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Entwicklung

Über Israel aufklären

Antisemitismus rückt wieder stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung. Verein „Initiative 27. Januar“ sieht Handlungsbedarf.
Von Daniel Müller, Friedensaktivist

Daniel Müller leitet gemeinsam mit seiner Frau Marina den Arbeitsbereich „Zeugen der Zeitzeugen“ bei „Initiative 27. Januar e.V.“.
Daniel Müller leitet gemeinsam mit seiner Frau Marina den Arbeitsbereich „Zeugen der Zeitzeugen“ bei „Initiative 27. Januar e.V.“.

Seit 2017 erleben wir, dass die Problematik des Antisemitismus in Deutschland (bei nahezu allen Gruppierungen) wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt. Seit der Veröffentlichung des Expertenberichts für den Bundestag im April 2017 wissen wir, welche Anteile der Bevölkerung betroffen sind: sechs Prozent klassische Antisemiten („Juden haben zu viel Macht“), 26 Prozent sekundäre Antisemiten („Juden nutzen die Vergangenheit als Druckmittel aus“), 40 Prozent Antisemiten mit Israelbezug („Bei Israels Politik verstehe ich, dass Juden weltweit angegriffen werden“).

Diese Zahlen zeigen Handlungsbedarf. Wäre die Erinnerungskultur in Deutschland erfolgreich, gäbe es weniger sekundäre Antisemiten. Wir sehen einen Schlüssel in der Aufklärung und Erforschung von Familiengeschichten und der lokalen Geschichte von Antisemitismus in Städten und Ortschaften, insbesondere von 1933 bis 1945. Auch Zugewanderte können über die Familiengeschichten einen Zugang zu der Thematik bekommen.

Noch größer als beim sekundären Antisemitismus, zeigt sich der Aufklärungsbedarf beim Antisemitismus mit Israelbezug. Pavel Hoffmann, Theresienstadt-Überlebender, beschreibt die intellektuellen Probleme des israelkritischen Zeitgeists wie folgt: „Der moderne Antisemit findet den ordinären Antisemitismus schrecklich, aber gleichzeitig bekennt er sich zum Antizionismus, damit er hierin seine Abneigung gegenüber den Juden in einer politischen korrekten Form ausleben kann. Der Antizionist hat die gleiche Einstellung zu Israel wie der klassische Antisemit zu den Juden. Den Antizionisten stört nicht alles, was Israel macht, sondern dass Israel überhaupt existiert. Deshalb beteiligt er sich vehement an der Debatte um die Lösung der Palästina-Frage, die für Israel die ,Endlösung’ bedeutet. Währenddessen lassen ihn aber die Massenmorde in Irak oder Syrien kalt.“

Wir empfehlen, die Beschäftigung im Bereich Geschichte neben allgemeinen Fakten auch mit persönlichen Familiengeschichten zu ergänzen, um eine objektivere Berichterstattung über Israel zu ermöglichen. Dann versteht man auch, wieso auch 70 Jahre später die Wiedererlangung der Unabhängigkeit Israels ein Grund zum Feiern ist. Gerade in Deutschland.

Der Autor leitet gemeinsam mit seiner Frau Marina den Arbeitsbereich „Zeugen der Zeitzeugen“ bei „Initiative 27. Januar e.V.“.

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