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Mahmouds Neustart in einen Traumberuf

„Brückenjahr 21 plus“ gibt jungen Flüchtlingen eine Perspektive — auch Mahmoud Alali, der aus Aleppo nach Waldmünchen kam.
Von Ingrid Milutinovic

Mahmoud Alali ist wissbegierig – hier schaut er gerade „Chefin“ Sabine Schneider beim Färben über die Schulter.
Mahmoud Alali ist wissbegierig – hier schaut er gerade „Chefin“ Sabine Schneider beim Färben über die Schulter. Foto: Milutinovic

Waldmünchen.Der 18-jährige Mahmoud Alali aus Aleppo ist seit Januar 2015 in Deutschland. Zusammen mit seiner Familie – Vater, Mutter und zwei Schwestern – wohnt er in Tiefenbach. Er ist auf dem besten Weg, sich seinen Traum zu erfüllen. Seit dem 13. Juni 2016 nimmt er an der Integrationsmaßnahme „Brückenjahr 21 plus“ teil.

Mahmoud ist bereits als Flüchtling anerkannt und hat ein Bleiberecht für drei Jahre erhalten – dies ist eine Voraussetzung, um in Deutschland eine Ausbildung beginnen zu können. Im Anerkennungsgespräch werden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) unter Mitwirkung eines Dolmetschers Kriterien wie Herkunftsland und persönliche Gefährdung überprüft.

Sein Deutsch ist schon perfekt

Im Rahmen der Maßnahme wird er von Alfons Saradeth von der Volkshochschule betreut. Dieser ist rundum begeistert von seinem Schützling. Sein Deutsch sei schon perfekt – er unterstütze sogar bereits andere Flüchtlinge beim Lernen – und seine Anpassung und sein Verhalten im deutschen Arbeitsleben absolut korrekt. Von Anfang an sei er einer der besten gewesen.

Natürlich gäbe es auch bei seinen Klienten immer mal „Ausrutscher“, Flüchtlinge, die nicht ganz einfach zu integrieren seien. Aber im Großen und Ganzen könne er allen nur ein gutes Zeugnis ausstellen, betont der Betreuer. Syrer haben im Moment in Deutschland die höchste Bleibechance. Deshalb stehen Mahmouds Chancen gut, hier beruflich Fuß fassen zu können.

Integration leicht gemacht

  • Perspektive

    Die Integrationsmaßnahme „Brückenjahr 21 plus“ wird im Auftrag der Agentur für Arbeit durchgeführt. Jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund soll hier eine Perspektive für die Zukunft gegeben werden.

  • Themen

    Berufliche Orientierung, Einblick in Berufsfelder, Bewerbungsunterstützung und Integration in berufliche Beschäftigung sind Hauptthemen des Bildungsprogramms, sprachliche Defizite werden ausgeglichen. Außerdem werden alle Teilnehmer psychologisch unterstützt und von Sozialpädagogen begleitet.

  • Betreuung

    Die Betreuung der Teilnehmer erfolgt durch den Kolpingverein und die Volkshochschule. Jeweils ein Vertreter jeder Organisation kümmert sich um die jungen Leute. Teil des Programms ist jeweils ein fünfwöchiges Praktikum, in dem die Eignung für den jeweiligen Beruf getestet werden kann.

  • Beispiel

    Mahmoud Alali aus Aleppo nimmt seit dem 13. Juni 2016 an der Integrationsmaßnahme teil. Sein Praktikum absolviert er im Friseursalon „D’HaarSchneider“ von Sabine Schneider, Obermeisterin des Friseurhandwerks im Landkreis Cham.

Wie groß die Probleme für die jungen Leute sind, weiß wohl kaum einer. Man muss sich nur vorstellen, von heute auf morgen – nur mit eine Tasche mit dem Allernötigsten – auf einmal mitten in Tokio zu stehen. Schon allein die Schrift ist eine Herausforderung und muss neu gelernt werden. Erst dann ist es möglich, das Alphabet und ganz zum Schluss die fremde Sprache zu erlernen.

Friseur als Traumberuf

Für sein Praktikum hat Mahmoud sich den Friseurberuf ausgesucht. Der Friseur hat in Syrien einen anderen Stellenwert als in Deutschland, erläutert Saradeth. Während es in Deutschland als Dienstleistung gilt, ist es in Syrien ein Service und hat demzufolge eine wesentlich höhere soziale Bedeutung. Mahmouds Wunsch, Einblicke in den Friseurberuf zu erhalten, war nicht ganz einfach zu erfüllen. Da hatten es seine Kollegen, die Praktika zum Beispiel in Baubereichen machen wollten, einfacher.

Sabine Schneider und Betreuer Alfons Saradeth sind voller Lob für Mahmoud Alali.
Sabine Schneider und Betreuer Alfons Saradeth sind voller Lob für Mahmoud Alali. Foto: Milutinovic

In Deutschland sind immer noch nur ungefähr zehn Prozent der Auszubildenden im Friseurberuf Männer, diese Zahl sei seit 20 Jahren konstant, weiß Obermeisterin Sabine Schneider. War der Friseurbesuch lange Zeit eine Frauendomäne, ziehen jetzt auch die Männer nach. „Barbershops“, die sich ausschließlich um das Styling von Männerhaaren und -bärten kümmern, sind im Kommen.

Neue Chance für die Zukunft

Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – war Sabine Schneider sofort bereit, Mahmoud Alali in ihrem Salon eine Chance zu geben. Seitdem ist sie begeistert: er sei wissbegierig, hat schon fast alles gemacht – außer Schneiden, sei absolut zuverlässig, höflich, und… und…und... Mahmouds „große Liebe“ ist Isolde, lacht Schneider. Isolde – das ist der Kopf, der immer wieder zum Üben herhalten muss. Hier wickelt er mit Begeisterung und unendlicher Geduld die Lockenwickler für die Dauerwelle. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es geht ihm inzwischen auch immer schneller von der Hand.

Vielleicht wird es dann also doch der Traumberuf? Hier lächelt Mahmoud noch etwas schüchtern. Denn Angst hat er schon vor der Herausforderung. Aber das Ziel hat er vor Augen: ein Salon für Damen und Herren. Und auch sonst weiß Sabine Schneider nur Positives: Absolut organisiert sei er. Der Weg von Tiefenbach nach Waldmünchen klappt problemlos, mit den Fahrplänen kennt er sich bestens aus und auch Besuche bei Freunden in anderen Orten sind kein Problem.

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