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Kanzler Adenauer

Das waren noch ruhige Zeiten: Der Kanzler spielte im Urlaub in Cadenabbia am Comer See am liebsten Boccia. Im Palais Schaumburg in Bonn, im Vergleich zum jetzigen Kanzleramt in Berlin eine anheimelnde Stadtvilla, hielt der Regierungschef mittags schon mal ein Schläfchen. Und in den Wahlkampf fuhr der Regierungschef noch mit dem Zug, den auch schon Hermann Göring benutzt hatte.

14 Jahre regierte der alte Konrad Adenauer von 1949 bis 1963 die junge Bundesrepublik Deutschland. Doch wer ein allzu ruhiges, gar idyllisches Bild vom ersten Regierungschef zeichnet, verfälscht die Wahrheit. Adenauer, er lebte von 1876 bis 1967, war ein knallharter Politiker. Er nutzte den Respekt vor seinem Alter geschickt aus. Der junge Franz Josef Strauß litt darunter. Sein ausgeprägter Machtwille war legendär: Die eine entscheidende Stimme bei seiner ersten Wahl zum Kanzler 1949 kam von ihm selbst. Ludwig Erhard, dem Verfechter der sozialen Marktwirtschaft und Nachfolger im Kanzleramt, stand er äußerst kritisch gegenüber. Vergeblich versuchte er, ihn zum Bundespräsidenten hochzuloben. Adenauers Bereitschaft, ehemalige Amtsträger des NS-Staates politisch zu rehabilitieren, ist auch heute noch umstritten.

Man sieht: Auch damals wurde intrigiert, aber das Ergebnis der Politik von Adenauer kann sich sehen lassen. Er führte den Westteil des besiegten Deutschland in die Gemeinschaft der europäischen Völker. Selbstbewusst trat Adenauer als frisch gewählter Kanzler auf den Teppich, auf den die Alliierten Hohen Kommissare zu ihm sprechen wollten. 1955 wurde die Bundesrepublik Deutschland mit dem Inkrafttreten der Pariser Verträge und der Aufhebung des Besatzungsstatuts formell souverän. Adenauer lenkte Deutschland in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und trieb die Versöhnung mit Frankreich voran. Der Bundeskanzler, der selbst nie Soldat gewesen war, setzte sich für die äußerst umstrittene Wiederbewaffnung ein. Nachdem das Projekt einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft scheiterte, durfte die Bundesrepublik 1955 schließlich der Nato beitreten. Die Westbindung der Bonner Republik war anfangs durchaus umstritten. Adenauers Kritiker befürchteten, dass damit die Wiedervereinigung erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht werde. Der SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher schleuderte Adenauer deshalb das Wort vom „Kanzler der Alliierten“ entgegen.

Doch die Bevölkerung akzeptierte den Kurs Adenauers. Die Angst vor der Sowjetunion und dem Kommunismus war stark. Noch dazu gedieht der Westen ja wirtschaftlich. 1957 errang Adenauer einen seiner größten Erfolge. Bei der Bundestagswahl eroberte die Union die absolute Mehrheit. Erst 1963 musste Adenauer mit 87 – wenn auch widerwillig abtreten. Gustav Norgall

Konrad Adenauer

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