MyMz

Fast eine „Eins mit Stern“ fürs Asylbüro

Die Bayerische Grünen-Landesvorsitzende Sigi Hagl informierte sich in Abensberg über die Arbeit für die Geflüchteten
Von Walter Dennstedt

So viel „Papierkrieg“ wie Sigi Hagl (vorne links) und Ines Geltl hier zeigen, ist für den Antrag von Sozialleistungen notwendig. Eine Vereinfachung fordern zudem Richard Zieglmeier und seine Gattin Magdalena.
So viel „Papierkrieg“ wie Sigi Hagl (vorne links) und Ines Geltl hier zeigen, ist für den Antrag von Sozialleistungen notwendig. Eine Vereinfachung fordern zudem Richard Zieglmeier und seine Gattin Magdalena. Foto Dennstedt.

Abensberg.Fast eine „eins mit Stern“ – so benotet Sigi Hagl die Landesvorsitzende der Grünen, die Arbeit von Ines Geltl und ihren Mitarbeitern in Sachen Asylbetreuung. Sie machte sich am Mittwochnachmittag auf Einladung von Stadt- und Kreisrat Richard Zieglmeier ein Bild von der Arbeit vor Ort.

Freilich konstatiert Hagl als Oppositionspolitikerin eine Menge an Versäumnissen des Freistaats. Das reiche von zu wenig Mitteln für eine Folgeunterbringung anerkannter Geflüchteter über einen Wust von Papier bei Antragstellung für Sozialleistungen und fehlender Datenvernetzung bis hin zu den aus ihrer Sicht völlig unzureichenden Ansätzen beim Integrationsgesetz der Bayerischen Staatsregierung. Wobei sie genüsslich den Abensberg CSU-Landtagsabgeordneten, Integrationsbeauftragten Martin Neumeyer zitiert, der gesagt habe, dass hier Geflüchtete ausgegrenzt werden. Überhaupt seien die Grünen mit Neumeyer teils enger als der mit seiner eigenen Fraktion in dieser Frage ist; indes, die Staatsregierung dürfe man nicht aus der Pflicht entlassen. Zudem sei auf Bundesebene notwendig, ein Zuwanderungsgesetz zu verwirklichen, das sogar vor einem halben Jahr CSU-Generalsekretär Peter Tauber ins Gespräch gebracht hatte, nachdem Grüne und SPD seit Jahren hier erfolglos immer wieder Vorstöße gemacht haben.

Hagl informiert sich in einer Tour durch Bayern über die Vorgehensweise von Kommunen und Landkreisen bei der Integration von Geflüchteten. Dabei konstatiert sie anerkennend, dass Abensberg als Stadt die „freiwillige Leistung“ schultere. Es sei unstrittig, dass dies eigentlich staatliche Aufgabe wäre. Hier macht sie ihre allgemeine Kritik fest, dass die Staatsregierung unter Ministerpräsident Horst Seehofer die Kommunen und Landkreis in der Problemlösung allzu sehr im Regen stehen lasse.

Beim Gespräch mit Asylkoordinatorin Geltl, bei dem auch Zieglmeier und seine Gattin Magdalena Groll-Zieglmeier dabei waren, ging es zudem in Details: Geltl berichtet beispielsweise, die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit vor Ort laufe sehr gut und effektiv. Seit ein paar Tagen ist hier eine Praktika-/Stellenbörse eingerichtet, in der zum einen Betreuer von Geflüchteten oder eben das Asylbüro Schützlinge je nach Ausbildung „anbieten“ können, zum anderen auch Betriebe ihre Arbeitsstellen, die sich für diese Menschen eignen, offerieren. Integration basiere auf Spracherwerb, der vor allem, so warf Richard Zieglmeier ein, Menschen mit ausschließlich arabischen Wurzeln ohne vorherige Fremdsprachenkenntnisse sehr schwerfalle. Hier fordert Hagl, Integrationshilfen begleitend zu Praktika, respektive Ausbildungsstellen zu erweitern, zumindest durch fachspezifische Deutschkurse.

Das, was Hagl aus Abensberg mitnimmt, sei „lobenswert und toll“. Freilich fordert sie noch mehr gesellschaftliches Engagement bislang sich eher zurückhaltender Kreise. Und wichtig, das legt sie jedem Stadtrat und jeder Stadträtin ans Herz, sei, die Bevölkerung vor Ort rechtzeitig und offen über Initiativen in Sachen Asylarbeit vor Ort einzubinden. So lasse sich eine Menge an Problemen und auch die der AfD in die Hände spielende Grundangst vor Neuem/Fremden vermeiden.

Ein Beispiel dafür hatte Geltl für die Landeschefin parat: Die Wasserwacht, in der sie engagiert ist, hat für Abensberg Baderegeln herausgegeben, die klären, welche Badebekleidung angemessen ist – in arabischer Sprache. Das freut Hagl, die aber befürchtet, dass opportunistische Politiker sich nicht aufhalten lassen werden, hier gesetzliche Regelungen zu fordern, die sie für völlig überflüssig hält. Erst vor ein paar Tagen habe dies der als „Kronprinz“ gehandelte Heimatminister Dr. Markus Söder gefordert.

Weitere Meldungen aus Abensberg lesen Sie hier

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht