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Dienstag, 25. September 2018 15° 1

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Afghanistan ist unsicher

Die Verteidigungsministerin erhöht die Truppenstärke wieder. Das heißt die Lagebeurteilung im Jahr 2014 war falsch.
Reinhard Erös ist Gründer der Kinderhilfe Afghanistan

Reinhard Erös ist Gründer der Kinderhilfe Afghanistan.
Reinhard Erös ist Gründer der Kinderhilfe Afghanistan.

Seit 17 Jahren „verteidigen deutsche Soldaten unsere Sicherheit am Hindukusch“. Die traurige Bilanz bislang: 56 Gefallene – die letzten drei aus Niederbayern –, Hunderte kamen verwundet zurück. Und vor wenigen Tagen erfahren wir von Ministerin von der Leyen: Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Dabei hatte die Ministerin erst vor drei Jahren die Truppenstärke von damals 5000 deutlich auf knapp 600 mit der Begründung reduziert: Die Sicherheitslage ist zufriedenstellend, 350 000 afghanische Sicherheitskräfte haben die Aufständischen im Griff. Vor wenigen Tagen hat dieselbe Ministerin nun beschlossen, unser Kontingent wieder auf 1400 Soldaten aufzustocken. Ihre Begründung jetzt: Die afghanische Armee hat die Lage keineswegs unter Kontrolle, die Aufständischen beherrschen inzwischen weite Teile des Landes. Nun ist eine korrekte Lagebeurteilung wesentlicher Lehrinhalt an der Offiziersschule, um später einen Einsatz erfolgreich zu führen. Die Diskrepanz der beiden Lagebeurteilungen ist offensichtlich: Entweder war für unsere militärische Führung 2014 der „Wunsch der Vater des Gedanken“, das heißt sie hat bei einer wesentlichen Aufgabe kläglich versagt. Oder die damals verantwortliche Generalität – so vermuten nicht nur Böswillige – hat im „vorausschauenden Gehorsam“ den politischen Wunsch ihrer Chefin erfüllt, nämlich der deutschen Öffentlichkeit einen erfolgreichen Einsatz und daher begründeten Abzug zu verkünden. Die Zahl der Aufständischen hat sich nämlich in diesen drei Jahren nicht geändert: In Afghanistan kämpfen weiterhin 30 000 Taliban, 2000 IS-Kämpfer und 300 Al Qaida-Terroristen. Nun erhöht die Ministerin die Truppenstärke um 40 Prozent. Unsere Soldaten haben weiterhin keinen Kampfauftrag, sondern lediglich die Aufgabe, Afghanen auszubilden. Nicht veröffentlicht hat von der Leyen, dass von den 1400 Soldaten lediglich einige Dutzend als Ausbilder eingesetzt werden. Die „restlichen“ 1300 sind in der Verwaltung tätig bzw. dienen hinter meterhohen Betonmauern dem Schutz der Ausbilder.

Die bisherigen Kosten des deutschen Einsatzes betrugen 20 bis 30 Milliarden Euro. Für jedes weitere Jahr zahlen wir circa 600 Millionen. Sehr viel Geld für ein Potemkinsches Dorf in einem zunehmend unsicheren Land. Von einer Aufstockung der Entwicklungshilfe ist nichts zu vernehmen.

Der Autor Reinhard Erös ist Gründer der Kinderhilfe Afghanistan. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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