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Das Leben schrieb die Hauptrolle

Was erlebt der Mensch im Flüchtlingslager? Ein Film mit einem Neu-Chamer zeigt, was das Leben für einen bereithalten kann.
Von Christoph Klöckner

Yasin Parnyan Nejad und Johanna Gruber beim Handy-Gespräch mit Abdolreza Kohanrouz, dem Regisseur des Dokumentarfilms „Mirage“, der jetzt in Cham gezeigt wird.
Yasin Parnyan Nejad und Johanna Gruber beim Handy-Gespräch mit Abdolreza Kohanrouz, dem Regisseur des Dokumentarfilms „Mirage“, der jetzt in Cham gezeigt wird. Foto: Klöckner

Cham.Es war Gott, der wollte, dass Yasin Parnyan Nejad irgendwann auf dem Weg durch die Welt Cham kennenlernt. So sieht er es selbst. Dabei war er doch von anderen Flüchtlingen gewarnt worden, der 33-jährige Mann im roten Pullover. Nicht vor Cham in der Oberpfalz, sondern vor Bayern. Dort sei es schwierig, hieß es in Flüchtlingskreisen. Lieber in den Norden Deutschlands, dort sei es besser. Da wollte er auch hin, damals von Trier aus, erzählt er im Büro von Johanna Gruber, die bei der Diakonie die Asylsozialarbeit leistet.

Er habe eine Fahrkarte nach Zirndorf bekommen – und erst später erfahren, dass das zentrale Verteilzentrum in Bayern liegt. Von dort ging es für ihn dann vor zwei Jahren und sieben Monaten nach Cham. Und jetzt holt ihn ein Teil seiner Fluchterlebnisse ein, die Erlebnisse im Flüchtlingslager an der griechisch-bulgarischen Grenze.

Drei Termine im Kino

Dort drehte der iranische Regisseur Abdolreza Kohanrouz anhand von drei Flüchtlings-Lebensläufen einen Dokumentarfilm – einer, der aus dem „Alltag“ im Lager erzählte, war Yasin Parnyan Nejad, der selbst Schauspieler und Drehbuchschreiber ist. Der Film wird jetzt an drei Terminen im Chamer Kino gezeigt.

2015 gab es in Cham, wie an vielen Orten, eine Demo für Flüchtlinge.
2015 gab es in Cham, wie an vielen Orten, eine Demo für Flüchtlinge. Foto: cci

„Meine Lieblingsstadt“, sagt er heute zu Cham in Bayern. Die Leute seien hier freundlich und an seinem Schicksal interessiert, er habe schon einige deutsche Freunde. Und seit Dezember 2016 hat er noch etwas anderes in den Händen, das ihn befreiter leben lässt: die Anerkennung als Asylbewerber. Im November davor war nach langen Monaten des Wartens endlich die Einladung zum „Interview“ zur Prüfung seiner Fluchtgründe durch die Behörde gekommen.

Yasin konnte überzeugen, dass er als Schauspieler und Kulturschaffender – er hatte bereits in zwei Filmen fürs iranische Fernsehen mitgespielt – zu einer bedrohten Gruppe von Verfolgten gehört. „Im Iran habe ich keine Chance, Schauspieler oder Regisseur zu werden“, sagt er. Überall werde man in seiner Heimat von Polizei beobachtet – selbst kleinste Vergehen hätten üble Auswirkungen.

„Im Iran habe ich keine Chance, Schauspieler oder Regisseur zu werden.“

Yasin Parnyan Nejad

Er hat selbst erlebt, wie zwei Frauen, deren Kopftuch etwas nach hinten gerutscht war, auf der Straße verhaftet und abgeführt wurden. „Da drohen Auspeitschen oder Gefängnis.“ Das sei alltäglich. Schlimmeres drohe dem, der dreimal mit Alkohol erwischt werde, homosexuell sei oder fremdgehe – hierfür gebe es die Todesstrafe. Und wer, wie er, fliehe und ins Land zurückkehre, dem drohe ebenfalls Gefängnis.

Per Flugzeug nach Deutschland

Für ihn war es der Grund, sich ein freieres Land zu suchen. Um sich den Traum, Filme zu drehen und zu schauspielern, verwirklichen zu können. Dass er nach der Flucht nach Griechenland eine von drei „Hauptrollen“ in dem Dokumentarfilm des iranischen Regisseurs Abdolreza Kohanrouz übernahm, ergab der Zufall. Alle drei Zeugen rund um die Vorgänge im Lager, um die Not und die polizeiliche Willkür sind Iraner gewesen. Was aus den anderen wurde, weiß Yasin nicht. In Griechenland war er ab Dezember 2012 18 Monate untergebracht, bevor es ihm gelang, per Flugzeug nach Deutschland zu kommen.

Premiere für den Film in Cham

  • Termine

    Der Dokumentarfilm Mirage über die Geschichte von drei iranischen Flüchtlingen in Griechenland stammt von 2016 und hat in Cham Premiere. Gezeigt wird er im Chamer Kino (Eintritt 6,50 Euro) am Dienstag, 24. Januar, am 31. Januar und am 2. Februar, jeweils ab 18.30 Uhr.

  • Regisseur

    Zur Premiere am 24. Januar kommt auch der Regisseur, Abdolreza Kohanrouz, aus Prag angereist. Es ist sein dritter Film, den er gedreht hat. Er ist 49 Jahre alt und arbeitet bei Radio Free Europe.

  • Präsentation

    Präsentiert wird der Dokumentarfilm von dem Iraner Parnyan Nejad Yasin, einer der Mitwirkenden, und Johanna Gruber von der Asylsozialberatung des Diakonisches Werks.

  • Schauspieler

    Yasin – heute 33 Jahre alt – war 18 Monate in dem Lager an der bulgarischen Grenze untergebracht. Er hat im Iran als Schauspieler gearbeitet und war künstlerisch tätig. Da solche Berufe dort verfolgt werden und reglementiert sind, entschloss er sich zur Flucht.

  • Anerkennung

    Seit zwei Jahren und sieben Monaten lebt er in Deutschland, hat seit Dezember 2016 seine Anerkennung als politischer Flüchtling. Deshalb sucht er jetzt eine Wohnung, um aus der Asylunterkunft auszuziehen. Danach will er eine Arbeit suchen.

  • Hilfe

    Wer etwas für ihn hat – Wohnung oder Job – kann sich bei Johanna Gruber von der Asylsozialarbeit der Diakonie in Cham melden. Erreichbar ist sie unter (09971) 994742. (ck)

Mirage heißt der Film, erklärt Kohanrouz, der in Prag wohnt und beim Gespräch per Skype zugeschaltet ist. Das bedeute FataMorgana – wohl auch, weil die Vorgänge wie die Lager selbst irgendwie nicht wirklich sind. Er habe dort ohne Erlaubnis gedreht – da der Beamte für eine Genehmigung über ein Jahr lang keine Zeit gehabt habe. Er habe anhand der drei Schicksale zeigen wollen, wie schwierig die Situation auf der Flucht ist. Wer Fragen dazu hat – der Regisseur ist bei der Chamer Premiere dabei.

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