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Tiefschläge gehören zur Flüchtlingshilfe

Brigitte Schwikowski ist eine von etlichen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern in Saal. Sie erzählt von Höhen und Tiefen.
von Evi Schmidl

Brigitte Schwikowski mit Flüchtlingen beim Deutschkurs
Brigitte Schwikowski mit Flüchtlingen beim Deutschkurs Foto: Schwikowski

Saal. „Eigentlich will ich nicht herausgehoben werden”, sagt Brigitte Schwikowski. Schließlich würden in Saal rund 15 Personen den örtlichen Asylbewerbern helfen. Die Nachbarschaftshilfe habe damals, als die ersten Flüchtlinge Saal erreichten und am Ringweg untergebracht waren damit begonnen, Deutschkurse zu geben. „Dafür wurden Leute gebraucht”, berichtet sie von ihrem persönlichen Einstieg. Weil sie kurz vorher ihren Beruf als selbstständige Fotografin aufgegeben hatte, die eigenen Kinder längst erwachsen sind „und mein Mann Reinhard immer wieder mit dem Thema kam, habe ich mich breit schlagen lassen”. Anfangs eben eine Stunde wöchentlich ”und dann sind die Aufgaben so langsam mehr und mehr geworden”, schmunzelt sie.

Papiere sortieren als erste Aufgabe

Dinge des täglichen Bedarfes beschaffen, Wege zu Ämtern und Behörden mit gehen, Arzt- oder Krankenhausbesuche begleiten. „Die Menschen mit denen wir es diesbezüglich zu tun haben, sind sehr nett”. Weil in den Papieren der Afghanen und Syrer am Ringweg keinerlei Ordnung herrschte, „hab ich erst mal alles sortiert und für jeden eine Akte angelegt”. Auch kleine Dinge wie das Beschriften von Fahrrädern, damit jeder Bewohner Verantwortung für sein eigenes übernähme, kämen dazu. Oft seien die jungen Männer nicht davon begeistert, wieder die Schulbank drücken zu müssen, „wer aber die Integration wolle, müsse diese berufsorientierte Ausbildung am Beruflichen Schulzentrum in Kelheim machen“. Dann gelte es Dinge des Alltages zu regeln oder zu erklären.

Falschen Erwartungen im Gepäck

„Ich sag ihnen oft wie viel Geld ein Mensch verdienen muss, um selbstständig leben zu können”, sagt die Ehrenamtlerin. Auch um Sauberkeit ginge es, um Busverbindungen oder um die Tatsache, dass „Null Bock” nirgendwo funktioniere. Viel mehr Förderung wünsche sie sich für jene jungen Leute, die in ihren Heimatländern kaum Schulbildung genossen hätten. Viele seien auch mit falschen Erwartungen her gekommen und müssten immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück gebracht werden.

Als überaus positiv bewertet Brigitte Schwikowski den engen Kontakt der Helfer miteinander. Wichtig währe es auch, Flüchtlings-Schicksale die sich immer mehr offenbarten, „nicht zu nahe an sich heranzulassen –sonst geht man selbst kaputt”. Von dem jungen Mann erzählt sie, der eine Kugel im Oberschenkel hat. Dessen Operation immer und immer wieder verschoben würde und der nur mit Schmerzmitteln leben könne. Das Telefon läutet, Schwikowski hört zu, bedankt sich und erzählt: „Das war der Anruf auf den ich so gewartet habe. Der Operationstermin ist nun, Dank Beziehungen, für den 3. November fest gelegt. Ich fahr dann gleich rüber und sag’s ihm.”

Was dringend gebraucht würde, seien Wohnungen, Lehrstellen und Jobs für Personen mit Bleiberecht. Auch eine Art Paten die sich besonders um einen oder zwei Einzelpersonen kümmerten. Dann berichtet Schwikowski von „meiner großen Enttäuschung”. In einem alten Haus habe sie für eine Familie, deren Oberhaupt bereits in Lohn und Brot stünde, eine Wohnung gefunden. Mit dem Vermieter sei abgesprochen worden „ dass die Leute die Wohnung säubern, sanieren diese ein wenig umbauen und sich dann wohnlich einrichten.” Zu zahlen seien dann 400 Euro Miete und das vorhandene Brennholz käme kostenfrei dazu. Der ganze Sperrmüll sei mittlerweile beseitigt, die Tapeten von den Wänden gekratzt, die Uraltbodenbeläge herausgerissen. „Viele Asylbewerber haben zusammen geholfen”, sagt sie. Nun, als die Unterzeichnung des Mietvertrages vonstattengehen sollte, „hat uns der Vermieter gesagt er will 1200 Euro für das Holz extra”.

Jetzt müsse sie es der Familie überlassen, ob sie weiter renovieren wolle und den geforderten Betrag bezahlen. „Ich kann ihnen diese Entscheidung nicht abnehmen”, sagt Schwikowski. Persönlich sei sie aber tief enttäuscht und auch verärgert vom Vermieter.

Dennoch bleibt sie dran: „Freilich ist diese ehrenamtliche Betreuung oft schwierig und mit manchem Tiefschlag, aber auch viel Freude und Dankbarkeit verbunden.“

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