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Politik
Samstag, 18. August 2018 31° 3

Bildung

Zweifelhafte Selektion an Grundschulen

Das Übertrittszeugnis setzt die Familien enorm unter Druck. Dadurch leidet die Beziehung von Eltern und Kindern.
Henrike Paede

Henrike Paede  ist stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbands e.V.
Henrike Paede ist stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbands e.V.

München.Am gestrigen Mittwoch wird nach dem Aushändigen des Übertrittszeugnisses so manche Familie erleichtert aufgeatmet haben: Das „Grundschulabitur“ ist bestanden und eine spätestens in der dritten Klasse begonnene Phase großen Leistungsdrucks nimmt ein vorläufiges Ende.

Der Bayerische Elternverband e. V. (BEV) kritisiert seit jeher die allzu frühe Sortierung der Kinder in verschiedene Schularten. Sie begünstigt die Angst vieler Eltern, dass ihr Kind ohne Gymnasium keinen guten Start ins Leben bekäme. Dass in Bayern rund 40 Prozent aller Hochschulzugangsberechtigungen nicht über das Gymnasium erworben werden, widerlegt jedoch diese Befürchtung. Dennoch ist es für die meisten Eltern äußerst schwierig, gelassen gegen den Strom zu schwimmen und den ruhigeren, gesellschaftlich weniger akzeptierten Weg über andere Schularten zu wählen.

Das Bildungsministerium begründet die zeitige Aufteilung der Kinder mit der „Begabungsgerechtigkeit“ der weiterführenden Schulen. Der BEV glaubt dagegen nicht, dass Begabungen und Neigungen in diesem Alter durchwegs so ausgeprägt und fixiert sind, um damit die so frühe Trennung der Schüler zu rechtfertigen. Die Pflicht der Schulen zur individuellen Förderung aller Kinder sollte ohnehin individuelle Begabungen abdecken.

Für die Schüler selbst ist in diesem Alter die soziale Bindung an ihre Freunde besonders wichtig. Wenn sie selbst gefragt werden, wählen sie die Schule aus, in die ihre besten Freunde gehen. Dies darf man nicht außer Acht lassen, denn auch Selbstbestimmung ist wichtig für den Lernerfolg.

Stark kritikwürdig ist nach Ansicht des BEV nach wie vor auch der mit dem Übertritt verbundene Stress. Im Alter von acht bis zehn Jahren sollten Kinder Ruhe zum Lernen und Reifen bekommen. Stattdessen jagt ein Test den anderen. Allein im Fach Deutsch müssen in der vierten Klasse zwölf Leistungsnachweise erbracht werden. Dadurch lastet auch auf den Familien großer Druck. Hausaufgaben, Büffeln, Unlust, Aufforderungen und Abfragen dominieren in dieser Zeit häufig das Familienleben derart, dass die Beziehung von Kindern und Eltern darunter leidet.

Das Resümee des BEV: Das bayerische Übertritts- und Selektionsverfahren bietet mehr Nachteile als Vorteile!

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