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Politik
Samstag, 18. August 2018 31° 4

Regierung

Wendet Italien Neuwahl doch noch ab?

Italiens Präsident Mattarella lässt Geduld walten. Die europakritischen Fünf Sterne und Lega verhandeln weiter.

  • Die italienische Flagge weht über dem Quirinalspalast in Rom. Er ist Dienstsitz des italienischen Präsidenten. Foto: Riccardo Antimiani/ANSA
  • Italiens Präsident Sergio Mattarella, hier am vergangenen Sonntag, hatte dem von Sterne-Bewegung und Lega gewünschten Finanzminister die Zustimmung verweigert. Foto: Fabio Frustaci/ANSA/AP
  • Der Wirtschaftsexperte Carlo Cottarelli soll nach dem Wunsch des Staatspräsidenten eine Übergangsregierung bilden. Foto: Alessandro Di Meo/ANSA/AP
  • Die Polit-Krise in Italien hat in Europa die Sorge vor einem Wiederaufflammen der Euro-Schuldenkrise geschürt. Foto: Patrick Pleul
  • Luigi Di Maio, Chef der Fünf-Sterne-Bewegung, schüttelt während einer Wahlveranstaltung in Neapel die Hände seiner Anhänger. Foto: Ciro Fusco/ANSA/AP
  • EU-Kommissar Günther Oettinger Anfang des Jahres in Brüssel. Foto: Wiktor Dabkowski/ZUMA Wire

Rom.In Italien laufen Versuche weiter, eine Neuwahl doch noch abzuwenden. Präsident Sergio Mattarella ließ die populistische Fünf-Sterne-Bewegung zunächst ohne Frist weiter mit der fremdenfeindlichen Lega verhandeln. Sollte der erneute Annäherungsversuch scheitern, steht Carlo Cottarelli als designierter Ministerpräsident für eine Übergangsregierung bereit. Zumindest gab es mit dessen Ministerliste keine Probleme mehr, wie aus dem Präsidentenpalast verlautete.

Die Regierungsbildung der beiden europakritischen Parteien war am Sonntag auf den letzten Metern geplatzt. Mattarella hatte ein Veto gegen den Euro- und Deutschlandkritiker Paolo Savona eingelegt, den die Parteien als Finanzminister einsetzen wollten.

An einer Lösung wird gearbeitet

Sterne-Chef Luigi Di Maio schlug am Mittwoch vor, eine Person „mit gleichem Format“ wie Savona für das Finanzministerium zu finden und den Ökonomen auf einen anderen Posten zu setzen. Man habe den Vorschlag Di Maios „mit großer Aufmerksamkeit“ zur Kenntnis genommen, hieß es auf Anfrage aus dem Quirinalspalast, dem Sitz des Staatspräsidenten. „Es hängt nicht von uns ab...“, schrieb Di Maio auf Facebook. „Es hängt ab von der anderen politischen Kraft, die Teil dieses Regierungsvertrags ist.“

Es ist fraglich, ob sich Lega-Anführer Matteo Salvini auf den Deal einlässt. Seine Partei hat seit der Wahl am 4. März weiter zugelegt, weshalb sie von einer baldigen Neuwahl profitieren könnte. Die Sterne dagegen wären derzeit die stärkere Partei in einem möglichen Bündnis und haben somit ein größeres Interesse daran zu regieren.

Lega signalisiert Verhandlungsbereitschaft

Zwar pochte Salvini am Mittwoch weiter auf die Regierungsmannschaft, wie sie Mattarella präsentiert wurde. Er zeigte sich aber auch verhandlungsbereit: „Ich habe die Tür nie verschlossen“, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Ansa.

Italien braucht dringend politische Stabilität. Das Land lebt mit einem riesigen Schuldenberg, in absoluten Zahlen mit fast 2,3 Billionen Euro dem höchsten aller Euroländer. Das entspricht fast 132 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Erlaubt sind nach dem EU-Regelwerk für die Währungsunion eigentlich nur 60 Prozent.

Das Szenario einer Neuwahl hatte die Märkte am Dienstag auf Talfahrt geschickt. Am Mittwoch schnauften die Anleger zwar durch. Doch Experten sind sicher, dass die Unsicherheit noch für einige Zeit hoch bleiben wird – vor allem, wenn sich die Krise nicht alsbald löst.

Mattarella hatte den Finanzexperten Cottarelli erst am Montag mit der Bildung einer Übergangsregierung beauftragt. Im Parlament dürfte seine Regierung keine Unterstützung bekommen.

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