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Zoff auf der Stromautobahn

Die Hochspannungsleitung von Tennet soll quer durch die Oberpfalz verlaufen. Der Trassenverlauf verärgert Naturschützer.

Schon jetzt regt sich Widerstand gegen den geplanten Trassenverlauf.  Foto: Klein
Schon jetzt regt sich Widerstand gegen den geplanten Trassenverlauf. Foto: Klein

Regensburg.Den Mut wollen die Naturschützer noch nicht aufgeben. „Himmel hilf dem Himmeltal“, habe sie auf ihr Plakat geschrieben, mit dem sie vor dem Regensburger Salzstadel gegen den Bau des SüdOstLinks durch ihre Heimat protestieren. Geht es nämlich nach dem Willen des Netzbetreibers Tennet wird das malerische Tal bald von der Stromautobahn durchzogen. Naturschützer sind entsetzt. Für Brennbergs Bürgermeisterin Irmgard Sauerer ist klar: Die Gemeinde im Landkreis Regensburg wird klagen.

Am Donnerstag hat Tennet seine vertiefenden Planungen für den Abschnitt D vorgelegt – also für den Teil der Hochspannungsleitung von Pfreimd im Landkreis Schwandorf bis ins niederbayerische Isar bei Landshut. Damit ist zwar noch keine endgültige Entscheidung gefallen, aber es ist wieder ein Schritt im Verfahren für das Großprojekt gegangen. Daran konnte auch der bisher schon große Widerstand nichts ändern. Der Landtagsabgeordnete Tobias Gotthardt (FW) zeigte sich entsetzt. „Es ist ein brachiales, planungstechnisches Desaster. Käme die Gleichstromtrasse so, wäre die Wunde in dieser ökologisch wie touristisch einmaligen Region verheerend“, äußerte er sich sehr kritisch.

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So soll die Stromautobahn verlaufen

Tennet präsentiert die vertieften Planungen für den Trassenverlauf durch die Oberpfalz. Protest wird angekündigt.

Kritik an Termin und Aiwanger

Die Präsentation der Vorzugstrasse fand, mit Ausnahme des Schwandorfer OB Andreas Feller, ohne die betroffenen Oberbürgermeister und Landräte aus Regensburg, Schwandorf, Amberg-Sulzbach, Straubing-Bogen und Landshut statt. Der Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling (CSU) war ebenso wie die Regensburger Amtskollegin Tanja Schweiger (FW) wegen einer Sitzung des Oberpfälzer Bezirkstags verhindert. „Ich wäre gerne dabei gewesen“, sagte ein spürbar indignierter Ebeling zur Mittelbayerischen. Der Schwandorfer Landrat kämpft wie seine Oberpfälzer Kollegen für eine Trassenführung entlang der A 93.

Angesichts der fortschreitenden Planung konnte sich Ebeling nun einen verbalen Tritt gegen den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) nicht verkneifen, der im Wahlkampf „vollmundig“ versprochen habe, er werde die „Monstertrassen“ verhindern.

Speziell in Schwandorf blickt man mit Spannung auf die Trassenplanung. Der Stadtrat und eine Bürgerinitiative verlangen vehement eine Bündelung des Südostlinks mit dem „Ostbayernring“, am besten zusammen unter der Erde. Die Wechselstrom-Hochspannungsleitung führt mitten durch ein Wohngebiet. Die Stadt will notfalls vor Gericht ziehen. BI-Vorsitzender Walter Ostheim hofft auf Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier, dessen Haus diese Variante derzeit prüfen lässt.

Tennet lehnt Autobahntrasse ab

Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht kündigte gegenüber der MZ an, dieses Projekt umzusetzen, wenn es Gesetzeskraft erlange. Dem Wunsch der Oberpfälzer Spitzenpolitiker nach einer Trassenführung entlang der A 93 erteilte Lieberknecht aber einmal mehr eine deutliche Absage. Zu oft kämen nahe Wohnbebauung, Gewerbegebiete oder Brücken den unterirdischen Kabeln in die Quere.

Unterdessen meldet der Bundestagsabgeordnete Karl Holmeier (CSU) Entspannung in der Frage der Trassenbreite. Holmeier sprach am Donnerstag zusammen mit Peter Aumer, Alois Karl und Florian Oßner (alle CSU) persönlich bei Peter Altmeier (CDU) vor und verlangte eine Beschränkung der Trassenbreite auf maximal 20 Meter. Der Plan, für eine spätere Kapazitätserweiterung Leerrohre zu verlegen und damit die Trasse zu verbreitern, hatte in den letzen Wochen für große Unruhe gesorgt. Holmeier ist nun „sehr zuversichtlich“, wie er der Mittelbayerischen gestern verriet, dass dieses Thema nun vom Tisch sei.

Kommentar

Was wirklich zählt

Schon der Name sagt es: Im Himmeltal ist es himmlisch. Und durch dieses Paradies bei Brennberg im Landkreis Regensburg will Tennet eine autobahnbreite...

Im Bereich Regensburg ist vor allem die Donauquerung ein kritischer Punkt. Der Trassenverlauf bei Wiesent sei sinnvoll, weil die Donau hier weniger breit sei, argumentierte Tennet-Sprecher Lieberknecht. Er verwies darauf, dass man sich die Bewertung und Prüfung der einzelnen Abschnitte nicht leicht gemacht habe. Sämtliche Unterlagen für den Abschnitt D füllen demnach 40 Ordner. Sie enthalten Studien und Untersuchungsergebnisse. Nur das sich Schönheit eben schwer bemessen lässt. Wohl deshalb ist die Miene von Brennbergs Bürgermeisterin auch nach dem Vorstellungstermin noch immer finster. Wie sie in der anstehenden Bürgerversammlung die Entscheidung von Tennet erklären solle, wisse sie immer noch nicht, schildert sie.

Um Bürgern und Gemeinden die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren, veröffentlicht Tennet die Übersichtskarten zum Vorschlagskorridor im Internet. Ab dem 1. April will der Netzbetreiber in mehreren Gemeinden über den Planungsstand und die nächsten Schritte im Genehmigungsverfahren informieren. Zum Beispiel am 2. April in der Oberpfalzhalle in Schwandorf, am 4. April in Barbing im Rathaus-Restaurant Barbinger und am 11. April in Pfatter im Vogelmeier Saal – jeweils zwischen 15 und 19 Uhr.

Der Südostlink

  • Aufgabe:

    Der Südostlink soll einmal Strom aus erneuerbaren Energien, vornehmlich aus Windkraftwerken in Norddeutschland, in den industriereichen Süden transportieren. Die 580 Kilometer lange Gleichstromleitung verbindet die Netzverknüpfungspunkte Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) und Isar bei Landshut.

  • Konfliktpunkte:

    Nach Bürgerprotesten gegen „Monstermasten“ wird die Trasse nun komplett unterirdisch geplant. Oberpfälzer Landräte bestehen auf einer Trassenführung entlang der Autobahn A 93. Die Freien Wähler in Bayern erachten die Stromautobahn als unsinnig und wollen sie verhindern.

Schweiger will weiter kämpfen

Die Tennet Entscheidung sei gefallen, ohne die Argumente gegen die Trasse durchs Himmeltal entsprechend zu würdigen, kritisiert die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger. Sie will weiter gegen die Stromtrasse kämpfen „Die vorhandenen Bodendenkmäler sind nicht sauber angeschaut worden“, klagt Tanja Schweiger. Auch der Raumwiderstand sei nicht richtig bewertet worden. Eine hohe Gesteinsdichte und viel Wald würden die Arbeiten schwierig gestalten, zumal es zur Herstellung der 20 Meter breiten Trassen ja noch links und rechts jeweils zehn Meter Arbeitsraum benötigt würden. Vor allem die Gemeinden, in deren Hoheitsgebiet die Trasse verlaufe, könnten klagen, der Landkreis dagegen nur, wo Landschafts- oder Naturschutzgebiete betroffen sind, sagte Schweiger. Zudem wachsen von Jahr zu Jahr die technischen Möglichkeiten, Strom zu speichern. „Wir haben noch ein Weilchen Zeit und Ideen gibt es viele.“

Aumer verteidigt Stromautobahn

Für die Stromautobahn spricht sich der Regensburger CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Aumer aus. „Wir brauchen die Stromtrasse zum Transport von Windenergie aus dem Norden. Nur so können wir die Versorgungs- und Energiesicherheit Bayerns und der Region Regensburg gewährleisten“, teilte er mit. Die Aufgabe sei es nun, den Trassenbau so schonend wie möglich für Bürger und Natur zu bewerkstelligen. Wenn die Landrätin Schweiger den Neubau der Stromtrasse ablehne, müsse sie Alternativen aufzeigen, um die die Stromversorgung nach dem Atomausstieg 2022 sicherstellen.

Auf Facebook hat Schweiger dem Bundestagsabgeordneten geantwortet:

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