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Konflikt

USA lässt Huawei-Managerin festnehmen

Kaum haben sich Peking und Washington im Handelsstreit angenähert, gibt es neuen Ärger. China ist erzürnt.
Von Hannes Breustedt

Meng Wanzhou arbeitet nicht nur als Managerin für den Milliardenkonzern Huawei, sie ist auch die Tochter des Firmengründers.Foto: Huawei/ap/dpa
Meng Wanzhou arbeitet nicht nur als Managerin für den Milliardenkonzern Huawei, sie ist auch die Tochter des Firmengründers.Foto: Huawei/ap/dpa

Montreal.Mit der Verhaftung der Finanzchefin des chinesischen Technologie-Konzerns Huawei in Kanada ist zwischen Washington und Peking ein neuer Konflikt entbrannt. Die USA drängen auf die Auslieferung der Top-Managerin Meng Wanzhou, wie ein Sprecher des kanadischen Justizministeriums am Mittwoch (Ortszeit) bestätigte. Für heute sei jedoch zunächst eine Kautionsanhörung angesetzt worden.

China, das gerade erst im Handelsstreit mit den USA einen „Waffenstillstand“ vereinbart hatte, reagierte gestern mit scharfem Protest gegen die USA und Kanada auf die Festnahme. Man habe Washington und Ottawa dazu aufgefordert, „die festgenommene Person umgehend zu entlassen“, sagte der chinesische Außenamtssprecher Geng Shuang gestern in Peking.

Ein Porträtfoto von Meng Wanzhou, Finanzvorstand des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei, ist auf einem Huawei Computer in einem Huawei-Store zu sehen. Wanzhou ist auf Ersuchen der US-Behörden in Vancouver verhaftet worden. Foto: Ng Han Guan/AP/dpa
Ein Porträtfoto von Meng Wanzhou, Finanzvorstand des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei, ist auf einem Huawei Computer in einem Huawei-Store zu sehen. Wanzhou ist auf Ersuchen der US-Behörden in Vancouver verhaftet worden. Foto: Ng Han Guan/AP/dpa

Laut der kanadischen Zeitung „The Globe and Mail“, die zuerst über die bereits am 1. Dezember erfolgte Verhaftung berichtet hatte, sucht die US-Justiz die Huawei-Managerin wegen Sanktionsverstößen. Einem Insider zufolge werde Meng beschuldigt, das US-Handelsembargo gegen Iran verletzt zu haben. Details zu den Vorwürfen seien aber nicht bekannt, schreibt die Zeitung. Meng ist auch stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Elektronikkonzerns und Tochter des Huawei-Gründers Ren Zhengfei.

Der Vorwurf: Sanktionsverstöße

US-Präsident Donald Trump hatte das Atom-Abkommen mit dem Iran wiederholt kritisiert und es als unwirksam gegen die umstrittenen Nuklearaktivitäten des Landes bezeichnet. Die von den USA neu verhängten Sanktionen gegen Iran zielen vor allem auf dessen Ölexporte, Schifffahrt und Banken.

Ein Mann zündet eine Zigarette vor einem Pekinger Huawei-Store an. Foto: Ng Han Guan/AP/dpa
Ein Mann zündet eine Zigarette vor einem Pekinger Huawei-Store an. Foto: Ng Han Guan/AP/dpa

Die chinesische Botschaft in Kanada verlangte sowohl von Kanada als auch von den USA, ihr „Fehlverhalten sofort zu korrigieren und die persönliche Freiheit von Frau Meng Wanzhou wiederherzustellen“. Man werde „alle Maßnahmen ergreifen, um die legitimen Rechte und Interessen der chinesischen Bürgerin zu schützen“.

Huawei weist Vorwürfe zurück

Wegen des Vorwurfs von Sanktionsverstößen hatte Washington zuvor schon den chinesischen Netzwerk-Ausrüster ZTE bestraft, der dadurch schwere Geschäftseinbußen hinnehmen musste. Die Sanktionen gegen den Konzern wurden im Juli aufgehoben, nachdem das Unternehmen eine Milliardenstrafe gezahlt hatte.

Huawei kritisierte, der Konzern habe nur wenige Informationen erhalten, was der Managerin überhaupt vorgeworfen werde. Dem Unternehmen sei kein Fehlverhalten bekannt, man halte sich an alle Gesetze und Regulierungen, inklusive Exportkontrollen und Sanktionen der Vereinten Nationen sowie der USA und der EU.

Hier lesen Sie einen Leitartikel zum Thema:

Meinung

Kräftemessen mit China

Mit der Festnahme der Tochter von Huawei-Gründer Zhengfei will Trump zeigen, wer das Sagen hat. Es sind gefährliche Spiele.

Gerüchte über strafrechtliche Untersuchungen

New York: Börsenhändler Thomas McCauley arbeitet an der New York Stock Exchange (NYSE). Die Aktienkurse an der Wall Street fielen nach der Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei in Kanada. Foto: Richard Drew/AP/dpa
New York: Börsenhändler Thomas McCauley arbeitet an der New York Stock Exchange (NYSE). Die Aktienkurse an der Wall Street fielen nach der Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei in Kanada. Foto: Richard Drew/AP/dpa

In den USA kursieren schon länger Medienberichte, wonach Justizbehörden gegen den chinesischen Telekom-Ausrüster ermitteln. Das „Wall Street Journal“ schrieb bereits im April, dass wegen der Iran-Geschäfte von Huawei eine strafrechtliche Untersuchung laufe. Die USA haben den Konzern zudem unter Spionage-Verdacht, deshalb kann Huawei dort geschäftlich auch nur stark eingeschränkt agieren. Entsprechende Vorwürfe entbehrten aber jeglicher Grundlage und seien eher politisch motiviert, entgegnete Huawei.

Neben den USA haben auch Australien und Neuseeland Huawei als Handelspartner für Technologie zum Mobilfunkstandard 5G weitgehend verbannt. Hierzulande hält die Deutsche Telekom die Spionagevorwürfe für weitgehend unbegründet und arbeitet auch mit dem chinesischen Spezialisten eng beim Netzausbau zusammen.

Der Technologieriese Huawei

  • Produkte:

    Der chinesische Technologiekonzern Huawei stellt Produkte rund um Kommunikationstechnik her, von Anlagen für den Mobilfunk bis hin zu Smartphones. Dank günstiger Preise gehört der Konzern aus Shenzhen mit seinen 180 000 Mitarbeitern zu den Marktführern.

  • Vorwürfe:

    Die USA verdächtigen den Konzern der Industriespionage und Verstößen gegen Sanktionen. Immer mehr Mobilfunkanbieter aus dem angelsächsischen Raum verzichten auf Huawei als Ausrüster beim Aufbau der Netze des nächsten Mobilfunkstandards 5G.

Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt hatten am Wochenende beim G20-Gipfel in Buenos Aires eine weitere Eskalation in ihrem erbitterten Handelskrieg vorerst abgewendet. Die USA versprachen, ihre zusätzlichen Zölle auf chinesische Einfuhren vorerst nicht wie geplant zu erhöhen oder auszuweiten. Im Gegenzug sicherte China zu, seine Importe aus den USA zu erhöhen, um das Handelsungleichgewicht zu verringern.

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