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Wahlbeteiligung

Warum junge Menschen so selten wählen

Bei Erstwählern in Bayern ist die Wahlbeteiligung unterdurchschnittlich. Die Gründe erklärt Regina Renner vom Jugendring.
Von Marianne Sperb, MZ

„Liebe Erstwähler! Egal was ihr wählt – Hauptsache ihr wählt! Gute Wahl“: die Werbung um Wahlbeteiligung auf einem Plakat Foto: dpa
„Liebe Erstwähler! Egal was ihr wählt – Hauptsache ihr wählt! Gute Wahl“: die Werbung um Wahlbeteiligung auf einem Plakat Foto: dpa

München. Vor allem Jung- und Erstwähler nehmen ihr Wahlrecht wenig wahr. Ihre Wahlbeteiligung ist um rund 17 Prozent niedriger als im Gesamtschnitt in Bayern. Sie haben als Referentin für Jugendpolitik beim Bayerischen Jugendring viel Einblick. Warum ist es Ihrer Meinung nach so schwierig, junge Menschen zur Wahl zu bewegen?

Viele Faktoren spielen da eine Rolle. Demokratie ist etwas, das wir tun müssen, beispielsweise durchs Wählen. Unsere Gesellschaft sollte Kinder und Jugendliche deshalb früh darin unterstützen, teilzuhaben und mitzubestimmen, beispielsweise durch Angebote der politischen Bildung und Beteiligungsmöglichkeiten. In der Jugendarbeit erleben junge Menschen Partizipation. In vielen anderen Bereichen werden sie nicht mit ihren Lebenswelten und Anliegen adressiert. Nicht zuletzt ist die vermeintliche Politikverdrossenheit oft Parteienverdrossenheit: Auch Parteien sollten die Interessen von Erst- und Jungwählern stärker wahrnehmen.

Welche Themen interessieren junge Wähler am meisten Ihrer Einsicht nach? Und: Wo wollen sie sich am ehesten einmischen?

Was nah an der Lebenssituation der jungen Wähler ist, interessiert am meisten, etwa Schule und Hochschule, Umwelt und soziale Gerechtigkeit, auch globale Themen wie Flucht.

Regina Renner, Referentin für Jugendpolitik des Bayerischen Jugendrings Foto: BJR
Regina Renner, Referentin für Jugendpolitik des Bayerischen Jugendrings Foto: BJR

An wem orientieren sich junge Wähler beim Wahlverhalten am ehesten?

Früher war die Einstellung der Eltern wichtig, mittlerweile haben Peer-Groups an Einfluss gewonnen. Wird im Freundeskreis über Politik diskutiert, prägt das die eigene Meinung. Letztlich bilden sich auch die Peer-Groups durch die Herkunft und den sozialen Status, der durch das Elternhaus mitgegeben wird. Eine Stammwählerschaft gibt es bei jungen Menschen bzw. generell in der deutschen Bevölkerung nicht mehr in dem Ausmaß wie früher; Parteibindungen sind schwächer ausgebildet. Das Wahlverhalten wird dementsprechend stärker von konkreten tagesaktuellen politischen Inhalten und Sympathiewerten von Kandidaten beeinflusst.

Womit kann man junge Wähler ziemlich sicher vergraulen bzw. davon abhalten, zur Wahl zu gehen?

Wer an den Themen der jungen Wähler vorbeiredet, wird sie kaum am Wahlsonntag an die Urnen bringen. Und leider ist es so, dass bei vielen Parteien jugendpolitische Themen nicht oben auf der Agenda stehen.

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Der BJR macht sich stark für ein Wahlrecht ab 14 Jahren. Sind Jugendliche tatsächlich reif für das Wahlrecht?

Die Entwicklungspsychologie belegt, dass Jugendliche sehr wohl mit zwölf Jahren zu differenziertem Denken und Urteilen fähig sind. Alle Vorbehalte gegen das Wahlrecht ab 14 – vom politischen Desinteresse bis zur leichteren Beeinflussung – gelten für alle Altersgruppen, nicht nur für Junge. Jugendliche sind mit 14 Jahren strafmündig und haben eine ganze Reihe anderer Pflichten. Warum sollten sie nicht ihre Stimme bei Wahlen abgeben dürfen? Wer für Gerechtigkeit zwischen den Generationen beitragen will, sollte Jugendlichen das Wählen nicht verwehren.

Die Mittelbayerische bindet den Wahl-O-Mat in ihre Berichterstattung zur Bundestagswahl ein. Eine gute Idee?

Der Wahl-O-Mat ist eine großartige Möglichkeit, die Positionen der Parteien zu vergleichen und sich über deren Standpunkte zu informieren. Ab 30. August wird er voraussichtlich im Vorfeld der Bundestagswahl online sein, und dann werden ihn hoffentlich wieder viele Wähler nutzen – nicht nur die jungen.

Hier geht es zu unserem Dossier für die Bundestagswahl 2017

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