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Würde bis zuletzt!

Franz Müntefering ist Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen, die ältere Menschen vertritt.
Franz Müntefering

Franz Müntefering  Foto: BASGO/Rieger
Franz Müntefering Foto: BASGO/Rieger

Dass man das nicht ändern kann und sich deshalb ein Gespräch darüber erübrigt, dieser Kalauer ist und bleibt falsch. Es ist nicht egal, wie Menschen sterben. Die Lebenserwartung steigt, von heute rund 80 Jahren auf bald 83 und mehr. Es kommt gutes Leben obendrauf. Nicht jeder Mensch hat das Glück, aber doch immer mehr. Relativer Wohlstand und Hygiene und Hochleistungsmedizin ermöglichen das. Und seit über 73 Jahren haben wir keinen Krieg – das verdanken wir Europa.

Die meisten Menschen sterben in unserem Land normal. „Normal“ ist hier ein schwieriges Wort, ich weiß. Doch es stimmt. Ein Teil von uns stirbt jedoch an schweren Krankheiten, leidet dabei unter Schmerzen, physisch und psychisch. So oder so, das Sterben ist der schwere Abschied vom Leben, voller Trauer, Tränen und Angst. Bei denen, die sterben und bei denen, die trauern. Früher gehörte das Sterben zu den Alltagserfahrungen in fast jedem Haus. Es wurde zu Hause gestorben, an heute beherrschten Krankheiten. Jetzt ist das Sterben teilweise „ausgelagert“, in Pflegeheime, Krankenhäuser. Mit oft guten Gründen. Aber es ist ein Stück weit unsichtbar geworden im Alltag. Gleichzeitig haben sich im Land Hospiz- und Palliativ-Dienste gebildet, haupt- und ehrenamtlich, die zuhause oder stationär die Sterbenden begleiten und auch den Angehörigen beistehen. Eine großartige Bewegung. Diese Errungenschaft muss verlässlich überall wirken können. Es geht darum, Zeit zu haben füreinander, gerade im Sterben und mit verfügbaren Arzneimitteln Schmerzen zu mildern, möglichst zu minimieren. Sterben muss kein Martyrium sein. Dazu muss der hospizlich-palliative Dienst allerorts garantiert sein – besser als bisher. In den stationären Hospizen gelingt dies gut. Wo entsprechende Dienste sind, auch zu Hause. Pflegeheime, die immer öfter Menschen im oder kurz vor dem Sterben aufnehmen, brauchen dringend stärkere Unterstützung für diese besondere Aufgabe. Das heißt Zeit und Zeit heißt Geld für Fachkräfte. Zuletzt, aber im Lebensablauf zuerst: Die Vorsorgevollmacht und die Patientenverfügung können wichtige Orientierung geben. Also: Gelegentlich – nicht jeden Tag, aber noch diese Woche – über all das reden, vor allem mit den Menschen, die einem die Liebsten sind. Auf Gegenseitigkeit.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion. Foto: BASGO/Rieger

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