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Vertrauen in die Organspende aufbauen

Jeder sollte selbst entscheiden: Eine Widerspruchslösung führe nicht zu mehr Organspenden, argumentiert Alexandra Lindner.
Alexandra Linder, Publizistin

Die Autorin ist Vorsitzende bei Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V. und bei Bundesverband Lebensrecht (BVL) e.V.
Die Autorin ist Vorsitzende bei Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V. und bei Bundesverband Lebensrecht (BVL) e.V.

Die Organspende ist eine fremdbestimmte Art zu sterben: In dem Augenblick, in dem man als möglicher Organspender identifiziert wird, werden Schmerz-, Palliativ- und andere Mittel abgesetzt, um den Hirntod möglichst zweifelsfrei feststellen zu können. Die Therapie wird danach von patientenzentriert auf organerhaltzentriert umgestellt. Wenn die Organe entnommen werden, ist man nicht tot, sondern stirbt endgültig an der Entnahme – der Begriff „postmortal“ ist sachlich falsch. Wenn jemand sich mit diesen Fakten intensiv auseinandergesetzt hat und dafür entscheidet, das alles während seines Sterbeprozesses in Kauf zu nehmen, und seine Organe zu spenden, ist das seine Sache. Angesichts der Tragweite muss diese Entscheidung bewusst, vollständig informiert und mit ausdrücklicher Zustimmung erfolgen.

In einem der intimsten und schwierigsten Momente des Lebens wollte jedoch künftig der Staat das Sagen haben: Jeder Mensch ab 16, der nicht schriftlich widersprochen hat, sollte automatisch zum Organspender werden. Es entspringt einem humanen Gedanken, Menschen durch eine Organspende retten zu wollen. Auf der deutschen Liste stehen knapp 10 000 Menschen, die auf ein Organ warten, darunter über 7500 Nieren. Würde man die Lebendspende fördern, die freiwillige Nierenspende einer lebenden Person, wäre wohl vielen geholfen. Die Widerspruchsregelung in anderen Staaten allein hat die Organzahl außerdem nicht erhöht, sondern erst eine verbesserte Struktur und der Aufbau von Vertrauen, das in Deutschland angesichts bekanntgewordener Skandale eher niedrig ist. Und mit einer Spende ist es oft nicht getan: Viele Empfänger brauchen mehrfach Organe, des Weiteren muss man lebenslang Immunsuppressiva einnehmen, um die Abstoßung der Fremdorgane zu verhindern.

Eine ethisch unbedenkliche und für Patienten verträglichere Alternative besteht darin, eigene Organ- und Stammzellen zu entnehmen, die man nach entsprechender Aufbereitung zu Behandlungs- und Heilzwecken einsetzt. Hier sollte man erheblich mehr in Forschung und Anwendung investieren. Man sollte sich davor hüten, aufgrund von vermeintlicher Humanität oder finanziellen Begehrlichkeiten im Bereich der Organtransplantation aus seinen Bürgern im Sterbeprozess ein Pflicht-Ersatzteillager zu machen.

Autoreninformation:

Die Autorin ist Vorsitzende bei Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V. und bei Bundesverband Lebensrecht (BVL) e.V.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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