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Politik
Sonntag, 22. Juli 2018 28° 8

USA

Trump verteilt „Fake News Awards“

Der US-Präsident und „Fake News“, das ist eine lange Geschichte. Unredlichkeit wollte Trump nun mit „Awards“ herausstellen.
Von Thomas Spang

Washington.Stephen Colbert ist tief enttäuscht. Wochenlang hoffte der Satiriker, er werde eine der heiß begehrten „Fake News“-Trophäen des Präsidenten erhalten. Der Moderator von „The Late Show“ hatte auf dem New Yorker Times Square eine riesige Werbetafel angemietet. Darauf bewarb sich Colbert für die Preis-Kategorien „Least Breitbarty“ (Deutsch: Am wenigsten wie Breitbart) und „Corruptest Fakeness“ (Korrupteste Falschheit).

Donald Trumps Leibarzt hatte ihm erst vor kurzem ein gutes Zeugnis ausgestellt. Der US-Präsident ist topfit.

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Kommentar

Angriff auf die freie Presse

Donald Trumps „Fake News Awards“ haben alle Eigenschaften von „Fake News“. Denn bei der „Preisverleihung“ handelt es sich weder um eine Zeremonie noch...

Ein Nobelpreisträger gewinnt

Enttäuscht hängten auch die Kollegen der Washington Post und CNN ihre frisch gereinigten Tuxedos wieder in den Schrank, die sie bei der mit großer Fanfare angekündigten Zeremonie des Weißen Hauses tragen wollten. Statt der angekündigten Show bei der Vergabe der von der Presse als „Fakies“ verspotteten Schandpreise, verschickte Trump einen läppischen Link, der zu einer Webseite der republikanischen Partei führte. Dass der Gewinner der „Fake News Awards“ nicht einmal den Anspruch erhebt, Nachrichten zu schreiben, sondern als Kolumnist für die New York Times tätig ist, verpasste Trumps jüngstem Angriff auf die freien Medien eine ironische Note.

Ökonom Paul Krugman, Nobelpreisträger und Kolumnist der „New York Times“ erhält Trumps Fake News Award. Foto: Antonio Cotrim/LUSA/dpa
Ökonom Paul Krugman, Nobelpreisträger und Kolumnist der „New York Times“ erhält Trumps Fake News Award. Foto: Antonio Cotrim/LUSA/dpa

Paul Krugman verdiente den Hauptpreis für seine Prognose einer wirtschaftlichen Rezession in Folge des Wahlsiegs Trumps. Natürlich schrieb der Nobelpreisträger über die Konsequenzen der kommenden vier Jahre. Die übrigen „Fake News Awards“ gingen an US-Medien, die allesamt Fehler in ihrer Berichterstattung eingeräumt und korrigiert hatten.

Glen Kessler, der in der Faktencheck-Rubrik der „Washington Post“ Pinocchio’s für Falschaussagen von Politikern vergibt, kategorisiert Trumps Preisverleihung als „Fake News“. „Acht Gewinner des Wettbewerbs haben Korrekturen publiziert, wobei zwei zu Suspensionen oder Rücktritten führten.“ Kessler weist darauf hin, dass der Präsident im ersten Amtsjahr selbst 2000 Aussagen gemacht habe, die im besten Fall irreführend, oft sogar handfeste Lügen gewesen seien.

Der US-Präsident kührte den „Fake-News-Award“. Foto: AFP PHOTO / NICHOLAS KAMM
Der US-Präsident kührte den „Fake-News-Award“. Foto: AFP PHOTO / NICHOLAS KAMM

Die schärfste Kritik an Trumps jüngstem Versuch, die Glaubwürdigkeit der US-Medien zu unterminieren, kommt von zwei Abtrünnigen der eigenen Partei. Senator John McCain beklagt, 2017 sei mit 267 Festnahmen weltweit ohnehin schon ein äußerst gefährliches Jahre für Journalisten gewesen. Trumps Verhalten, so McCain, „gibt Rückendeckung für repressive Regimes“.

Alternative Fakten sind das Unwort des Jahres.

Senator: Trump wie Stalin

Der scheidende Senator Jeff Flake meinte, es sei sehr bedenklich, wenn ein Präsident keine Kritik ertragen könne und Journalisten deshalb als „Volksfeinde“ bezeichne. „Es sagt eine Menge über den Zustand unserer Demokratie aus, wenn unser eigener Präsident Worte gebraucht, die von Josef Stalin benutzt wurden, um seine Feinde zu beschreiben.“

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