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Politik
Dienstag, 14. August 2018 26° 3

Ernährung

Weniger Lebensmittel wegschmeißen

Jedes Jahr landen in Deutschland 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel auf dem Müll. Mit dieser Verschwendung muss Schluss ein.
Tanja Dräger de Teran

Tanja Dräger de Teran ist Referentin für nachhaltige Landnutzung, Klimaschutz und Ernährung beim WWF Deutschland.
Tanja Dräger de Teran ist Referentin für nachhaltige Landnutzung, Klimaschutz und Ernährung beim WWF Deutschland.

Berlin.In Bayern gehen pro Jahr rund 2,8 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verloren – in ganz Deutschland sind es sogar über 18 Millionen. Über die Hälfte wäre vermeidbar. Die ökologischen Folgekosten der Verschwendung: Nach den WWF-Berechnungen werden daher pro Jahr 2,6 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet, nur um die darauf angebauten Produkte wieder wegzuwerfen. Hinzukommen unnötig freigesetzte Treibhausgasemissionen in Höhe von 48 Mio. Tonnen. In Zeiten einer wachsenden Weltbevölkerung, des Klimawandels und begrenzter, fruchtbarer Ackerböden wird Lebensmittelverschwendung zu einer der großen Herausforderungen unserer Zeit.

Bayern begann bereits 2012 mit der Erhebung der landesweit anfallenden Lebensmittelverluste. Bayern ist zudem das einzige Bundesland, das ein Monitoring und weitere Messungen vorgesehen hat. Durch das „Kompetenzzentrum für Ernährung“ werden diverse Aktivitäten organisiert. Das 2015 gegründete Bündnis „Wir retten Lebensmittel!“ beschloss gleich 17 Maßnahmen, die systematisch umgesetzt werden. Damit zählt der Freistaat laut unserer Analyse unter den 16 Bundesländern zur Pionier-Gruppe. Ähnlich wie Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen geht Bayern das Problem der Verschwendung seit längerem und in umfassender Weise an. Das ist gut. Und wichtig. Allerdings: Selbst in den Pionier-Ländern gelingt es nicht, das mangelnde und unkonkrete Handeln der Bundespolitik im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung zu kompensieren.

Deutschland hat sich verpflichtet bis 2030 die Lebensmittelverschwendung zu halbieren. Bisher ist es bei dieser vollmundigen Ankündigung geblieben. Wir brauchen daher endlich eine bundesweite Strategie, um den Ländern einen Handlungsrahmen zu geben und ein effektives Vorgehen zu garantieren. Hier muss die neue Bundesregierung noch in der ersten Hälfte der Legislaturperiode liefern. Zudem bleibt es ein Problem, dass sowohl Länder als auch Bund vor allem die Verbraucher in die Pflicht nehmen und mit Aufklärungskampagnen adressieren. Industrie, Handel und Landwirtschaft müssten allerdings viel stärker in den Fokus rücken, denn über 60 Prozent der Verluste entstehen entlang der Wertschöpfungskette – vom Produzenten bis hin zum Großverbraucher. Hier braucht es ein stärkeres Engagement als bisher, um die Verschwendung endlich wirksam und im großen Stil einzudämmen.

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