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Einheit

Viel erreicht und noch viel zu tun

Die Wiedervereinigung vor 25 Jahren war ein Kraftakt. Trotz aller bestehenden Unterschiede ist sie in vielen Teilen gelungen.
Von Reinhard Zweigler, MZ

Berlin.25 Jahre nach der Wiedervereinigung fällt das Fazit einer Mehrheit der Deutschen über das vergangene Vierteljahrhundert positiv aus. 73 Prozent der Bundesbürger halten die Wiedervereinigung für gelungen. Zugleich sind jedoch 67 Prozent der Ansicht, dass das Zusammenwachsen der beiden Landesteile noch „nicht vollendet“ ist. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, die aus Thüringen stammende Wirtschaftsstaatssekretärin Iris Gleicke (SPD), sagte unserer Zeitung: „Wir haben in 25 Jahren unglaublich viel erreicht. Den Rest schaffen wir auch noch.“

Wenn am Tag der Einheit in Wiesbaden beim offiziellen Festakt und bei Volksfesten im ganzen Land der Ereignisse vor 25 Jahren gedacht wird, kann jeder seine eigene Bilanz ziehen. Die Menschen in der ehemaligen DDR haben sich im Herbst 1989 in einer friedlichen Revolution die Freiheit erkämpft. Die nachfolgenden Entwicklungen haben tiefe Spuren in ganz Deutschland hinterlassen. Mit Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel bekleiden zurzeit zwei Ostdeutsche das höchste Staats- sowie Regierungsamt.

Bemerkenswerte Tranformation

Gleicke nannte es eine „hervorragende Leistung unseres Landes, und zwar von Ost und West gleichermaßen, die tiefgreifenden Veränderungen gemeistert und Ostdeutschland politisch, wirtschaftlich und sozial auf eine neue Grundlage gestellt zuhaben“. Es sei bewundernswert, wie die Ostdeutschen die Härten der Transformation von der realsozialistischen Planwirtschaft hin zur Marktwirtschaft, wie sie Massenarbeitslosigkeit und Abwanderung getragen hätten, lobte Gleicke. Rund zwei Millionen Ostdeutsche haben seit 1989 ihre Heimat gen Westen verlassen. Inzwischen hat sich der Trend jedoch umgekehrt. Die neuen Länder schneiden seit 2013 im Wanderungssaldo, dank Berlin, wieder leicht positiv ab.

Kommentar

Die nächsten 25 Jahre

Es gibt einen Satz der Bundeskanzlerin, an dem sich viele Menschen reiben, zunehmend auch Politiker ihrer eigenen Partei: „Wir schaffen das“. Merkel sagte...

Rund 2000 Milliarden Euro sind seit 1990 in die neuen Länder geflossen, für Verkehrsprojekte, das Telekommunikationsnetz, in den Umweltschutz, für soziale Leistungen wie Renten oder Kinder- sowie Elterngeld. Milliarden privates und öffentliches Kapital flossen ebenso in den Städtebau. Dem Verfall einst preis gegebene Städte wie Dresden, Leipzig, Rostock oder Erfurt erstrahlen heute in neuem, alten Glanz. Die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse sei „weitgehend erreicht“ resümierte Gleicke. Viele Milliarden wurden zur Förderung von Investitionen und Innovationen in der Wirtschaft eingesetzt. Zwar hat sich die Wirtschaftskraft in den neuen Ländern seit 1991 verdoppelt, dennoch hinkt die ostdeutsche der westdeutschen Wirtschaft hinterher. Die Wirtschaftskraft im Osten ist im Schnitt ein Drittel niedriger als im Westen. Die Produktivität liegt bei 71 Prozent des westdeutschen Niveaus. Auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt liegt die Arbeitslosenquote bei 9,8 Prozent und damit deutlich höher als im Westen mit 5,9 Prozent.

Zuversicht trotz Problemen

Trotz einiger „Leuchttürme“ zählen alle ostdeutschen Regionen noch zu den strukturschwachen. Die Steuerkraft je Einwohner Ost liegt mit 990 Euro/Jahr bei gerade mal der Hälfte des westdeutschen Durschnittswertes mit 1886 Euro. Mit dem Auslaufen des Solidarpakts II nach 2019, der die Ost-Länder besonders fördert, will die Bundesregierung ein gesamtdeutsches Fördersystem für strukturschwache Regionen in Ost und West entwickeln. „Wir schaffen das“, sagte Gleicke.

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