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Gesellschaft

„Welcome Challenge“: Flüchtlingen helfen

Ein Berliner hat die „Welcome Challenge“ ins Leben gerufen. Kann sie ähnlich erfolgreich sein wie die „Ice Bucket Challenge“?
Von Mario Geisenhanslüke, MZ

Gregor Anthes (links) – auf dem Bild mit zwei Flüchtlingen – hat die „Welcome Challenge“ ins Leben gerufen.
Gregor Anthes (links) – auf dem Bild mit zwei Flüchtlingen – hat die „Welcome Challenge“ ins Leben gerufen. Foto: Gregor Anthes

Berlin.Das Ziel sei, nicht zu zeigen „Ich helfe besser“ – sondern Helfer zu finden. Gregor Anthes hat eine klare Vorstellung davon, was er mit seiner Facebook-Gruppe „Welcome Challenge“ bewirken will, die er Mitte August ins Leben gerufen hat: Er will Menschen dazu animieren, Flüchtlingen zu helfen.

Zusammen mit dem Regisseur Michael Simon de Normier und zwei weiteren Freuden hat der Fotograf aus Berlin die Gruppe in dem sozialen Netzwerk gegründet, die mittlerweile schon mehr als 7000 Mitglieder (Stand Donnerstagmittag) hat.

Peer Kusmagk half am Donnerstag im Rahmen der „Welcome Challenge“ bei einer Kleiderausgabe.
Peer Kusmagk half am Donnerstag im Rahmen der „Welcome Challenge“ bei einer Kleiderausgabe. Foto: Gregor Anthes

Die Regeln sind einfach: Wer Flüchtlingen helfen will, soll sich informieren, Helfer suchen, gemeinsam eine Aktion starten, von dieser ein Foto oder ein Video in der Gruppe posten – und damit andere mit dem Hashtag „#welcomechallenge“ nominieren, die dann vielleicht auch bereit sind, selbst aktiv zu werden.

Das Prinzip der „Ice Bucket Challenge“

Das Prinzip ist angelehnt an die „Ice Bucket Challenge“: Im vergangenen Jahr schütteten sich Prominente und nicht Prominente einen Eimer mit Eiswasser über den Kopf und spendeten schließlich an Institutionen, die ALS-Kranken helfen oder die Krankheit erforschen. Mit dabei waren auch Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und der Schwandorfer OB Andreas Feller. ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) ist eine seltene und schwere Erkrankung des Nervensystems. Anschließend konnten sie via Twitter oder Facebook bis zu drei Freunde nominieren.

Ice Bucket Challenge: Die Stars machten schon mit

Aber war die „Ice Bucket Challenge“ nur ein viraler Sommerloch-Hit, der am Ende nichts gebracht hat? Im Gegenteil: Allein die ALS-Ambulanz der Berliner Charité hat im Jahr der Challenge 1,6 Millionen Euro Spenden erhalten. Stand Mitte Juli dieses Jahres waren es gerade einmal 150 000 Euro. Bei der amerikanischen ALS Association kamen durch die Aktion 2014 sogar 115 Millionen Dollar (92 Millionen Euro) zusammen.

„Wollen nicht polarisieren“

Großer Erfolg nach einem Aufruf für die „Welcome Challenge“
Großer Erfolg nach einem Aufruf für die „Welcome Challenge“ Foto: Gregor Anthes

Auf einen ähnlichen Volltreffer hofft Gregor Anthes mit der „Welcome Challenge“. Im Gespräch mit der MZ sagt er: „Wir wollen eine basisdemokratische Welle durch das Land schwappen lassen – und am besten durch ganz Europa.“

Helfen in Regensburg

  • Aktion Rückenwind

    Eine Möglichkeit, in Regensburg Flüchtlingen zu helfen, ist die „Aktion Rückenwind“ . Wie Diakonie und Werkhof Regensburg am Freitag mitteilten, seien nach der erfolgreichen Sammlung von Fahrrädern im vergangenen Jahr (die MZ berichtete ) „zahlreiche Kinderräder, Roller, Spielsachen und vor allem auch viele brauchbare Fahrräder gesammelt worden.“

  • Freiwillige Helfer

    Die Spenden werden überprüft, falls möglich und nötig von freiwilligen Helfern repariert – und dann an „Menschen weitergegeben, damit sie sich in ihrem neuen Umfeld bewegen und am Leben besser teilnehmen können.“

Momentan scheint er auf einem guten Weg zu sein, auch wenn die Bekanntheit der Aktion im Moment noch recht überschaubar ist. Die vergangenen zwei Tage indes seien schon heftig gewesen. „Ich habe momentan einen Vollzeitjob als ehrenamtlicher Helfer“, sagt Anthes. Es gäbe mittlerweile schon ein ebenfalls ehrenamtliches Kommunikationsteam, um die ganzen Anfragen zu beantworten. „Dabei hatten wir am Anfang ziemliche Probleme, unsere Idee zu vermitteln“, sagt er. „Wir wollen nicht polarisieren.“

„Müssen was machen“

Christian Hammerle hat Brot für Flüchtlinge bereitgestellt.
Christian Hammerle hat Brot für Flüchtlinge bereitgestellt. Foto: Gregor Anthes

Die Idee zur „Welcome Challenge“ sei ihm und Michael Simon de Normier bei einem Abendessen gekommen. Nachdem beide – voneinander unabhängig – an einer Anlaufstelle für Flüchtlinge mitgeholfen hatten, „haben wir uns gedacht: Wir müssen was machen.“

Und schon jetzt ist die Gruppe ein Spiegelbild des Teils der Gesellschaft, der aktiv Flüchtlingen helfen und sie Willkommen heißen will – eine Auswahl:

#welcomechallengeLeute meine Nominierungen sind raus helft helft helft. Danke an Michael Simon de Normier und Gregor...

Posted by Django Guel on Mittwoch, 19. August 2015

#WELCOMECHALLENGE Danke für die Nominierung, lieber Michael Simon de NormierUUUUUND aufgepasst, liebes...

Posted by Achan Malonda on Montag, 17. August 2015

WIR NOMINIEREN!!!

Posted by Black Cat Berlin on Sonntag, 16. August 2015

Danke an Wolfgang Brückner für die Nominierung zur #welcomechallengeBerlin hat in den letzten Tagen bewiesen, dass es...

Posted by Leslie Nachmann on Sonntag, 16. August 2015

Kommentar

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