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Soziales

Regensburger laufen mit der Sea Eye aus

Arne Schmidt, Nathalie Decuypere und David Stahl stehen kurz vor ihrem nächsten Einsatz. Sie retten Flüchtlinge vor Libyen.
Von Daniel Geradtz, MZ

Michael Buschheuer ist der Initiator der Regensburger Flüchtlingsinitiative „Sea Eye“. , Wanner
Michael Buschheuer ist der Initiator der Regensburger Flüchtlingsinitiative „Sea Eye“. , WannerFoto: dpa

Regensburg. Es ist keine einfache Aufgabe, der sie sich stellen. Am 23. März beginnt die zweite Mission der „Sea Eye“ in diesem Jahr. Mit dabei sind auch drei Regensburger. Arne Schmidt, Nathalie Decuypere und David Stahl werden mit sechs weiteren Helfern imSeegebiet vor Libyen unterwegs sein, um schiffbrüchige Flüchtlinge aus ihrer Notlage zu befreien.

„Wirklich vorstellen, was auf einen zukommt, kann man sich das erst in dem Moment, wenn es losgeht“, sagt Decuypere. Sie hat im vergangenen Jahr Erfahrungen auf der Basisstation in Malta gesammelt. Damals war sie sechs Wochen im Einsatz, die jetzige Sea-Eye-Mission wird zwei Wochen dauern. Auch wenn die Zeit sehr anstrengend war, sagt sie, dass ihr erneutes Engagement nicht zur Debatte gestanden hätte. „Ich habe eine Pause gebraucht, war aber immer bei den Treffen präsent und habe versucht, das zu machen, was in meiner Macht steht“, sagt sie. Denn auch wenn sie nicht im Einsatz ist, braucht der von Michael Buschheuer in Regensburg gegründete Verein „Sea Eye“ die Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer.

Zwischenmenschliches ist wichtig

Nathalie Decuypere glaubt, dass die Zeit auf dem Seenotrettungsschiff nicht nur körperlich anstrengend wird. „Wir sind in einer Extremsituation auf engem Raum. Was sich intern abspielt, kann auch zur Hürde werden. Allerdings habe ich das Glück, dass ich einige meiner Leute bereits kenne“, sagt sie. Das kann auch Arne Schmidt bestätigen. Er war als Kapitän schon im vergangenen Jahr im Einsatz. „Spannungen können sehr ermüdend sein“, sagt er. Er ist davon überzeugt, dass er sich mit seinen Mitstreitern zu einer guten Truppe zusammenfinden wird. Schon beim letzten Mal habe die Crew gut harmoniert.

Unzählige in Seenot geratene Menschen hat die „Sea Eye“ schon gerettet. Foto: Sea Eye
Unzählige in Seenot geratene Menschen hat die „Sea Eye“ schon gerettet. Foto: Sea Eye

Schmidt hat bereits langjährige Erfahrung als Kapitän. Neunmal durchquerte er den Atlantik. In seinem Fachgebiet hätte er keine Ausrede gehabt, um sich nicht zu engagieren. „Ich war von Anfang an dabei“, sagt er über das Sea-Eye-Projekt. Die Erfahrung auf hoher See kam ihm zu Gute in der so verantwortungsvollen Position. Schließlich habe der Kapitän die Verantwortung für den gesamten Einsatz. Er müsse auch gewährleisten, dass der Einsatz politisch korrekt ablaufe. Er sieht sich in der Pflicht, zu helfen, wenn die Politik nicht genug tut.

Schmidt sagt, dass er nach dem ersten Einsatz „schon ziemlich kaputt“ war. Im vergangenen Jahr wurden 1250 in Seenot geratene Personen innerhalb der ersten Tage gerettet. Danach ging es für die Crew vergleichsweise ruhig zu. Doch im schlimmsten Fall sei es ein Einsatz, der 14 Tage permanent unter Vollgas stattfinde.

Die Besatzung des ehemaligen Fischkutters wechselt regelmäßig, doch das Schiff bekommt keine Pause. Fast nahtlos geht es von den Händen der einen Crew in die der anderen über: Wenn die neue Besatzung die Sea Eye am 22. März übernimmt, geht es für sie am folgenden Tag schon weiter. „Ich hoffe, dass wir auch danach die Sea Eye wieder gut übergeben können“, erklärt der Zimmermeister und Restaurateur Schmidt.

Er selbst wird zwei Tage vor dem Beginn der Mission in Malta ankommen. Dort wird die Mission beginnen. Zeit, um sich vor Ort vorzubereiten, hat er nicht. Schon beim letzten Mal habe er nicht viel von der Insel gesehen. Seine Mitstreiterin Nathalie Decuypere will hingegen ein bisschen früher nach Malta reisen.

Kraft tanken vor dem Einsatz

„Wenn man aus dem Alltagsstress sofort hinfährt, wäre das für mich zu schnell. Ich freue mich auf den Einsatz, brauche aber Zeit, um mich darauf einzustellen.“ Nathalie Decuypere will die Zeit nutzen, um die nötige Kraft zu tanken.

Die rund 60 Jahre alte Sea Eye ist seit 22. Februar 2016 im Auftrag des Vereins unterwegs. In den bisherigen Missionen retteten die Crewmitglieder mehr als 5500 in Seenot geratenen Personen das Leben. Zwischenzeitlich hatte die Organisation mit „Speedy“ ein weiteres Boot im Einsatz. Doch das befindet sich nun in den Händen der libyschen Küstenwache. Damals wurde die Crew festgenommen. Die Besatzung wurde nach einigen Tagen freigelassen.

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