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Massentierhaltung

Weniger Antibiotika in Tierhaltung gefordert

Hähnchenfleisch ist häufig mit resistenten Keimen belastet. Die Regierung will nun den Einsatz von Antibiotika eindämmen.

30.000 Jungtiere halten sich in einem der Hähnchenställe für den Geflügelproduzenten „Wiesenhof“ auf.

Berlin. Die Bundesregierung will den Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung angesichts drohender Gesundheitsrisiken deutlich eindämmen. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) werde dazu in dieser Woche einen Gesetzentwurf vorlegen, bestätigte ein Sprecher am Montag. Wenn Menschen zu viele Antibiotika einnehmen, kann es dazu führen, dass diese bei Krankheiten nicht mehr wirken. Dazu kann auch der Verzehr von Fleisch beitragen. Hähnchenfleisch aus dem Supermarkt ist laut einer Stichprobe des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vielfach mit Antibiotika-resistenten Keimen belastet.

Einsatz auf „absolut notwendiges Maß“ beschränken

Laut Arzneimittelgesetz dürfen Antibiotika nur zur Behandlung kranker Tiere eingesetzt werden. Eine im November vorgelegte Studie des nordrhein-westfälischen Verbraucherministeriums hatte ergeben, dass 96 Prozent der Hähnchenmastbestände damit behandelt werden.

Aigners Ziel ist es, den Antibiotika-Einsatz „auf das zur Behandlung von Tierkrankheiten absolut notwendige Maß zu beschränken und die Befugnisse der zuständigen Kontroll- und Überwachungsbehörden der Bundesländer deutlich zu erweitern“, sagte ihr Sprecher dem „Hamburger Abendblatt“ (Montag).

Der BUND teilte in Berlin mit, bei der Untersuchung von Hähnchenfleisch aus dem Supermarkt seien Antibiotika-resistente Erreger bei 11 von 20 untersuchten Produkten entdeckt worden. In einem Labor analysiert wurden Frischfleischproben aus Geschäften in Berlin, Hamburg, Köln, Nürnberg und der Region Stuttgart.

BUND fordert Halbierung des Antibiotika-Einsatzes

In zehn Proben wurde ein Enzym gefunden, das Antibiotika wie Penizillin unwirksam machen kann. Zwei Mal wurden Bakterien entdeckt, die gegen wichtige Antibiotika unempfindlich sind. In einem Produkt wurden beide Stoffe zugleich nachgewiesen.

„Die Hähnchenmast produziert Risiken, die bei den Verbrauchern landen“, kritisierte BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning. Die Organisation forderte eine Halbierung des Antibiotika-Einsatzes in der Tierhaltung bis 2015. Der Handel solle belastete Produkte aus den Sortimenten nehmen und seine Zulieferer darauf hinweisen. Insgesamt sei eine Abkehr von der industriellen Tierhaltung notwendig, forderte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

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