MyMz

Kirche

Gegenwind für Erzbischof Müller

Gerhard Ludwig Müller ist seit einem halben Jahr Präfekt der Glaubenskongregation in Rom. Nun legt er sich mit Reformgruppen und Laienvertretern an.

Erzbischof Gerhard Ludwig Müller sorgt mit seinen Äußerungen immer wieder für Aufsehen. Foto: dpa

München. Der Chef der Glaubenskongregation im Vatikan, Gerhard Ludwig Müller, stößt mit jüngsten Äußerungen zur Lage der Kirche auf Widerspruch. Der Erzbischof hatte in einem Interview mit der „Welt“ Diskreditierungskampagnen beklagt. In Internet-Blogs, aber auch im Fernsehen würden Attacken geritten, deren Rüstzeug auf den Kampf der totalitären Ideologien gegen das Christentum zurückgehe. „Hier wächst eine künstlich erzeugte Wut, die gelegentlich schon heute an eine Pogromstimmung erinnert.“

Für den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, führen diese Äußerungen in die falsche Richtung. „Wir müssen uns in der Kirche damit auseinandersetzen, warum wir mit der christlichen Botschaft immer weniger Menschen erreichen. Das kann sicher nicht nur an den Menschen liegen.“

Politiker interpretierten Müllers Wortwahl als Vergleich mit der Judenverfolgung unter den Nazis. „Vergleiche mit dem Holocaust sind geschmacklos, wenn es um unterschiedliche Auffassungen in unserer Gesellschaft zu aktuellen Fragen wie auch der Rolle der Ehe, Familie und eingetragenen Lebenspartnerschaften geht“, sagte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) der „Welt am Sonntag“. Die Katholische Kirche müsse sich drängenden Problemen stellen und könne sich nicht durch Verweis auf vermeintliche Sonderstellung ihrer Verantwortung entziehen.

Ähnlich argumentierte der Parlamentsgeschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck. Kritik an der Kirche mit dem Holocaust zu vergleichen, sei „einfach daneben“. Müller solle die Verwendung des Wortes „Pogromstimmung“ mit dem Ausdruck des Bedauerns „schleunigst zurücknehmen“,

Auch der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss distanzierte sich. Es gebe zwar Formen der Kritik an den Kirchen, über deren Stil sich streiten lasse. Zu beobachten seien auch eine Reihe von „Ungezogenheiten“ die über das Internet verbreitet würden. „Das Wort Pogromstimmung halte ich aber wirklich für abwegig.“ Weiss verwies darauf, wie sich Jesus Christus in schwierigem Umfeld behauptet habe. „Er musste sich auch herumstreiten und ist viel angepöbelt worden. Aber er hat Böses mit Gutem vergolten.“ (dpa/is)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht