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Außenansicht

Viele Mädchen sind bedroht

Die Gründe für weibliche Genitalverstümmelung sind vielfältig. Die Folgen für betroffene Mädchen und Frauen sind gravierend.
Von Charlotte Weil

Charlotte Weil ist Referentin zu weiblicher Genitalverstümmelung bei Terre des Femmes.
Charlotte Weil ist Referentin zu weiblicher Genitalverstümmelung bei Terre des Femmes.

Die Sommerferien sind eine Hochrisikozeit für in Deutschland lebende, von weiblicher Genitalverstümmelung bedrohte Mädchen. Weltweit sind mindestens 200 Millionen Mädchen und Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Auch in Deutschland leben knapp 65 000 Betroffene, weitere 15 000 Mädchen sind bedroht – vor allem während der Sommermonate. Denn viele Familien nutzen die Ferien, um mit ihren Töchtern ins Ausland zu reisen und sie dort beschneiden zu lassen. Sie erhoffen sich, dass die Genitalverstümmelung ihrer Tochter so unbemerkt bleibt, denn diese ist in Deutschland eine Straftat.

Die Gründe für weibliche Genitalverstümmelung sind vielfältig. Dabei spielen überwiegend kulturelle und religiöse Vorstellungen eine Rolle sowie der Erhalt der Jungfräulichkeit und damit bessere Heiratschancen. Sie sind aber vor allem der Versuch, den Körper und die Sexualität von Mädchen und Frauen zu kontrollieren und zu unterdrücken. Die Folgen für betroffene Mädchen und Frauen sind gravierend: von Blutungen und starken Schmerzen über Infektionen und Komplikationen des Narbengewebes über Probleme bei Menstruation und Sexualität bis hin zu Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt. Im schlimmsten Fall führt die Genitalverstümmelung sogar zum Tod. Auch psychisch verfolgt der Eingriff die Frauen ein Leben lang.

Umso wichtiger ist es also, diese Mädchen durch Wachsamkeit in der Haupturlaubszeit vor Genitalverstümmelung zu schützen. Insbesondere pädagogischen und medizinischen Fachkräften kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Dafür müssen diese sensibilisiert sein: Ein Mädchen kann sich seiner Erzieherin als Vertrauensperson direkt oder indirekt offenbaren. Oder eine Familie gibt bei dem eine Auslandsreise vorbereitenden Arztbesuch Anlass zum Verdacht, dass die Tochter bei der Reise beschnitten werden soll.

In einer solchen Situation muss schnell gehandelt werden. Terre des Femmes schult Fachkräfte aus sozialen und medizinischen Berufen, damit diese bedrohte Mädchen und Frauen unterstützen können. Doch dieser Mädchenschutz muss als eine gesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. Nur wenn alle aufmerksam bleiben und nicht wegschauen, können Mädchen effektiv geschützt werden.

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