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Kommentar

Vernachlässigt und tödlich

Ein Kommentar von Esther Dopheide

Von der Tropenkrankheit Malaria hat fast jeder schon einmal gehört, denn sie kann auch Urlauber betreffen. Doch was wissen Sie über Trachom, Elefantiasis oder Bilharziose? Diese weitgehend unbekannten Krankheiten gehören zu den insgesamt 20 sogenannten „vernachlässigten Tropenkrankheiten“. Weltweit sind über eine Milliarde Menschen betroffen und laufen Gefahr, als Folge arbeitsunfähig, blind, entstellt und diskriminiert zu werden oder gar zu sterben. Der Begriff „vernachlässigt“ trifft aus mehreren Gründen zu: Zum einen handelt es sich um vernachlässigte Krankheiten, denn lange Zeit standen nur wenig finanzielle Mittel für Forschung und Behandlung zur Verfügung. Zum anderen geht es um Krankheiten vernachlässigter oder vergessener Menschen; davon bedroht sind vor allem die Ärmsten der Armen in Entwicklungsländern. Das Auftreten von vernachlässigten Tropenkrankheiten ist also immer auch ein Symptom von Ungleichheit. Trotzdem gibt es nach wie vor zu wenig aufeinander abgestimmte Anstrengungen von Gesundheits- und Entwicklungspolitik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um diese Krankheiten dauerhaft und umfassend zu bekämpfen. Beispiel Trachom: Die bakterielle Augeninfektion breitet sich durch mangelnde Hygienestandards, fehlendes Wissen über Ansteckung und Übertragungswege sowie schlechte medizinische Versorgung schnell aus. Unbehandelt führt sie zu Erblindung. Das müsste nicht sein, wenn alle an einem Strang ziehen: Der Bau von barrierefreien und für alle zugängliche Brunnen und Toiletten verbessert die Hygieneversorgung der Bevölkerung erheblich. Gemeinsam mit umfassender Aufklärung über die Krankheit minimiert das die Ansteckungsgefahr. Gleichzeitig muss es neben der Entwicklung und Bereitstellung von Medikamenten auch die notwendige Infrastruktur für deren Verteilung an die betroffenen Menschen geben: befestigte Wege, Gesundheitsstationen und ausreichend geschultes Personal selbst in entlegenen Regionen. Von allen Maßnahmen profitieren die Menschen auch in anderen Lebensbereichen, etwa bei der Bewässerung von Feldern oder der Anbindung an die nächstgrößere Stadt mit Märkten und Schulen. Der Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten ist also auch ein Engagement für mehr Gerechtigkeit.

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