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Yoga-Studios sind bedroht

Viele Studios sind durch Corona in ihrer Existenz bedroht. Die Politik aber nehme das nicht war, klagt eine Expertin.
Von Jessica Fink

Jessica Fink, Yoga-Expertin
Jessica Fink, Yoga-Expertin Foto: Friederike von Schwanenflug/Friederike von Schwanenflug

„Yogalehrer“ ist als Berufsbezeichnung nicht gesetzlich geschützt. Jeder, der Yoga anbietet, kann sich so nennen, unabhängig davon, ob er eine Yoga-Lehrausbildung abgeschlossen hat. Dabei braucht es Fachwissen, eigene Erfahrung sowie medizinische, psychologische und pädagogische Grundlagen, um den Beruf kompetent auszuüben. Was ist Yoga überhaupt? In der Corona-Krise zeigt sich, dass sich die Politik hierzu bisher keine Gedanken gemacht hat. In den Allgemeinverfügungen der Bundesländer, Städte und Gemeinden war Yoga meist nicht explizit genannt. Im Zuge der Lockerungen wurde Yoga dann den Sport- und Fitnessstudios zugerechnet.

Yoga ist aber kein Sport, sondern ein ganzheitlicher Übungs- und Erfahrungsweg, der sich mit der körperlichen, emotionalen und geistigen Ebene des Menschen beschäftigt. Die Praxis des Yoga umfasst Körperübungen, Atemübungen und Meditation. In Indien zählt Yoga zu den sechs klassischen Systemen der Philosophie. Wissenschaftliche Studien belegen zahlreiche positive Effekte der Yoga-Praxis für die Gesundheit.

Vielzahl macht Zuordnung schwierig

Daher ist Yoga von den gesetzlichen Krankenkassen als Entspannungsverfahren im Rahmen der Primärprävention und der betrieblichen Gesundheitsförderung anerkannt. Die Vielfalt des Yoga und die Vielzahl seiner nachgewiesenen Wirkungen auf die physische und psychische Gesundheit machen eine Zuordnung schwierig. Yoga ist eine eigene Kategorie. Weil Yoga aber seitens der Politik sachwidrig als Sport eingeordnet wurde, profitierten die Yoga-Studios später von den Lockerungen als private Bildungsanbieter. Zudem werden nun die für Sport- und Fitnessstudios geltenden Abstandsregelungen auch auf Yoga-Studios angewendet, obwohl nach bisherigen Erkenntnissen beim Yoga deutlich niedriger ist.

Viele Yoga-Studios sind durch die Verordnungen in ihrer Existenz bedroht. Wenn in den Medien von Yoga als Milliardengeschäft berichtet wird, bezieht sich das auf eine um den Yoga herum entstandene Industrie. Yogalehrende sind meist Soloselbstständige mit geringem Einkommen. Wie auch andere Soloselbstständige werden sie von der Politik nicht wahrgenommen. In der gegenwärtigen Krise ist das für sie besonders spürbar.

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