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„Der Staat könnte das niemals leisten“

Landrat Löffler und Bürgermeister Hofmann danken in der Bad Kötztinger Flüchtlingsunterkunft den ehrenamtlichen Helfern.
Von Fred Wutz

Bürgermeister Markus Hofmann (l.) und Landrat Franz Löffler (r.) trafen sich mit Brigitte Ertl (stehend) und ihrer Helfer-Truppe.
Bürgermeister Markus Hofmann (l.) und Landrat Franz Löffler (r.) trafen sich mit Brigitte Ertl (stehend) und ihrer Helfer-Truppe. Foto: Fred Wutz

Bad Kötzting.169 Personen leben momentan in der Asylunterkunft Bad Kötzting. 43 Köpfe zählt die „Mannschaft“, die zu ihrer Betreuung eingesetzt ist – an der Spitze Brigitte Ertl und Michael Rabl, wobei er hauptamtlicher Leiter der Einrichtung ist (mit zwei Hausmeistern an der Seite) und sie sieben Sprachlehrer sowie 32 Helfer koordiniert, die mit ihr zusammen ehrenamtlich tätig sind. Diese „Ehrenamtlichen“ waren zu einem Abendessen eingeladen, bei dem Landrat Franz Löffler und Bürgermeister Markus Hofmann einen großen Dank abstatteten.

„Die Segel richtig setzten“

„Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen!“ – Dieses Motto hatte Brigitte über eine Präsentation gesetzt, mit der sie Löffler und Hofmann vor Augen führte, was denn die Asylunterkunft im früheren Krankenhaus ausmacht und was dort an Tätigkeiten zu leisten ist. Zwölf Nationen sind unter einem Dach versammelt, maximal 220 Personen können untergebracht werden, „momentan sind wir mir 169 nicht ganz voll“, so die Ehrenamtskoordinatorin. 95 Bewohner der Unterkunft sind schon offiziell als Asylsuchende anerkannt. 21 Personen daraus sind auf Wohnungssuche – zehn Einzelpersonen und zwei Familien.

„Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen!“

Das Motto einer Präsentation

Besonders verwies Ertl auf den Umstand, dass 22 Kinder unter den Asylsuchenden sind: Zehn gehen in die Grundschule, sieben in die Mittelschule, drei in die „Arche Noah“ und zwei ins Kinderhaus. Vor allem auf die Jugendlichen und Kinder hat die Koordinatorin ein Augenmerk, wie sie sagte, „doch machen wir insgesamt viel für unsere Leute“: Da gebe es einen Baby-Basar, Kinderbetreuung und Hausaufgabenhilfe, Unterstützung bei Behördengängen und sonstigen Verrichtungen. „Wir haben sogar einen Helfer, der sich nur um einen Rollstuhlfahrer kümmert – obwohl er eigentlich selbst auf Hilfe angewiesen ist!“

Asylunterkunft Bad Kötzting

  • Standort

    früheres Krankenhaus

  • Kapazität

    220 Plätze

  • Personal

    Michael Rabl (Leitung), Brigitte Ertl (Organisation Ehrenamt), dazu zwei Hausmeister sowie sieben Sprachlehrer und noch weitere 32 ehrenamtliche Helfer

  • Start

    Erstbelegung per 1. Juli 2015 mit 95 Personen aus sechs Nationen

  • Belegung

    aktuell 169 Personen aus insgesamt zwölf Nationen; es handelt sich um Frauen und Männer, teils mit Kindern; darunter sind auch Behinderte

  • Status

    In der Asylunterkunft leben 95 anerkannte Flüchtlinge, für sie werden zwölf Wohnungen gesucht. (wu)

Laut Ertl gibt es „noch eine Menge mehr“, etwa Veranstaltungen zum Kuchen- und Plätzchenbacken, demnächst einen internen Christkindlmarkt und am ersten Weihnachtsfeiertag auch heuer ein groß vorbereitetes, festliches Essen in der Gemeinschaft. Ein Haushaltsbasar fand in der Unterkunft ebenso statt wie eine äthiopische Hochzeit, und regelmäßig ist das „Frauen-Café“ geöffnet. „Miteinander kochen“ und „Deutsch lernen für jeden“ sind laut Brigitte Ertl wichtige Gemeinschaftstermine, gilt doch die Devise: „Wir behandeln alle individuell, aber alle gleich gut!“

Das Menschliche im Vordergrund

Mit einem Blick „auf eine Herausforderung, wie wir sie seit dem 2. Weltkrieg nicht gekannt haben“ eröffnete Landrat Franz Löffler seine Rede. Es habe sich „die Frage gestellt, wie wir das angehen und schaffen“ – und er sei noch immer beeindruckt, dass sehr viele Helfer sofort angepackt hätten, die allermeisten freiwillig und ehrenamtlich. Aktuell gehe es um Fragen wie Herkunft, rechtlicher Status und Bleibeperspektiven der Asylsuchenden, um Integration und Perspektiven.

Landrat Franz Löffler zog förmlich den Hut vor der Leistung, die Brigitte Ertl und ihre ehrenamtlichen Helfer bei der Betreuung der Asylsuchenden bringen.
Landrat Franz Löffler zog förmlich den Hut vor der Leistung, die Brigitte Ertl und ihre ehrenamtlichen Helfer bei der Betreuung der Asylsuchenden bringen. Foto: Fred Wutz

Der Landrat lobte, dass in der Unterkunft „die rechtlichen Fragen nicht im Vordergrund stehen, sondern das Menschliche“. Brigitte Ertl und alle Helfer brächten eine Leistung, die sehr wertvoll sei: „Der Staat könnte das so niemals leisten!“ Das überall sichtbare Lächeln der Beteiligten sei, dass bei allem die Menschlichkeit im Vordergrund stehe, die durch nichts zu ersetzen sei.

Löffler dankte den Helfern und auch der Stadt Bad Kötzting für Arbeit und Kooperation. Für die Zukunft sei noch viel Geduld erforderlich, es stelle sich die Aufgabe, dass die Gesellschaft die Rückführung der Asylsuchenden verlange. Und nicht beantwortet sei die Frage, ob der Flüchtlingsstrom gestoppt oder geringer sei. Die in der Unterkunft tätigen Personen seinen jedenfalls „Vorbilder in unserer Gesellschaft“.

„Ich bin stolz auf die Kötztinger“

Bürgermeister Markus Hofmann überreichte ebenfalls einen Scheck und lud namens der Stadt die Helfer zu einem Essen ein.
Bürgermeister Markus Hofmann überreichte ebenfalls einen Scheck und lud namens der Stadt die Helfer zu einem Essen ein. Foto: Fred Wutz

Bürgermeister Markus Hofmann schloss sich Löfflers Dankesworten vollinhaltlich an. Er sagte, es sei nicht einfach gewesen, in einer Stadt mit 7000 Einwohnern 200 Flüchtlinge unterzubringen. Es habe jedoch zu keiner Zeit Negativ-Stimmung gegeben, insofern sei der Bevölkerung der Pfingstrittstadt ein großes Lob auszusprechen und Dank abzustatten.

Das vorherige Krankenhaus habe sich in der Unterkunftsfrage als „optimale Einrichtung“ erwiesen. Die dann formierte Hilfe sei enorm, so Hofmann: „Ich bin stolz auf die Kötztinger, weil nämlich so viele und sofort geholfen haben.“ An die ehrenamtlichen Helfer gewandt betonte der Rathaus-Chef: „Das alles zu leisten, das wurde nur deshalb geschafft, weil es euch gibt und weil ihr mitmacht.“ Brigitte Ertl meinte schließlich, das Lächeln bei Helfern und Flüchtlingen belege den Spaß und den Erfolg. Einige Asylsuchende hätten Wohnungen und Arbeit gefunden, einer habe ein Lokal eröffnet. Sie sei zuversichtlich: „Wir in Bad Kötzting schaffen das gemeinsam!“

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