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Politik
Montag, 18. Juni 2018 25° 6

Welthandel

Trump macht aus den G7 „G6 gegen 1“

Beim Treffen der G7-Finanzminister: Die USA geraten wegen der Strafzölle offen wie selten mit den Partnern aneinander.
Von Georg Ismar

Am Rande des G7-Treffens: Kanadas Finanzminister Bill Morneau mit Bundesbankchef Jens Weidmann und Vizekanzler Olaf Scholz (v. l.) Foto: Ismar/dpa
Am Rande des G7-Treffens: Kanadas Finanzminister Bill Morneau mit Bundesbankchef Jens Weidmann und Vizekanzler Olaf Scholz (v. l.) Foto: Ismar/dpa

Whistler.Steven Mnuchin muss beim Familienfoto in der letzten Reihe stehen, fast ganz außen. Als ob er nicht richtig dazugehört. Das passt zu diesem G7-Treffen. Wohl noch nie wurde ein US-Finanzminister so hart angegangen. Der Mann mit der markanten Brille muss im Wintersportort Whistler ausbaden, was US-Präsident Donald Trump angerichtet hat. Aus der Gruppe der G7, der sieben führenden westlichen Industrienationen (USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland), wird eine „G6 gegen einen“.

Whistler ist die Ouvertüre für den Showdown am Freitag, wenn sich bei Quebec die G7-Staats- und Regierungschefs treffen. Die Atmosphäre im Tagungshotel ist eisig; als „völlig inakzeptabel“ wird der Strafzoll-Rundumschlag gegen befreundete Staaten bewertet. Von einer Zäsur ist die Rede.

Mnuchin scheinbar nicht glücklich über Strafzölle

US-Finanzminister Steven Mnuchin während des Treffens der G7-Finanzminister und Notenbankenchefs Foto: Jonathan Hayward/The Canadian Press/AP/dpa
US-Finanzminister Steven Mnuchin während des Treffens der G7-Finanzminister und Notenbankenchefs Foto: Jonathan Hayward/The Canadian Press/AP/dpa

Welche Werte teilt man noch im transatlantischen Bündnis, wenn US-Präsident Trump die Axt daran anlegt? In Whistler lassen Teilnehmer durchblicken, dass Mnuchin scheinbar nicht glücklich wirke über die Strafzölle für Stahl (25 Prozent Aufschlag) und Aluminium (10 Prozent) aus der EU, Mexiko und Kanada. Europäer und Kanadier schreiten Seit’ an Seit’, sie sagen: Verhandelt wird erst wieder, wenn Trump seine Strafzölle stoppt. Ihm werden Vergeltungszölle und Klagen angekündigt. Die Frage lautet: Deal, mit einem Abbau von Handelsschranken für US-Produkte, oder ein Handelskrieg?

„Der Ball ist nun eindeutig im Feld der USA“, betont Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno le Maire, aber das Zeitfenster schließe sich. „Wir haben noch ein paar Tage, um eine Eskalation zu verhindern.“ Zerbricht hier das westliche Bündnis? Beim letzten G7-Gipfel war es Trumps Ansinnen, das Klimaabkommen von Paris zu verlassen, jetzt gab er eine ökonomische Kriegserklärung ab. „Wir dachten wir sind Freunde“, formuliert es ein Diplomat. Andere verweisen in Whistler darauf, dass es doch Verträge, Abkommen und eine lange Partnerschaft gebe.

Druck auf Trump

  • Mnuchins Ziel

    Das Ansinnen von Steven Mnuchin (Foto: Hayward/ap) ist es, mit den Zöllen in den USA mehr Jobs zu schaffen. Zugleich drohen durch die Gegenzölle Marktanteile im Ausland verloren zu gehen. Wenn Soja und Mais von Mexiko und Kanada mit satten Zollaufschlägen belegt werden, könnten Farmer im mittleren Westen der USA weniger verkaufen. Und wenn Aluminium und Stahl in den USA teurer werden, kann das Verbraucher viel kosten, vom Auto bis zur Bierdose.

  • Trump-Fans auf dem Land

    In ländlichen US-Regionen sitzen die größten Fans von Trump. Das könnte den Druck auf Trump, der an seiner Wiederwahlkampagne 2020 arbeitet, zum Einlenken erhöhen.

  • EU-Zölle als Reaktion

    Die EU will vor allem dort Waren von Unternehmen mit Zöllen belegen, wo einflussreiche Republikaner ihre Wahlbezirke haben. Zu den Produkten zählen Whiskey, Erdnussbutter, Motorräder und Jeans. Harley-Davidson sitzt in Wisconsin, Heimat von Paul Ryan, Republikaner-Chef im Abgeordnetenhaus.

Noch am Flughafen kommt die nächste Kampfansage

Aber Trump ist Trump, das G7-Finanzministertreffen ist gerade zu Ende, da erreicht die Delegationen am Flughafen seine nächste Kampfansage. Die USA hätten ein Handelsdefizit von fast 800 Milliarden Dollar. „Da kannst Du einen Handelskrieg nicht verlieren“, twittert er. „Die USA sind jahrelang von anderen Ländern im Handel abgezockt worden“, so Trump. Seine Drohung: „Time to get smart!“, „Zeit zu handeln.“

Ein Abschlusskommuniqué gibt es nicht. Von einem tiefen Dissens und klarem Rechtsbruch spricht der deutsche Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD). Er ist sonst eher ein Kaltblüter, nun reagiert Scholz für seine Verhältnisse fast emotional; er spricht gegenüber Mnuchin von einer Attacke auf Europas Souveränität und fehlendem Respekt. Die Zölle seien mit weltweiten Regeln „nicht vereinbar und rechtswidrig“.

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