MyMz

Ein Start, der Hoffnung macht

Beim „Azubi-Brunch“ in Waldmünchen sprechen sechs junge Flüchtlinge über ihren Alltag. Der ist voller Hürden – und Mutmacher.
Von Petra Schoplocher

Farhan lernt Bäcker und hat in Christian Philipps nicht nur einen Lehrmeister, sondern auch ein Vorbild gefunden. Der wiederum ist äußerst angetan von seinem Azubi.
Farhan lernt Bäcker und hat in Christian Philipps nicht nur einen Lehrmeister, sondern auch ein Vorbild gefunden. Der wiederum ist äußerst angetan von seinem Azubi. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Sie sind ganz besondere Lehrlinge und folglich war auch der erste „Azubi-Brunch“ in der Jugendbildungsstätte eine ganz besondere Veranstaltung. Das zeigte sich an der bunt zusammengewürfelten Gästeschar, und auch daran, dass sich Landrat Franz Löffler, Bürgermeister Markus Ackermann und der Chef des Landkreis-Jugendamtes, Markus Biebl, Zeit nahmen. Zeit, um Informationen und Erfahrungen auszutauschen, um zuzuhören und nicht zuletzt auch, um zu loben.

Siegfried Wagner, Fatai und Stephanie Zimmer freuen sich über den gelungenen Start des jungen Flüchtlings ins Berufsleben. Fatai lernt Maurer bei Bau Wagner.
Siegfried Wagner, Fatai und Stephanie Zimmer freuen sich über den gelungenen Start des jungen Flüchtlings ins Berufsleben. Fatai lernt Maurer bei Bau Wagner. Foto: Schoplocher

Davon gab es vor allem für die sechs jungen Flüchtlinge – Emal, der im Ulrichshof lernt, und Tsigab (besucht die Krankenpflegeschule in Oberviechtach) sind nicht da – die ihre ersten Schritte in Richtung Beruf machen. Egal, ob es Fatai ist, der Maurer werden will, oder Farhan, dessen großes Ziel es ist, Bäckermeister zu werden wie sein Chef: Alle bekamen an diesem Vormittag von ihren Ausbildern und Betreuern attestiert, fleißig, pünktlich, freundlich, zuverlässig, motiviert und begabt zu sein. Und das, obwohl oder gerade weil Alois Nock gebeten hatte, „in der kleinen Runde ehrlich zu sprechen.“

Bayerisch als zweite Fremdsprache

So stellte sich schnell heraus, dass das Hauptproblem der jungen Männer, die als „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ nach Deutschland gekommen waren, nicht die Arbeit in den Betrieben ist, sondern die Anforderungen der Berufsschule. Teils inhaltlich – Said-Hassan etwa muss sich mit Betriebswirtschaftslehre auseinandersetzen und Mathe fällt allen schwer – teils wegen der Sprache.

Inklusive Bratwurst aus Putenfleisch hat Bernhard Hübl an alles gedacht, um die Gäste zu verwöhnen. Javed (r.) mag genau hingeschaut haben: Er hat sich im BRK-Heim auf den Weg gemacht, Koch zu werden.
Inklusive Bratwurst aus Putenfleisch hat Bernhard Hübl an alles gedacht, um die Gäste zu verwöhnen. Javed (r.) mag genau hingeschaut haben: Er hat sich im BRK-Heim auf den Weg gemacht, Koch zu werden. Foto: ps

„Da wird Bayerisch gesprochen“, berichtete Farhan vom Unterricht in Regensburg – was es für den Bäckerlehrling noch schwerer macht. Siegfried Wagner, in dessen Baufirma Fatai lernt, brachte es auf den Punkt: „Ganz klar sind Sprache und schulischer Bereich die Hürden“. Fatai meinte nüchtern zum Schulalltag: „Ich weiß manchmal nicht, was sie von mir wollen.“ Im Betrieb sei hingegen „alles super“, die Kollegen nett und hilfsbereit.

Georg Ederer gab zu, sich vor der Entscheidung, Said-Hassan einzustellen, bei anderen Firmenchefs (vorwiegend im Straubinger Raum) umgehört zu haben. Daraufhin sei er hin- und hergerissen gewesen zwischen dem guten Eindruck, den der junge Afghane während eines Praktikums in seiner Naturstein-Firma hinterlassen hatte und den Erfahrungen mancher Kollegen.

Firmenchef Georg Ederer (links) nutzt wie die anderen Gäste die Gelegenheit zum Austausch mit Betreuern oder Vormündern. Said-Hassan einzustellen, sei „die absolut richtige Entscheidung“ gewesen.
Firmenchef Georg Ederer (links) nutzt wie die anderen Gäste die Gelegenheit zum Austausch mit Betreuern oder Vormündern. Said-Hassan einzustellen, sei „die absolut richtige Entscheidung“ gewesen. Foto: ps

Mittlerweile weiß er, dass die Entscheidung, dem Flüchtling über eine Einstiegsqualifizierung den Weg zum Beruf zu ebnen, „absolut richtig war“. Sein Angestellter sei noch keine Minute zu spät gekommen und lerne gut. Dabei sei „vieles bestimmt sehr schwer und eine fremde Welt“, sagte er.

Auch Christian Philipps kann über seinen Azubi nur Gutes berichten. „Manchmal muss ich ihn heimschicken, er ist kaum zu bremsen“, umschrieb der Bäckermeister die Motivation seines Schützlings. Trotz des Arbeitsbeginns um 3 Uhr gebe es kein Zuspätkommen, lobte er. Ganz bewusst teile er diese Erfahrungen in sozialen Netzwerken: „Ich möchte mitteilen, dass es gut läuft“.

Alois Nock, Leiter der Jugendbildungsstätte, die die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge betreut (hat), regte sich über manch „bürokratisches Brimborium“ auf.
Alois Nock, Leiter der Jugendbildungsstätte, die die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge betreut (hat), regte sich über manch „bürokratisches Brimborium“ auf. Foto: ps

Das war auch die Idee hinter dem Brunch. „Wir wollen zeigen, dass es tolle und gutwillige Leute gibt, die Integration anbieten, und Flüchtlinge, die hoch gewillt sind, die sich ihnen bietenden Chancen zu ergreifen“, sagte Alois Nock, der den Betrieben für ihre Offenheit dankte – zumal diese wüssten, dass die Aufgaben nicht einfach seien. Er sprach von Mutmachern und dass es gemeinsam gelingen werde, „diese Hoffnungsgeschichten zu schreiben“.

„Menschlich läuft es“

Die Herausforderung Integration stehe der der Erstaufnahme in nichts nach, definierte Landrat Franz Löffler deren Stellenwert. Der Weg des Landkreises, auf kleine Einheiten zu setzen, mache sich nun positiv bemerkbar, zumal „das auf der menschlichen Ebene gut läuft“. Er sicherte zu, viele Probleme abfedern zu helfen, bat aber um Verständnis, dass Haftungsfragen oder rechtliche Vorgaben manchmal den Spielraum massiv einschränken würden.

Bürgermeister Markus Ackermann lobte ausdrücklich auch die Firmenchefs, die nicht nach der Politik rufen, sondern das Kümmern um die jungen Leute zu ihrer Aufgabe machen würden. Dass die Zahnräder Landkreis, Kommune, Betriebe, Jugendbildungsstätte, Vereine und ehrenamtliche Helfer reibungslos ineinandergreifen, sei ein Glücksfall – der auch bei der Veranstaltung wieder deutlich wurde. „Sie zeigt, dass Integration funktionieren kann und wird“, meinte er.

„Ganz klar sind Sprache und schulischer Bereich die Hürden.“

Siegfried Wagner

Weitere Meldungen aus Waldmünchen finden Sie hier.

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht