MyMz

Eine ernste Collage – aber nicht nur

Das „Flüchtlings(projekt)gespräch“ wird in Kelheim aufgeführt – Einheimische sowie Asylbewerber und Flüchtlinge wirken mit.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Eine Probenszene aus dem „Flüchtlings(projekt)gespräch“, das überwiegend ernst ist.
Eine Probenszene aus dem „Flüchtlings(projekt)gespräch“, das überwiegend ernst ist. Foto: Stark

Kelheim.Als „Flüchtlings(projekt)gespräch“ bezeichnet die Kelheimerin Christine Stark (38) ihr Stück, bei dem Menschen aus der Region mitwirken. Neun deutsche Bürger aus Kelheim, Saal und Regensburg sowie sechs Asylbewerber/Flüchtlinge, die in Kelheim und Saal wohnen. Das Theater ist seit langem das Hobby der Keramikerin und Geschäftsfrau, die seit zwei Jahren auch beim Bündnis für Menschenwürde in der Kreisstadt engagiert ist. Anlässlich der Kelheimer Kulturtage „Stadt im Fluss“ ist die Öffentlichkeit zur Vorstellungen von „Flüchtlings(projekt)gespräch“ am 14. Oktober, 18 Uhr, am 15. Oktober, 17.30 Uhr, und am 16. Oktober, 11.15 Uhr, im evangelischen Gemeindezentrum in der Altstadt willkommen.

Von Brecht bis Valentin

Christine Stark ist der Ansicht, dass ihr Werk „mehr eine Collage ist in Anlehnung an ein Buch von Berthold Brecht – es handelt von zwei Deutschen, die in den 40er Jahren in den Norden geflohen sind und sich über ihre Situation unterhalten“, so die junge Frau. Ihrer Ansicht nach „ist das manchmal sehr ähnlich mit der Situation der Flüchtlinge hier“. Sie fügt hinzu: „Der Ausweis ist sehr wichtig.“ Eines der ersten Worte, wenn man „nach Deutschland kommt, ist Ausweis, den man immer dabei haben muss“. Wie die Kelheimerin erwähnt, werde beispielsweise auch in der Asylhilfe um den Ausweis gebeten, um Formulare ausfüllen zu können.

Als die Bündnissprecherin Christiane Lettow-Berger einmal die Frage gestellt habe wegen einer Beteiligung bei den Kulturtagen, antwortete die 38-Jährige: „I hab’ da schon was.“ Eine Grundszene habe sie bereits gehabt, so Christine Stark. Dabei blieb es aber nicht. „Es ist aufwendiger geworden.“ Um die Osterzeit sei die Collage entstanden. Nicht nur Brecht, sondern auch Karl Valentin („Die Fremden“), Nicole, Haindling, Alltagsbeobachtungen und „diverse ekelhafte Zitate aus dem Internet“ habe sie zusammengefügt. Die Aufführung dauert etwa eine halbe Stunde. Christine Stark führt auch Regie. In mehreren Sprachen – Deutsch (auch der niederbayerische Dialekt fehlt nicht), Farsi, Mandinka und Arabisch wird bei der Aufführung gesprochen. Zuschauern, die Sprachen von Flüchtlingen aus Afghanistan, dem Senegal und Syrien nicht könnten, erschließe sich nach Ansicht von Christine Stark aus der Mimik und Gestik der Inhalt des Stückes. Außerdem werden die meisten Passagen übersetzt, aber „bei einigen muss das Publikum die Bedeutung aus der Gestik und Mimik“ herausfinden. „Ähnlich, wie es viele Geflüchtete in Deutschland auch machen müssen“, sagt sie. „Jeder darf und soll in seiner Muttersprache sprechen. Ich wollte kein Deutsch-Lernprogramm draus machen, niemanden erziehen“, betont die Kelheimerin.

Regisseurin Christine Stark (Mitte) mit Mitwirkenden beim Stück Flüchtlings(projekt)gespräche, rechts Margaret Brunner und Mustafa Husseini, links Omar Barsbay und Bernadette Brunner
Regisseurin Christine Stark (Mitte) mit Mitwirkenden beim Stück Flüchtlings(projekt)gespräche, rechts Margaret Brunner und Mustafa Husseini, links Omar Barsbay und Bernadette Brunner Foto: Bachmeier-Fausten

Christine Stark hat deshalb auch jemanden gesucht, der den Text ins Arabische übersetzte. Omar Barsbay aus Syrien, der seit über einem Jahr hier lebt und anerkannt ist, übernahm diese Aufgabe. Der 26-Jährige, der in Kelheim wohnt und in Syrien Betriebswirtschaft studierte, sagt: „Ich bin ein Theaterfan.“ Er gehört auch dem Darsteller-Team an. Dem jungen Mann, der gut Deutsch spricht, bereitet das Spaß und er freut sich bereits wieder auf die Probe am kommenden Montag.

Der 19-jährige Mustafa Husseini aus Afghanistan, der seit sieben Monaten in Deutschland ist und die Berufsschule besucht, wirkt ebenfalls mit. Ein anderer Mitspieler habe ihn gefragt, ob er teilnehmen möchte. Der 19-Jährige hat sich seinen Part im „Flüchtlings(projekt)gespräch“selbst in seine Muttersprache Farsi übersetzt.

„Ich bin jetzt schon begeistert“

Bei den Kelheimer Kulturtagen ist also eine Aufführung mit internationaler Besetzung geboten. Christine Stark, die sich darüber freut, sagt im Gespräch mit unserem Medienhaus: „Ich bin jetzt schon begeistert.“

Und was will die Kelheimerin, die seit zwölf Jahren dem Theaterspielkreis Saal angehört, mit ihrem „Flüchtlings(projekt)gespräch“ erreichen? „Ich will niemanden belehren. Das Stück schildert die Situation, wenn jemand Fremder in ein anderes Land kommt, was dann so passiert. Erzählt wird eine Geschichte im Zeitraffer. Von der Flucht in einem wackeligen Boot, über klatschende, jubelnde Menschen am Bahnhof, über absurde Szenen aus Bürokratie und Alltag bis hin zu Rassismus, Hass im Internet und Terrorangst.“ Es gebe keine festen Rollen, jeder spiele in unterschiedlichen Situationen mit. Der Autorin zufolge ist das Stück überwiegend ernst, es gebe aber auch „ein paar lustige Momente“.

Das Programm der Kulturtage

  • 12. Oktober

    19.00 Uhr Begegnungszentrum, Emil-Ott-Straße 6, die Akademie für darstellende Kunst Bayern präsentiert Monologe und Dialoge mit und ohne Gesang aus der Modernen und aus der klassischen Literatur; Eintritt acht Euro, Kartenvorverkauf Tourist-Info Kelheim, Tel. (0 94 41) 70 12 34

  • 13. Oktober

    9 Uhr und 10.30 Uhr Stadtbücherei Meike Haas liest für Grundschulkinder „Schurkenstraße 7“.

  • 20 Uhr MS „Kelheim“ Schiffsanlegestelle Donau die „Bavarian Giants3“ mit „Für‘n Sepp war‘s nix“; Einlass ab 19 Uhr; Eintritt zwölf Euro, Kartenvorverkauf Tourist-Info Kelheim

  • 14. Oktober

    18 Uhr evangelisches Gemeindezentrum, Ludwigstraße 2, „Flüchtlings(projekt)gespräche“; Eintritt frei, Spenden erwünscht. 19.30 Uhr Archäologisches Museum Vortrag „Magdalénien-Funde aus der Tunnelhöhle bei Sinzing. Neues zu den Jägern der letzten Eiszeit im bayerischen Donauraum“. Dr. Leif Steguweit, stellt spektakuläre Ergebnisse seiner Ausgrabungen vor; Eintritt vier Euro.

  • 15. Oktober

    10.30 Uhr Rathaus, Ludwigsplatz 16, Präsentation „Vorsicht Kunst!“ – Schüler des Donau-Gymnasiums Kelheim gestalten unter der Leitung von Marion Fochler Stadtbaumgitter in der Altstadt. 15 Uhr Deutscher Hof, Alleestraße 21, Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater für Kinder (ab drei); Eintritt fünf Euro‚ ermäßigt (zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder) 15 Euro; Kartenvorverkauf: Tourist-Info Kelheim. 17.30 Uhr evangelisches Gemeindezentrum „Flüchtlings(projekt)gespräche“. 20 Uhr Dormero Hotel Kelheim Sebastian Reich und Amanda

  • „Amanda packt aus“, Eintritt 25, Euro Kartenvorverkauf: Dormero Hotel

  • 16. Oktober

    11.15 Uhr evangelisches Gemeindezentrum„Flüchtlings(projekt)gespräche, 14.30 bis 16.30 Uhr Orgelmuseum in der Franziskanerkirche

  • Kinder- und Familienprogramm „In meinem kleinen Apfel ... – ein Emtedank-Nachmittag rund ums Obst“, veranstaltet vom Förderverein Orgelmuseum in

  • Kooperation mit Landschaftspflegeverband VöF und Kreisverband für Gartenbau und Landschaftspflege Kelheim, Eintritt Erwachsene vier Euro‚ Kinder 2,50 Euro, Anmeldung bis 13. Oktober unter Tel. (0 94 41) 2 07 73 24. 19 Uhr (Einlass ab 18 Uhr) Festsaal Weisses Bräuhaus „10 Jahre „d‘Spreißler“ in Kelheim, Bäff Piendl begleitet die die Kapelle auf ihrer Reise, Eintritt fünf Euro

Seit acht Wochen probt das Laienteam. Regisseurin Christine Stark auf die Frage nach dem Schwierigsten: „Meine Geschwindigkeit.“ Es sprudle so aus ihr heraus. „Dann sehen mich 15 Augenpaare an. Dann weiß ich, ich muss es nochmals ganz langsam erklären“, sagt sie. Seit acht Wochen wird geprobt.

Die drei Aufführungen in der kommenden Woche können von Interessierten bei freiem Eintritt besucht werden. „Für Spenden sind wir dankbar.“ Diese bekäme das Bündnis für Menschenwürde, so Christina Stark.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht