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Mittwoch, 25. April 2018 22° 3

Tierschutz

Ben – der letzte Zirkusbär

Die grausame Bärenhaltung im Zirkus ist zwar beendet. Doch in Zoos und Tierparks geht die Quälerei weiter.
Rüdiger Schmiedel ist Geschäftsführer der Stiftung für Bären

Rüdiger Schmiedelist ist Geschäftsführer der Stiftung für Bären.

Berlin.Als Ben – der letzte Zirkusbär – 2016 befreit wurde, endete ein grausames Kapitel der Bärenhaltung in Deutschland. Über 20 Jahre beharrliche Tierschutzarbeit waren dazu nötig. Ein fundamentaler Erfolg, der jedoch durch eine bestürzende Entwicklung getrübt wird: inflationäre Zucht. Gerade für Wildtiere ist dies eine furchtbare Situation, denn Verhaltensstörungen sind keine Seltenheit, sondern an der Tagesordnung. Viele Tiere auf wenig Raum. An natürliches Verhalten ist hierbei kaum zu denken. Dass jene Haltung nicht mehr zeitgemäß ist, bedarf keiner Diskussion. Dennoch ist es die Realität für die meisten Wildtiere in Gefangenschaft.

Seit über 20 Jahren nehmen sich die Experten der Stiftung für Bären dem Leid misshandelter Wildtiere an. Aus deutschen Zoo- und Tierparkbetrieben stammt eine Großzahl der vierbeinigen Opfer. Viele von ihnen sind sogenannte Wegwerftiere, also Tiere, die das Feld räumen müssen, um für jüngere Exemplare Platz zu schaffen. Ein Braunbär in Gefangenschaft kann bis zu 40 Jahre alt werden. Welcher zoologische Betrieb wartet jedoch 40 Jahre, bis er den Besuchern „neue“ Welpen präsentieren kann? Die tägliche Arbeit in den Tierschutzprojekten der Stiftung zeigt: Viele Tierquälereien könnten verhindert werden, wenn die Zucht aufhören würde. Offiziell wird die Nachzucht nicht mit Wirtschaftlichkeit, sondern mit Artenschutz begründet. Etwa beim Eisbären. Problem ist aber, dass er nie artgerecht gehalten werden kann. Die Zucht von Eisbären in Zoos bringt für den Artenschutz letztlich nichts, denn weder können die Tiere ausgewildert werden, noch rettet sie deren Lebensraum. Artgerecht ist nur die Natur und diese wird systematisch von Menschen zerstört. Wir können nicht die Wildnis durch Nachzucht von Tieren in Zoos retten.

Im Gegenteil, die Folgen sind gravierend: Allein 2016 erhielt die Stiftung 186 Beratungsanfragen und 136 gemeldete Fälle zur Übernahme von misshandelten Tieren. Dabei ist auffällig, dass gerade ein Großteil an Wölfen und Luchsen unter katastrophalen Umständen leidet. Eine der Hauptursachen ist das unkontrollierte Produzieren von Nachwuchs, denn Tierbabys sind Besuchermagneten. Dabei wird Inzucht oftmals in Kauf genommen, ebenso wie Verhaltensstörungen und systematische Degeneration der Art. Wie lange wird das Märchen vom Artenschutz im Zoo also noch erzählt?

Der Autor ist Geschäftsführer der Stiftung für Bären. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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