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Wie das Fernsehen Deutschland veränderte

Vom „Kennzeichen D“ bis zum „Schwarzen Kanal“: TV in Ost und West

Als TV Geschichte schrieb: Günter Schabowski auf der Pressekonferenz am 9.November 1989, auf der er die Öffnung der Grenze bekanntgab. Foto: dpa

Von Wilfried Mommert, dpa

Die Mauer fiel nicht zuletzt durch eine Fernsehsendung -– die von der legendären Pressekonferenz mit Günter Schabowski und die mit den Bildern vom Berliner Grenzübergang Bornholmer Straße, die die Massen in Ost-Berlin erst richtig anlockten. Das „mediale Finale“ zeigt nur, dass die Wirkung des Massenmediums Fernsehen auch im Verhältnis beider deutscher Staaten eine enorme Rolle spielte, sei es im „Propagandakrieg“ oder durch Informationen, die sich zum Beispiel der Zuschauer in der DDR auch ohne „Genehmigung“ der SED einfach beschaffen konnte.

Glücksfall und Gefahrenherd

Die „Tagesschau“ wurde vermutlich – abgesehen von Funktionärs- und Soldatenfamilien – in den meisten DDR-Haushalten gesehen, wo man Westfernsehen empfangen konnte, die östliche „Aktuelle Kamera“ (AK) war SED-zensiert und „staatsfromm“ und entsprechend langweilig. Aber plötzlich wurde die bis dahin so dröge „Aktuelle Kamera“ in den Tagen des stürmischen deutschen Herbstes 1989 zur meistgesehenen Sendung im Osten, weil sich ihre Reporter mit Berichten über bisher tabuisierte Themen gegenseitig überboten. Da war es aber auch für das DDR-Fernsehen schon zu spät.

Unabhängig von der machtpolitischen Konstellation der Ost-West-Blöcke in den Zeiten der deutschen Teilung war die Existenz der weiterhin deutschsprachigen Massenmedien auf beiden Seiten ein Glücksfall oder permanenter Gefahrenherd, je nach damaligem Standpunkt. Auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze waren denn auch starke Sendeanlagen positioniert mit jeweils großer Reichweite in den anderen Teil des Landes hinein. Westliche Magazinsendungen wie „Kennzeichen D“, „Kontraste“ oder Gerhard Löwenthals im Westen nicht unumstrittenes „ZDF-Magazin“ brachten oft ausführliche und kritische Beiträge über Vorgänge in der DDR. Das Interesse blieb aber dennoch recht einseitig: Der Osten interessierte sich weitaus mehr für das Leben im Westen Deutschlands und damit für das Westfernsehen als umgekehrt – sofern das Westfernsehen überhaupt empfangen werden konnte und man nicht im „Tal der Ahnungslosen“ im östlichen Sachsen und äußersten Nordosten wohnte und wo ARD für: „Außer Rügen und Dresden“ stand.

Für die DDR war das Westfernsehen – in den 60er Jahren meist drei Programme – ein „Pfahl im Fleische“ und „mit ein Nagel in ihrem Sarg“, darin ist sich der einstige und schließlich aus der DDR rausgeworfene ARD-Korrespondent Lothar Loewe (80) sicher. Auf der anderen Seite bemühte sich das DDR-Fernsehen, so viel wie möglich Negatives über den „Alltag im Kapitalismus“ und die „Verelendung der westdeutschen BRD“ zu berichten, wovon sich die DDR-Bewohner liebend gern selbst ein Bild gemacht hätten, wenn sie denn gekonnt hätten. Nicht umsonst wurden die westdeutschen Werbesendungen über die neuesten Produkte der anderen Warenwelt besonders gern gesehen.

Das Ost-Sandmännchen war beliebt

Spitzenreiter solcher propagandistischen DDR-Bemühungen zur Schwarzmalerei des Westens war die Sendung „Der Schwarze Kanal“ von Karl-Eduard von Schnitzler, der von seinen Gegnern auch „Sudel-Ede“ genannt wurde und der mit gekonnt zusammengeschnittenen Ausschnitten aus dem Westfernsehen dokumentieren wollte, wie es in der Bundesrepublik „wirklich aussieht“ und mit welchen Tricks und Lügen die „Bonner Kriegstreiber“ wieder mal arbeiteten.

Aber es gab durchaus auch im DDR-Fernsehen Sendungen, die sowohl zu den Publikumslieblingen im Osten Deutschlands gehörten als auch in den angrenzenden Westregionen ganz gern gesehen wurden. Dazu gehörten „Polizeiruf 110“, „Ein Kessel Buntes“, Willi Schwabes „Rumpelkammer“ mit alten UFA-Filmen (das Filmlager war nach Kriegsende in Ost-Berlin verblieben), Ratgebersendungen wie „Prisma“ oder das Sandmännchen (mit Pittiplatsch, Herrn Fuchs und Frau Elster), das sogar alle westlichen Pendants in den Schatten stellte.

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