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Kirche

„Verräter“: Papst zerrupft die Kurie

Franziskus nutzt seine Weihnachtsansprache für einen Rundumschlag. Einer seiner Adressaten: der frühere Regensburger Bischof.

Papst Franziskus sprach am Donnerstag im Vatikan bei einem Treffen zu Weihnachten mit Angestellten des Vatikans. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

Rom.Papst Franziskus hat „Verräter“ in der römischen Kurie kritisiert und „Ehrgeiz und Ruhmessucht“ unter den Mitarbeitern angeprangert. In seiner traditionellen Weihnachtsansprache an die Leitungsebene der katholischen Kirche beschwerte sich der Pontifex auch über ehemalige Mitarbeiter, die sich als „Märtyrer“ darstellten statt ihre Schuld einzuräumen. Über sein mühsames Reformvorhaben sagte er gestern im Vatikan vor Kardinälen, Bischöfen und Priestern: „In Rom Reformen zu machen, ist wie die ägyptische Sphinx mit einer Zahnbürste zu putzen.“ Es sei sehr wichtig, eine „unausgeglichene und degenerierte Logik der Komplotte und der kleinen Gruppen“ zu überwinden, „die in Wirklichkeit ein Krebsgeschwür darstellen, das zur Selbstbezogenheit führt“, sagte der 81 Jahre alte Papst.

Korrumpiert von „Ruhmessucht“

Die Mitarbeiter der Kurie müssten als „Sendeantennen“ funktionieren, um „treu den Willen des Papstes und der Vorgesetzten“ zu verbreiten. „Erlaubt mir, ein paar Worte über eine andere Gefahr zu sagen. Die der Verräter des Vertrauens oder der Ausnützer der Mütterlichkeit der Kirche“, sagte das Katholiken-Oberhaupt. Er nannte „Personen, die sorgfältig ausgewählt werden, um der Reform größere Kraft zu geben, aber die Größe ihrer Verantwortung nicht verstehen und sich von Ehrgeiz und Ruhmessucht korrumpieren lassen“. „Und wenn sie sanft aus ihrem Amt entfernt werden, erklären sie sich zu Märtyrern des Systems.“

Nicht die erste Abrechnung

In diesem Jahr hatten immer wieder Ex-Mitarbeiter der Kurie von Intrigen im Vatikan berichtet. Auch der deutsche Kardinal und frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller lauschte nun der Ansprache: Der Papst hatte im Juli dessen Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation überraschend nicht verlängert. Müller hatte in Interviews unter anderem Franziskus kritisiert.

Franziskus hatte bereits in den Vorjahren die Ansprachen vor der Kurie zu harscher Kritik an den Verwaltungsorganen genutzt. Er predigt immer wieder eine „arme Kirche für die Armen“ und prangert Verschwendungssucht an. (dpa)

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