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Kommentar

„Viele haben keine Hoffnung mehr“

Das Militär folge den Interessen der Siedler, sagt der Abu Hassan. Palästinensische Jugendliche würden jeden Tag gedemütigt.
Von Abu Hassan

Abu Hassan ist politischer Aktivist und hat unter Jassir Arafat bis 2004 in der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah gearbeitet. Foto: Jana Wolf
Abu Hassan ist politischer Aktivist und hat unter Jassir Arafat bis 2004 in der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah gearbeitet. Foto: Jana Wolf

Regensburg.Stellen Sie sich vor, sie sind religiös und können Ihre Kirche zum Gottesdienst nicht betreten. Irgendwelche Fanatiker halten Sie davon ab. Das war die Situation an der Al Aqsa-Moschee im Herbst 2015, als die Ausschreitungen zwischen Israelis und Palästinensern wieder hochgekocht sind. Was würden Sie tun? Es hat nichts damit zu tun, ob Sie persönlich religiös sind oder nicht, aber für viele Menschen hier ist die Religion die eigene Identität. Diese Menschen haben keinen Schutz durch eine staatliche Autorität. Den einzigen Schutz, den sie haben, ist die Religion. Wenn man beobachtet, wer sich zur Wehr setzt, sieht man zwölf- bis 20-jährige Jugendliche, die nicht in einer Terrorgruppe oder dergleichen organisiert sind. Der Grund für die Attacken ist ein anderer: Sie haben keine Zukunft und werden jeden Tag gedemütigt. Noch schlimmer: Sie haben sich damit arrangiert.

„Sie haben keine Zukunft und werden jeden Tag gedemütigt.“

Entschuldigen Sie, aber wenn ein palästinensischer Jugendlicher mit einem Messer auf einen israelischen Soldaten zukommt, der ausgebildet ist, ist es für den Soldat ein leichtes Spiel, ihn zu fassen. Er kann dem Jungen ins Bein schießen oder ihn umbringen. Das Militär folgt den Interessen der Siedler. Die Siedler brauchen nur zu rufen: „Araber, Araber, Terroristen!“ – und die Soldaten kommen und schießen. Diese Jugendlichen wissen, wenn sie auf die Straße gehen, können sie angeschossen werden oder ins Gefängnis kommen. Sie wissen das und sie haben einfach keine Hoffnung. Lasst uns nicht die Hoffnung verlieren!

Hier kommen Sie zurück zur Geschichte „Wem gehört das Land Israel?“

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