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Debatte

„Wir wollen das gar nicht schaffen“

Mit einem Brief an die Kanzlerin polarisiert Riedenburgs Bürgermeister auf seiner privaten Facebook-Seite.
Von Martina Hutzler

Siegfried Lösch
Siegfried Lösch Foto: Archiv

Riedenburg.Eine hitzige Debatte im Sozialen Netzwerk Facebook hat der Riedenburger Bürgermeister Siegfried Lösch losgetreten. Auf seiner privaten Facebook-Seite hat er in den letzten Tagen mehrere Posts rund um das Thema Asyl veröffentlicht – darunter eine von einem anderen Facebook-Teilnehmer übernommene „Nachricht an Merkel in Kreuth“. Darin heißt es unter anderem „Wir wollen unsere Heimat nicht verlieren! […] Wir wollen keine multikulturelle Gesellschaft! Wir wollen deutsche Traditionen so behalten, wie wir sie von unseren Vorvätern geerbt haben!“

Rund 70 Mal drückten andere Facebook-Teilnehmer den „Gefällt mir“-Knopf; bei den Kommentaren ist das Bild zweigeteilt: Die einen stimmen „voll und ganz zu“. Andere werfen ihm indirekt vor, „rechte Parolen“ zu verbreiten.

Siegfried Lösch selbst ist überzeugt, sein Post „hat nichts mit Rechtsradikalismus oder so zu tun“; wer das rauslese, müsse selbst „eine rechtsradikale Gesinnung haben. Das ist nur meine freie Meinung als Bürgermeister“. Ein generelles „Nein“ zur Aufnahme von Flüchtlingen? Nein, so wolle er den Beitrag nicht verstanden wissen, sagt Lösch auf Nachfrage der MZ. „Aber man kann nicht unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen“, das sei seine feste Überzeugung, gerade auch als Bürgermeister.

Nachricht an Merkel in Kreuth! Dorothee Bär und Andreas Scheuer

Posted by Siegfried Lösch on Mittwoch, 6. Januar 2016

Als solcher sei man nämlich mit den Problemen vor Ort konfrontiert und damit Leidtragender der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel („diese Dame ist nicht mehr meine Kanzlerin“), findet der seit 2014 amtierende Bürgermeister von Riedenburg: „Merkel hätte nicht sagen sollen, ,wir schaffen das‘, sondern ,Ihr da unten werdet das schon schaffen‘“.

„Mein Post hat nichts mit Rechtsradikalismus oder so zu tun. Wer das darin rausliest, der muss doch selbst eine rechtsradikale Gesinnung haben. Mein Post soll ausdrücken, dass wir eine Obergrenze brauchen, denn so kann es nicht mehr weitergehen.“

Bürgermeister Siegfried Lösch

Die Zweifel daran teilten mittlerweile auch Helferkreise, Schulleiter und andere örtlich Involvierte, ist Lösch überzeugt.

Er sehe keine andere Möglichkeit, diese Botschaft an die Kanzlerin zu übermitteln, begründet der CSU-Politiker die Weiterleitung des „offenen Briefs“ an zwei führende CSU-Kollegen, Staatssekretärin Dorothee Bär und Generalsekretär Andreas Scheuer am Mittwoch, parallel zur CSU-Klausur in Wildbad Kreuth und dem dortigen Besuch der CDU-Vorsitzenden Merkel. „Es müssten mehr Bürgermeister den Arsch in der Hose haben, das zu sagen“, fordert der 37-Jährige.

Scharfen Widerspruch erntet er von seinem Amts- und Parteikollegen Richard Reischl aus dem oberbayerischen Hebertshausen. Der fragt sich, angesichts der aktuellen Flüchtlingszahlen, „Wie kann man nur im entferntesten denken, dass wir überrollt werden, unsere Kultur verlieren und unser Land?“ Die Behauptung Löschs, „ja es gab in 2015 einen Kriminalitätsanstieg verursacht von Flüchtlingen“ kontert Reischl mit dem Hinweis „Straftaten gibt es 1000de gegen Ausländer, das wird nicht betrachtet“.

Beim Thema Straftaten und deren Ahndung wählt Lösch ebenfalls eine sehr drastische Form auf Facebook, um seine Meinung kundzutun: Er gibt auf seiner Seite ein mutmaßlich in Indien gedrehtes Video wieder, in dem halbnackte festgebundene Männer von einem wütenden Mob geschlagen werden; dazu kommentiert der Urheber des Beitrags: „Sowas passiert mit Kinderschändern in anderen Ländern! #Like wenn du auch dafür bist das es überall so gemacht werden muss!“ Das sei noch viel zu harmlos, verkündet Lösch: „Ob Ausländer oder Einheimischer – wenn jemand Kinder schändet, gehört der Schniedel ab, fertig!“

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