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Zu viele Morde an Frauen in Deutschland

Femizide, sind ein globales Problem, das auch vor Deutschland keinen Halt macht, meint unsere Gastautorin.
Vanessa Bell, Frauenrechtlerin

Vanessa Bell ist Referentin für Häusliche und sexualisierte Gewalt bei Terre des Femmes e.V.
Vanessa Bell ist Referentin für Häusliche und sexualisierte Gewalt bei Terre des Femmes e.V.

Laut dem UN-Büro für Verbrechensbekämpfung wurden 2017 (aktuellster Stand) weltweit über 87 000 Frauen ermordet. 50 000 Frauen davon wurden von ihrem (Ex-) Partner oder einem Familienmitglied ermordet. Diese Morde, auch benannt als Femizide, sind ein globales, tief in der Gesellschaft verwurzeltes Problem, das auch vor Deutschland keinen Halt macht. Das erschreckende Ergebnis der Erhebung von Eurostat von 2017 zeigt sogar, dass in Deutschland mehr Frauen von ihrem Partner oder Expartner ermordet werden als in den europäischen Nachbarländern. Wie kann es sein, dass in Deutschland, einem der reichsten und gebildetsten Länder Europas, jeden zweiten bis dritten Tag eine Frau brutal ermordet wird?

Der Schutz von Frauen vor geschlechtsspezifischer Gewalt ist eine Menschenrechtsfrage, die häufig von der Politik und der Gesellschaft übersehen wird. Bis heute hat die Bundesregierung das Wort Femizid nicht klar definiert und verwendet diesen Begriff nicht. Die WHO betont, dass Femizide alle Tötungen an Frauen sind, die durch hierarchische Geschlechterverhältnisse motiviert sind. Dazu gehören nicht nur weibliche Opfer von vollendeten Tötungsdelikten in der Partnerschaftsgewalt, Morde von Verwandten, sondern auch Morde, die von jemanden begangen werden, der nicht in einer Beziehung zum Opfer steht. Solche Morde richtig zu benennen, ist der erste notwendige Schritt, um sie bekämpfen zu können. Das Bewusstsein für Gewalt gegen Frauen fängt mit der Sprache an. Erkennt die Bundesregierung diesen Begriff nicht an, so erkennt sie das Problem nicht an.

Dabei ist es für unsere Gesellschaft überlebenswichtig, dieses „Tabuthema“ zu brechen. Die Zahlen machen deutlich: Frauen werden getötet, weil sie Frauen sind. Das sind keine individuellen Familiendramen, das ist ein strukturelles Problem. Trotz wachsendem Bewusstsein zum Thema Gewalt gegen Frauen, auch dank der vermehrten Berichterstattung, scheinen wenige Menschen zu registrieren, dass diese Morde extreme Manifestationen männlicher Dominanz und Sexismus sind. Die Anerkennung der frauenfeindlichen Motivation dieser Verbrechen ist von großer Bedeutung, um das strukturelle Problem in unserer Gesellschaft zu erkennen. Femizide sind kein Frauenproblem, sondern – in erster Linie – ein Männerproblem.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung der Autorin wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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