoos für den Träger. Und gerade dem setze man sich ja bewusst aus. Sich stetig mit dem Körper als der Grundlage des eigenen Seins und mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen, indem man sie zeichenhaft an sich selber sieht, das sei ein Weg, um eine neue Wahrnehmung seiner selbst zu erreichen.

Eines zählt: Individualität

Das Konzept mag gerade heute interessant klingen, wo Identitäten und Biographien immer vager oder ununterscheidbarer werden, auch weil sich vieles leicht, uniform und veräußerlicht abspielt und im Zirkus des medialen Konsums verflacht, aber weil andererseits, abstrakt, vor allem eines zählt: Individualität. Die Beschleunigung gesellschaftlichen Wandels trägt zur Verflüchtigung bei. So wirkt es zunächst plausibel, dass man sich im Gegenzug prägnant in Zeichen tief eingraviert, sich auf Gedeih und Verderb ein unabänderliches Signum und vielleicht auf der symbolischen Ebene ein Schicksal zuweisen will, und sich, auf veräußerlichte Art, kenntlich machen will.

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