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Transparenz beim Gehalt gewinnt

Die Erwerbsbeteiligung von Frauen kurbelt unter anderem die Wirtschaft an. Und das wollen wir doch irgendwie alle, oder?
Ingrid Asche, Projektleiterin

Ingrid Asche ist Projektleiterin beim Business and Professional Women Club Regensburg.
Ingrid Asche ist Projektleiterin beim Business and Professional Women Club Regensburg.

Regensburg.Nach elf Jahren Equal Pay Day ist vielen die geschlechtsspezifische Gehaltslücke bewusst. Männer und Frauen wissen inzwischen, dass der sogenannte Gender Pay Gap beim Brutto-Stundenlohn 21 Prozent beträgt, dass die Lücke im gesamten Erwerbsleben von Frauen bei 48,8 Prozent liegt und dass Rentnerinnen gar 53 Prozent weniger zum Leben haben. Auch die Ursachen sind gut erforscht und bekannt. Aber: Es ändert sich nichts! Warum hält sich die Lohnungerechtigkeit so hartnäckig?

„Mich trifft es ja Gott sei Dank nicht, bei uns gibt es keine Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen.“ Das hören wir immer wieder. Egal ob Männer oder Frauen, aus der Privatwirtschaft oder dem öffentlichen Dienst, Angestellte oder Selbstständige – alle glauben, der Gender Gap gehe an ihnen vorüber. Hier wirkt das verbreitete Tabu: Über Geld spricht man nicht! Deshalb bleibt im Einzelfall die Gehaltsdifferenz unsichtbar.

Wir wissen nicht, wie wir mit unserem Gehalt im Vergleich zu Kolleginnen und Kollegen bei gleicher Qualifikation und Aufgabe liegen. Dagegen hilft nur Transparenz! Informationen über Gehaltsstrukturen liefern mir die Vergleichswerte und Argumente für faire Gehaltsverhandlungen.

Das ist der Hintergrund für das „Entgelttransparenzgesetz“, das Beschäftigten neuerdings einen Auskunftsanspruch über die Vergleichbarkeit ihres Gehalts gegenüber Kolleginnen und Kollegen mit gleichwertiger Tätigkeit gibt. Und es sieht eine Dokumentationspflicht vor für Unternehmen, inwieweit sie ihre Gehaltsstrukturen offenlegen und mit welchen Instrumenten sie Entgeltgerechtigkeit umsetzen. Von den marktradikalen Altvorderen kommt die bekannte Kritik gegenüber allem, was zu mehr Chancengleichheit führt: Der bürokratische Aufwand sei unzumutbar. Innovative Unternehmen aber haben längst verstanden, dass transparente Entgeltstrukturen Wettbewerbsvorteile verschaffen – und der Wirtschaft einen Wachstumsschub: 12 Prozent wären es, wenn bis 2030 gleich viele Männer wie Frauen am Arbeitsmarkt wären.

Wenn Familien mit Blick auf den Gehaltszettel der Frau nicht wieder zur klassischen Rollenverteilung zurückkehren müssten, erhöht das die Erwerbsbeteiligung von Frauen und kurbelt damit die Wirtschaft an. Und das wollen wir doch irgendwie alle, oder?

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