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Vom „Leben der Hirntoten“

In der Diskussion um den Hirntod wird gerne auf das „Leben der Hirntoten“ verwiesen. Doch so stellen wir uns keine Toten vor.
Klaus Schäfer, Theologe und Priester

Regensburg.In der Diskussion um den Hirntod wird gerne auf das „Leben der

Hirntoten“ verwiesen: Das Herz schlägt, das Blut zirkuliert, Nahrung wird verdaut und ausgeschieden, das Immunsystem ist intakt, Wunden heilen, der Körper ist warm und schwangere Hirntote können ein lebendes Kind gebären.

So stellen wir uns keine Toten vor. Diese biologischen Funktionen weisen alle Hirntoten auf. Sie beruhen auf dem Zusammenwirken von einem natürlichen und zwei künstlichen Umständen. Erstens: Das Herz schlägt aus sich heraus (autonom). So schlägt ein dem Körper entnommenes und in eine Nährlösung gelegtes Herz weiter. Zweitens: Da bei Hirntoten das im Hirnstamm gelegene Atemzentrum irreversibel ausgefallen ist, müssen sie dauerhaft künstlich beatmet werden. Drittens: Die Selbstregulation des Körpers (Homöostase) ist schwer gestört und muss medikamentös ausgeglichen werden. Wegen den Punkten zwei und drei sind Hirntote nur auf Intensivstationen anzutreffen.

„Das Leben des Hirntoten ist unwiederbringliche Vergangenheit, er ist tot.“

Ohne diese intensivmedizinische Unterstützung würde das Herz binnen weniger Minuten stehen. Beim Hirntod liegt ein massives Hirnödem vor. Damit stieg der Druck auf den Wert des Blutdruckes, was zum völligen Erliegen der Hirndurchblutung führt. Zum Zeitpunkt der Feststellung des Hirntodes sind die Gehirnzellen von Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm irreversibel so schwer geschädigt, dass sie nicht nur nie wieder funktionieren, sondern es beginnen zellinterne Prozesse, die nach Tagen unaufhaltsam in der Selbstauflösung des Gehirns (Autolyse) enden. Bei Komapatienten gibt es noch Bereiche funktionierender Hirnareale. Mathematisch ausgedrückt haben sie noch Hirnfunktionen, mit einem Wert größer als Null, Hirntote hingegen gleich Null.

Damit können Hirntote nicht nur nie wieder einen Atemzug machen, sondern auch nie wieder etwas wahrnehmen, auch keinen Schmerz, keinen Gedanken fassen, sich an nichts mehr erinnern. Was Hirntote bräuchten, wäre ein neues Gehirn. Wäre die Medizin hierzu in der Lage, wäre jeder Neugeborene intelligenter als der Gehirntransplanierter, denn er machte bereits im Mutterleib erste Erfahrungen, die dem anderen fehlen. Beide müssen aber alles erlernen, sprechen, gehen, lesen...

Das Leben des Hirntoten ist unwiederbringliche Vergangenheit, er ist tot.

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