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Tuberkulose tötet Millionen

Neueste von der WHO veröffentlichte Zahlen zeigen, dass der Kampf gegen die Krankheit zu langsam verläuft.
Florian Westphal, Geschäftsführer Ärzte ohne Grenzen in Deutschland

Staats- und Regierungschefs aus aller Welt haben sich am Donnerstag in New York zum ersten UN-Sondergipfel zu Tuberkulose (TB) getroffen. Neueste von der Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlichte Zahlen zeigen, dass der Kampf gegen die Krankheit zu langsam verläuft. Im vergangenen Jahr sind 1,6 Millionen Menschen an Tuberkulose gestorben und zehn Millionen neu erkrankt. In den vergangenen sieben Jahren blieben schätzungsweise mehr als ein Drittel der TB-Erkrankten ohne Diagnose.

Ärzte ohne Grenzen hatte im Vorfeld des Gipfels dazu aufgerufen, die Diagnose und Behandlung von TB auszubauen und effektivere und leichter handhabbare Präparate zu entwickeln. Nur auf diesem Weg können Menschenleben gerettet und die tödlichste aller Infektionskrankheiten bekämpft werden. Deutschland, wo Robert Koch vor 136 Jahren den Tuberkuloseerreger entdeckt hat, muss dazu seinen Teil leisten. Dieses historische erste hochrangige Treffen zu Tuberkulose fand zu einer Zeit statt, in der die Welt mit neuen, wirksameren Medikamenten und Diagnostika zur Bekämpfung von TB ausgestattet ist. Es besteht eine echte Chance, die Behandlung zu verbessern und Menschenleben zu retten. Doch die führenden Politiker der Welt haben diese Chance vertan. Es ist enttäuschend, dass sich die Bundesregierung bei diesem Gipfel von einem Staatssekretär vertreten ließ, sich gleichzeitig aber als Vorreiter in Sachen globale Gesundheitspolitik präsentieren möchte.

Von den 193 UN-Mitgliedstaaten haben weniger als 30 Staats- und Regierungschefs an dem Treffen teilgenommen. Es fehlten nicht nur hochrangige Vertreter der Länder mit hoher TB-Belastung, sondern viele Geberstaaten, die zugesagt hatten, den Kampf gegen TB zu finanzieren. Nur weil die Kameras jetzt aus sind, bedeutet das nicht, dass wir zum normalen Geschäft zurückkehren können. Die Regierungschefs müssen sich im Gefolge der Konferenz verpflichten, ihre Investitionen deutlich zu erhöhen und die Forschung zur Entwicklung neuer Impfstoffe, Diagnostika und Medikamente anzustoßen. Denn nur so kann die tödlichste Infektionskrankheit wirksam bekämpft werden. Zehn Millionen Menschen, die jedes Jahr an Tuberkulose erkranken, warten verzweifelt auf eine schnelle, sichere und einfache Heilung.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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