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Energie

Vorrang für Erdkabel bei Stromtrassenbau

Beim Ausbau des Stromnetzes hakt es gewaltig. Jetzt hat der Bundesrat den Weg für einen schnelleren Leitungsbau freigemacht.

Erdkabel statt Freileitungen: Große Stromtrassen sollen künftig unterirdisch verlaufen.
Erdkabel statt Freileitungen: Große Stromtrassen sollen künftig unterirdisch verlaufen. Foto: dpa

Berlin.Große Stromtrassen werden künftig vorrangig unter der Erde verlaufen. Nach dem Bundestag billigte am Freitag auch der Bundesrat in Berlin Gesetzespläne, wonach beim Bau von Gleichstromleitungen die Erdverkabelung Vorrang vor den deutlich preiswerteren Freileitungen erhält. Die Gleichstromkabel transportieren Windstrom aus Norddeutschland nach Süddeutschland.

Mit den Plänen soll der stockende Ausbau der Stromtrassen im Zuge der Energiewende vorangetrieben werden. Die Erdverkabelung führt zwar zu Milliarden-Zusatzkosten für Verbraucher und Unternehmen, soll aber Bürgerproteste verhindern. Vor allem die CSU-Landesregierung in Bayern hatte verlangt, die Leitungen unter die Erde zu legen.

Strikte Regeln für Freileitungen

Wo Menschen wohnen, sind Höchstspannungstrassen über der Erde verboten: Bei Gleichstromtrassen sind keine Freileitungen mehr zulässig, wenn im Umkreis von 200 bis 400 Metern Menschen wohnen. Bei Wechselstromtrassen sollen die teuren Erdkabel allerdings nur bei einzelnen Pilotprojekten zum Einsatz kommen.

Nach Darstellung von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ist damit der „Weg frei für einen in der Bevölkerung akzeptierten Ausbau der Stromnetze“. Hier seien dringend Fortschritte nötig. Er forderte die Länder auf, nun die teils schleppenden Genehmigungsverfahren voranzubringen.

Umweltverbände begrüßen die Weichenstellung

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Auch Umweltverbände begrüßten die Weichenstellung für einen zügigeren Netzausbau. Dies sorge für eine Integration der erneuerbaren Energien, ein Zurückdrängen fossiler Kraftwerke und somit für mehr Klimaschutz. Aktuell verfügten die Stromnetze nicht über ausreichende Übertragungskapazitäten. Öko-Strom aus dem Norden könne daher immer häufiger nicht in den Süden transportiert werden. Die Windkraftanlagen müssten daher immer öfter abgeschaltet werden. Stattdessen würden im Süden Kraftwerke auf Basis fossiler Brennstoffe zugeschaltet.

Die Länderkammer billigte auch eine bessere Förderung umweltfreundlicher Kraft-Wärme-Kopplung-Anlagen (KWK), bei denen Wärme, die bei der Stromerzeugung entsteht, zum Heizen genutzt wird. Die Umstellung von Kohle auf Gas wird gezielt gefördert. Dafür wird das Fördervolumen auf 1,5 Milliarden Euro pro Jahr verdoppelt. Der Förderrahmen wird bis Ende 2022 verlängert. Finanziert wird dies durch eine Umlage auf den Strompreis.

Länder fordern Korrekturen am Strommarktgesetz

Der Bundesrat forderte zudem Korrekturen am sogenannten Strommarktgesetz. Aus Sicht der Länder haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Betrieb von Energiespeichern kontinuierlich verschlechtert. Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen sollte sinnvoll genutzt werden. Sie sollten bei Netzengpässen möglichst nicht abgeschaltet werden. (dpa)

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