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Vertrauen als Sozialprinzip

Eine Gesellschaft braucht Freiheit, Vertrauen und das Gefühl, als Einzelperson geschätzt zu werden - auch in Deutschland.
Roland Preussl, Diplom-Theologe

Roland Preussl ist Pastoralreferent und geschäftsführender Bildungsreferent der KEB in der Stadt Regensburg e.V.
Roland Preussl ist Pastoralreferent und geschäftsführender Bildungsreferent der KEB in der Stadt Regensburg e.V.

Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt resümierte einst in einem Interview, dass er früher auf jedes neue Gesetz stolz war und wenn er zurückblickt, erkennt, dass Regierungen auch daran gemessen werden sollten, wie sie Gesetze von der Anzahl her zurückfahren.

Sicherlich ist vieles in Deutschland und der EU bis ins Detail reguliert und lässt dem Einzelnen oder auch Nationalstaaten oft wenig Spielraum. Anderes ist höchst bürokratisch durchgetaktet und überfordert zunehmend Menschen, besonders im Ehrenamt. Eine komplexe Gesellschaft benötigt zwar Gesetze und Regeln, um die Ordnung und das soziale Interagieren aufrecht zu erhalten, aber eine Gesellschaft braucht auch Freiheit, Vertrauen und das Gefühl als Einzelperson geschätzt und partizipativ tätig sein zu können.

Sozialleistungen müssen gerechter verteilt werden

Ein zweiter Aspekt ist, dass staatliche (Sozial-)Leistungen oft mit dem Blick auf die Verteilungsgerechtigkeit – nach der alle gleichviel bekommen – letztlich zu kurz greift und im Kern ungerecht ist. Wie kann nun auf der einen Seite Bürokratieabbau vorangetrieben und auf der anderen Seite die Verteilung der Sozialleistungen gerechter gestaltet werden? Ein Schlüssel hierzu kann das Sozialprinzip der „Subsidiarität“ sein. Sie besagt kurz skizziert, dass alle zunächst selbst für sich verantwortlich sind, um das eigene Leben zu gestalten und die Herausforderungen zu bewältigen. Erst wenn dies dem Einzelnen nicht mehr möglich ist, dann erst soll und muss die übergeordnete Institution eingreifen.

Subsidiarität schafft also Freiräume der persönlichen Verantwortung und verbindet auf kluge Weise die Leistungsgerechtigkeit mit der Bedarfsgerechtigkeit. Subsidiarität bedeutet für Sozialleistungen, dass alle ganz persönlich aufgefordert sind, ihr Leben und die Gesellschaft aus eigenen Kräften mitzugestalten – was objektiv ganz unterschiedlich viel sein kann – dann jedoch die Sicherheit besteht, dass Hilfe in dem Umfang gewährleistet wird, wie sie auch wirklich benötigt wird. Zudem würden keine Steuergelder an Personen ausbezahlt, die keinen Bedarf für diese Leistungen haben. Für den Bürokratieabbau könnte das Erinnern an die Subsidiarität ein gutes Instrument sein, die Verantwortung der Bürger und Nationalstaaten wieder stärker ernst zu nehmen, um den vertrauensvollen Freiraum zu erhalten, in dem sich Gesellschaft kreativ vollzieht.

Autoreninformation:

Der Autor ist Pastoralreferent und geschäftsführender Bildungsreferent der KEB in der Stadt Regensburg e.V.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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