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Wirklich a scheene Leichd

Wer im eigenen Sprachgebrauch keine Mundart benutzt, macht sich selbst zum Totengräber unseres Dialekts.
Von Sepp Obermaier

Sepp Obermaier ist Vorsitzender des Bundes Bairische Sprache e.V..
Sepp Obermaier ist Vorsitzender des Bundes Bairische Sprache e.V..

Zehn Jahre nach der blamablen Aufnahme von Bairisch in den Weltatlas der bedrohten Sprachen durch die UNESCO hat sich die staatliche Dialektförderung in eine veritable Glaubwürdigkeitskrise manövriert. Warum? Weil man auf die einfachste unabdingbare Problemlösung für das Überleben von Mundarten, nämlich in öffentlichen Alltagssituationen auch im Dialekt zu reden, nicht gekommen ist.

Die Vertreter der „Generation Facebook“, die auf den Anzeigefeldern ihrer Smartphones aus einer Mundart sprachrevolutionär eine Schreibart machten, erkannten dies intuitiv sehr wohl! Stattdessen glaubte man mit einer halbherzigen, typisch deutschen „Strohfeuer-Projektitis“, diversen Dialektprojekten an einigen ausgewählten Schulen, erfolgreich zu sein. Als Krönung mutierte im vergangenen Herbst in Landshut eine vom Kultusministerium organisierte Dialekttagung zur staatlich inszenierten Realsatire vom Feinsten, zum Staatsbegräbnis Erster Klasse, zur „scheena Leich“: Von den ausnahmslos dialektkundigen Teilnehmern der Podiumsdiskussion und den Mitdiskutanten aus der 250-köpfigen Lehrerschaft war kein einziger dialektaler Satz zu vernehmen!

Wer den Wert der Dialekte über den Schellenkönig lobt, im eigenen Sprachgebrauch aber die Mundart möglichst unauffindbar vergräbt, um ein höheres Bildungsniveau zu demonstrieren, macht sich zum staatlichen Totengräber, „neudeutsch“ zum „Funeral Master of Dialect-Desaster“.

Dasselbe gilt auch für den staatsrechtlichen Bayerischen Rundfunk, der im vergangenen Jahr mit einer Dialektthemen-Woche glänzte. Eine nachhaltige Wirkung brächte jedoch nur eine Dauerpräsenz dialektsprechender prominenter Mutmacher wie zum Beispiel die Kabarettistin Moni Well, die seit einigen Wochen als Mitgastgeberin beim BR-Fernsehstammtisch authentisch zum Dialektsprechen ermuntert.

Nicht zuletzt sollte man auch auf den Blick von außen setzen, aus England zum Beispiel. Die Sprachwissenschaftlerin Barbara Löster von der Universität Winchester beobachtet seit Jahren die staatliche Dialektförderung in Schottland und Bayern und stellt dem Freistaat kein gutes Zeugnis aus. So ist man in Schottland, mit der Möglichkeit Schottisch als Abiturfach zu integrieren, dem Freistaat weit voraus.

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