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Wegsperren ist keine Lösung

Kranke, Senioren und Menschen mit Behinderung dürfen nicht über einen längeren Zeitraum in der Isolation landen.
Von Christa Weiss

Regensburg.Ist es sinnvoll, Teilhabe und Inklusion zu fordern in einer Zeit, in der Zurückhalten und Abschotten angesagt ist? Kranke, Senioren und Menschen mit Behinderung sind schon in normalen Zeiten schweren Belastungen ausgesetzt und oft mit großen Herausforderungen konfrontiert. Häufig können sie ihren Alltag ohne Unterstützung nicht bewältigen. Sie gehören zu Risikogruppen, sie müssen geschützt werden. Rücksichtnahme ist erforderlich. Gerade in schweren Zeiten dürfen diese Menschen nicht das Gefühl bekommen, sie werden alleine gelassen, ihnen werden Kontakte gestrichen, sie werden weggesperrt.

Diese Menschen dürfen nicht über einen längeren Zeitraum – und darauf müssen wir uns wegen Corona einstellen – in der Isolation landen. Ein solches Befinden würde ein sicheres Alltagsgefühl verhindern, die Lebensqualität verschlechtern, eine Genesung erschweren. Die Bandbreite der Betroffenen ist groß: Sie reicht von körperlichen und geistigen bis zu psychischen Einschränkungen. Es geht um Menschen, die um ihren Arbeitsplatz fürchten, die auf Assistenz angewiesen sind, die Schutzkleidung für ihre Unterstützer benötigen. Es geht um Menschen, die nicht nachvollziehen können, weshalb ihre gewohnte Tagesstruktur wegbricht. Es geht um Menschen, die bei der Kommunikation auf Gestik und Mimik angewiesen sind, die nun von einem Mundschutz verborgen sind.

Unterschiedliche Lösungsansätze erarbeiten

Es dürfen nicht alle Betroffenen über einen Kamm geschert werden. So unterschiedlich Menschen aus Risikogruppen, Menschen mit Behinderung sind, so unterschiedliche Lösungsansätze bei Schutz- und Hilfsangeboten müssen erarbeitet werden. Es gilt, möglichst viele individuelle Bedürfnisse unter besonderen Bedingungen zu berücksichtigen. Nur damit kann den Betroffenen geholfen, kann auf längere Sicht eine Situation ermöglicht werden, die Gesundheit stabilisieren oder verbessern kann, die ein Gefühl der Sicherheit vermittelt, die Hoffnung und Lebensqualität ermöglicht. Das wird eine große Herausforderung – für Betroffene ebenso wie für jene, die Rahmenbedingungen festlegen. Deshalb gilt es, Teilhabe und Inklusion auch in schweren Zeiten einzufordern, nicht nur am 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, sondern immer. An jedem Tag!

Die Autorin ist Vorsitzende des vkm Regensburg, Verein für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e. V.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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