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Virtuose Welt der Barockmusik

Eine neue CD mit Werken des fast vergessenen Komponisten Christoph Graupner erweist sich als lohnende Entdeckung.
Von Andreas Meixner

Sopranistin Miriam Feuersinger und Countertenor Franz Vitzthum finden in den Duetten eine gemeinsame Klangsprache. Foto: Christine Scheider/note 1 music
Sopranistin Miriam Feuersinger und Countertenor Franz Vitzthum finden in den Duetten eine gemeinsame Klangsprache. Foto: Christine Scheider/note 1 music

Darmstadt.Christoph Graupner (1683-1760) gehört zu den kaum mehr bekannten Komponistenpersönlichkeiten, die es unbedingt noch zu entdecken gilt. Im Dienst des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt komponierte er bis zu seiner vollständigen Erblindung 1754 neben mehreren Opern, Sinfonien, Solokonzerten und Sonaten allein über 1400 Kantaten. Fast alles blieb erhalten und harrt größtenteils in der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt auf eine musikalische Wiederaufführung.

Stimmungsvoller Kantatenreigen

Aus dem riesigen Fundus wählte das Capricornus Consort Basel vier repräsentative Kantaten aus zwei Schaffensperioden aus, vorangestellt – jeweils ganz nach damaliger Aufführungspraxis – instrumentale Sätze im Sinne einer Sinfonia.

Schon mit dem ersten Stück der Platte öffnet sich für etwa über eine Stunde eine ganz eigene, intime und virtuose Welt des Barocks. Mit innigen Pizzikati und einer zärtlichen Kantilene der Violine wird der Kantatenreigen stimmungsvoll eröffnet, man ist innerlich bereitet für das, was kommt. Die Kantate „Demüthiget euch nun“ zeigt schon beispielhaft die vielen, kleinen Variationsmöglichkeiten auf der Basis äußerer Konventionen vom üblichen Wechsel zwischen Arien und Rezitativen.

Duette verzaubern

Graupners Musik wirkt über die Strecke zunächst verspielter, leichter und affektierter als die seines großen Zeitgenossen Johann Sebastian Bach, aber keineswegs unernster oder sogar weniger streng. Es mag aber auch an der Spielweise des Capricornus Consort Basel liegen, die diese Generalbassmusik glasklar perlen lassen, mit den besten Zutaten der historischen Aufführungspraxis, nur wesentlich unaufgeregter, mit Freude an einem höchst ausgewogenen Ensembleklang.

Der Sopranistin Miriam Feuersinger und Franz Vitzthum als Countertenor gelingt in den Duetten der vier Motetten das Kunststück, eine gemeinsame Klangsprache zu finden, ohne die individuelle Stimmfärbung und Musikalität aufzugeben. Dadurch entsteht eine berückende Anziehungskraft in den dialogisierenden Stimmpartien, aber andererseits auch ein völlig verzaubert geführtes Unisono im kurzen Choral „Wenn wir in höchsten Nöthen seyn“.

Miriam Feuersinger beeindruckt mit einer mühelosen Virtuosität und Gestaltungskultur, etwa in der kraftvollen Arie „Dir stell ich meine Rach‘ anheim, mein Gott, du wirst die Feinde schlagen.“ Zugunsten der musikalischen Geste leidet ein wenig ihre Sprachverständlichkeit, vor allem im direkten Vergleich zur Artikulation von Franz Vitzthum. Seine Stimme blüht bei jeder sich bietender Gelegenheit auf. Sobald er die tiefen Lagen verlassen kann, schafft er mit seiner zu Herzen gehenden Ausdruckskraft berührende Momente voller Intensität.

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